Höckersporer

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There are 6 replies in this Thread. The last Post () by thomas90.

  • Liebe Rißpilzfreunde,


    mir ist natürlich klar, daß von Schnecken angefressene Einzelexemplare normalerweise nicht bestimmbar sind.
    Trotzdem will ich hier mal einen solchen Fund zur Diskussion stellen, da er einige besondere Merkmale aufweist. Vielleicht hat ja einer von Euch dazu eine zündende Idee.


    Beschreibung:
    Hut: 3,5 cm Durchmesser, Mitte stumpf gebuckelt, Rand nach oben geschlagen, tief bis über die Hälfte eingerissen, eigenartig rotbraun, mit bloßem Auge +/- glatt erscheinend, unter der Lupe am Rand fein faserig und in der Mitte feinschuppig. An den Einrißstellen sieht man unter der Huthaut eine orangegelbe Färbung.
    Lamellen: grau, untermischt, Schneide glatt, gleichfarbig
    Stiel: 6 x 0,8 cm, weißlich, grob wollig braun überfasert. Basis etwas erweitert, aber nicht knollig.
    Geruch: spermatisch
    Standort: in der Krautschicht auf schotterigem zugewachsenem ehemaligem Wanderweg. In der Nähe Rotbuche, Hainbuche und Fichte.
    Sporen: deutlich höckerig, bis 9 x 7 µm
    Hymenialzystiden: ganz überwiegend 60 - 70 x 16 - 20 µm groß, mit abgerundeter Basis, die Wände der unteren Hälfte kaum verdickt, Wandstärke oben dagegen bis 3 µm, wenig bis gar kein Kristallbesatz.
    Daneben finden sich aber auch schlankere Zystiden ( bis 80 x 10 ) und solche mit Kristallschopf.


    In einer Probe der Stielrinde vom oberen Drittel keine Kaulozystiden gesehen (es könnten also höchstens ganz oben welche vorhanden sein).


    Das sieht mir doch nach einem Vertreter der Sekt. Petiginosae aus. Aber welche Art ? castanea vielleicht ? oder ist es vielleicht doch aus einer völlig anderen Ecke ??




    Viele Grüße,
    Harald

  • Guten Morgen, lieber Harald,
    ich möchte zum einen sagen, dass man das sooo allgemein nicht sagen, kann, dass ein Einzelfruchtkörper normalerweise nicht bestimmbar ist. Wenn es charakteristische Merkmale gibt, kann man das natürlich schon.
    In deinem Fall passen für mich deine Angaben nicht zusammen: Die Stiele bei der Sektion Petiginosae sind gänzlich oder jedenfalls bis unter die Stielmitte metuloid bereift. Wenn du keine metuloiden Caulozystiden gefunden hast, kann die Inocybe nicht zu dieser Sektion gehören. Die rundbodigen Zystiden sowie deren Form sprechen allerdings schon für die Sektion. (Rundbodig sind aber Zystiden zuweilen auch bei Vertretern der Marginatae - nur nicht in der Häufigkeit.)
    Castanea hat als Charakteristikum häufig Harzkappen auf den Zystiden, das haben deine - soviel ich sehen kann - nicht.
    Liebe sonntägliche Grüße
    Ditte

  • Liebe Ditte,


    vielen Dank für Deine Einschätzung,
    ja, ich gebe zu, fehlende Kaulozystiden und Petiginosae passen nicht so perfekt zusammen. Ich hatte nur wegen der basal abgerundeten Zystiden keine andere Erklärung. Daß solche Zystiden auch bei den Marginatae vorkommen, ist mir neu, wieder was gelernt ! Vielleicht werde ich in 20 Jahren bei den Rißpilzen mal durchblicken ! :)
    Ich hab auch schon die Höckersporer Deiner Homepage durchgeklickt, aber nichts wirklich Passendes gesehen.


    Bist Du eventuell an dem Exsikkat interessiert ?


    Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag !
    Viele Grüße
    Harald

  • Bring das Exemplar doch einfach mit zum Forumstreff, Harald, dann schau ich mir den Stiel nochmal an. Ich hab ja natürlich mein Mikroskop dabei.


    Noch zur Ergängung des Themas Einzelfruchtkörper: Wenn ich sage, dass man sehr wohl Einzelfruchtkörper bestimmen kann, dann, weil es bei etlichen Arten Merkmale gibt, die man auch bei einem einzigen Fruchtkörper als eindeutig bezeichnen kann: die Sporen von asterospora, gaillardii oder rennyi - um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Andere sind makroskopisch bereits als eine bestimmte Art zu identifizieren - vorausgesetzt, und das ist das ABER, die Fruchtkörper sind völlig intakt, und nicht zu jung und nicht zu alt. Obwohl auch diese Aussage schon wieder zu relativieren ist etwa in Bezug auf die Mallocyben, wo es sehr wichtig ist, dass man auch einen jungen Fruchtkörper dabei hat, wo man die Farbe der Cortina sehen kann...
    Was deinen Fruchtkörper angeht, so kann man da gut sehen, warum es im Prinzip so wichtig ist, dass man mehrere Exemplare für eine Bestimmung zu Verfügung hat: Du hast keine metuloiden Caulozystiden gefunden. Da aber hier die mikroskopischen Merkmale mit diesem Befund nicht recht zusammenpassen, der Stiel von dem einen Exemplar aber ziemlich zerfleddert aussieht, bräuchte man jetzt ein intaktes zweites (und am besten auch drittes) Exemplar, um das nochmal zu überprüfen und abzusichern. Außerdem ist dein Pilz alt - es ist also auch manch anderes nicht mehr zu überprüfen (wenn es eine nur oben bereifte Art wäre, z.B. die Cortinareste; ansonsten z.B. Velumreste). Dann auch die Stielbasis. Erst bei mehreren Exemplaren kann man eigentlich sicher über die Basis-Verhältnisse urteilen, es sei denn das eine Exemplar hat bereits - das also ist der Idealfall - eine wunderbare deutlich gerandete Knolle.
    Usw usw. usw.
    Ich kann jetzt also versuchen, bei deinem doch noch Caulozystiden zu finden, aber für eine eindeutige Bestimmung reichen die mikroskopischen und makroskopischen Merkmale meines Erachtens selbst dann, wenn es (wie ich annehme) doch Caulozystiden bis über die Mitte gibt, nicht aus.
    Nochmal liebe Grüße
    Ditte

  • Oh, ich hab mich wohl geirrt, dass ich dachte, du kämst nächste Woche zum Pilzepilze-Forumstreffen in den Harz. Es kommen so viel Leute dahin, dass ich dich wohl einfach hinzugedacht habe oder so...
    Ja, wenn nicht, musst du eben selbst den Stiel nochmal gründlich absuchen oder eben warten.
    Liebe Grüße
    Ditte