Cortinatae bei Kiefer in der Fröttmaninger Heide

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There are 6 replies in this Thread. The last Post () by Hias.

  • Hallo zusammen,


    im Oktober sind mir auf der Fröttmaninger Schotterheide bei Kiefer zwei Risspilze in die Hände gefallen, aus denen ich nicht so recht schlau werde. Beide schlüsseln sich mit FN, Kuyper und Stangl in die Nähe von I. nitidiuscula, haben aber beide nicht allzu viel gemein mit dem Bild, das ich von dieser Art habe.


    Die erste Kollektion:






    Der Einfachheit halber verlinke ich hier einfach mal auf die vollständige Dokumentation mit allen Mikrofotos (Nr. 4/2013)




    Die zweite Kollektion:






    Auch hier der Link zur Doku (Nr. 5/2013).


    Mit Funden bei Kiefer habe ich kaum Erfahrung, vielleicht könnt ihr diese Inocyben besser einordnen.


    Beste Grüße


    Hias

  • Guten Morgen, Hias, also ich halte das für Inocybe tarda - insofern warst du also nah dran.
    Typisch für sie: stämmig, ohne den deutlichen nitidiuscula-Buckel, meist stumpf braun, Sporen bis ca. 12 µm, Wachstum spät im Jahr und auf Sand bei Kiefern. Es ist inzwischen erwiesen, dass es sich um eine eigene Art handelt. Ich häng mal zwei Fotos von mir an - ebenfalls Ende Oktober bzw. November, Sand bei Kiefer - zwei verschiedene Standorte. Sie sind, wie man sieht, in der Wunchsform nicht einheitlich, aber immer irgendwie robust.
    Liebe Grüße in die Runde
    Ditte

  • Hallo Ditte und Hias


    Ich finde diese Art seit Jahren im NSG Brachter Wald (Depot) auf Sandboden unter Kiefern. Auffallend ist immer der recht robuste Habitus. Allerdings erscheint die Art bei weitem nicht in jedem Jahr. Der erste Fund vom 17.09.2001 blieb zunächst unbestimmt Am 08.10.2004 kam ich mit inzwischen erweiterten Kenntnissen auf I. cf. nitidiuscula. Am 12.11.2005 brachte B. Oertel dann den Namen I. tarda ins Spiel. Weitere Funde gelangen erst am 18.09.2010 und am 23.10.2012. In diesem Jahr sah ich überständige Frk. am 27.10.2013.


    LG Karl

  • Hallo zusammen,


    prima, es hätte mich schon gestört, diese schönen Inocyben bei I. nitidiuscula eingemeinden zu müssen. Dittes Fotos stimmen gut überein, finde ich. Auf I. tarda wäre ich nie gekommen, weil im Schlüssel der FN als Erstes steht: bei Laubbäumen auf Sandboden, Hymenialzystiden deutlich gelb in KOH. Also gleich drei Merkmale, die auf die Fröttmaninger Spätstarter nicht zutreffen. Leider ist die ZP37, auf die in FN verwiesen wird, die einzige, die auf der DGfM-Website nicht online ist. Ob die Skandinavier wirklich denselben Pilz meinen?


    Vermutlich habe ich diese Art schon mal in Italien gefunden. Dort sah sie so aus:




    und hatte zumindest teilweise gelbe Cheilozystiden:



    Ich hatte die Kollektion eben wegen des Schlüssels in FN als I. tarda abgelegt. Sie hätte eigentlich Inocybe prima heißen müssen, da ich sie am 1. Mai fand. Standort war ein Flaumeichenwald in der Toskana. Makroskopisch passt sie sehr gut zu den Inocyben aus der Schotterheide - eben eine Nitidiuscula, die ihren Buckel an der Garderobe abgegeben hat, wie ich damals schrieb. Hier noch ein Link zu den Italienern.


    Beste Grüße


    Hias

  • Guten Morgen, Hias und alle übrigen....! Da man ja - um mit einem meiner Lieblinge, nämlich Konrad Lorenz, zu sprechen - nichts glauben soll, wenn die Möglichkeit besteht, nachzusehen, wie es sich verhält, hab ich bei Kühner nachgeschaut, der die tarda ja erstbeschrieben hat. Da steht eindeutig bei den Zystiden: "en général faiblement jaunâtre". Gleiches steht dann im Schlüssel von Bon. Wie also die FN darauf kommt, dass sie stark reagieren soll, weiß ich nicht. Zweitens: Bei Kühner steht ausdrücklich, dass seine tardas bei Kiefern wuchsen. Wie also kommt die FN auf Laubbäume? Und drittens noch zu Bekräftigung, ich habe gerade eine Mail von Bernd zum Thema bekommen, wo bei einer der Sequenzen von I. tarda angemerkt ist: "ECM an den Wurzeln von Pinus pinea". Fragt mich jetzt aber nicht, was eine ECM ist.. :) . Die Sequenzen von tarda und niditiuscula sind übrigens deutlich verschieden.


    Und schließlich, ich sehe deine Aufsammlung aus Italien eigentlich nicht als tarda, Hias. Aus mehreren Gründen: ich finde sie makroskopisch verschieden, und zwar zum einen, weil sie überhaupt nicht diese für tarda so typische Farbgebung hat. Bei tarda, die ich inzwischen wirklich häufig gefunden habe, ist immer so ein Farbton dabei, als hätte jemand dunkle Asche drüber gestreut. Sie hat also, zwar in unterschiedlichem Ausmaß, oft auch nur in der Hutmitte, aber immer so was Düsteres, so als hätte jemand so einen Grauton beigemischt. Man sieht es auf allen hier eingestellten tarda-Bildern. (Die varietät tarda var. sabulosa ist sogar manchmal fast regelerecht schwarzbraun, ich häng ein Foto an.) Das hat die Italien-Inocybe nicht mal ansatzweise - zumindest sieht es für mich am Bildschirm so aus.
    Dann die Laubbäume, der frühe Zeitpunkt und auch die Form der Zystiden. Sie haben, zumindest auf den drei von dir eingestellten Fotos alle eine wellige Wand - das ist doch wohl kaum Zufall, oder? Tarda hat das nicht.
    Mehr kann ich aufgrund allein von wenigen Fotos nicht sagen, aber, wie gesagt, ich glaube, dass das was anderes ist. ...


    Liebe Grüße
    Ditte

  • Servus miteinander,


    mit ECM wird die ectomycorrhiza gemeint sein, vermute ich.


    Die I. tarda hatte auch ich als Laubbaum-Begleiter geführt. Unter meinen Unmengen an Funden von "cf. nitidiuscula" hatte sich eine Art hervorgehoben, die praktisch immer spät im Jahr auf Sandboden bei Kiefern wächst. Sie sieht ein wenig anders aus als die Bilder vom Hias, ist aber insgesamt recht variabel, einige Frk. erinnern die Bilder der var. sabulosa. Mal sehen, ob sich meine Kollektionen dem Namen tarda zuordnen lassen. Jetzt habe ich gerade noch einen anderen "Alt-Fund" in Arbeit, den ich Euch nachher auch gerne vorstellen möchte.


    Gruß


    Helmut

  • Hallo zusammen,


    dann bleibe ich bei dem Toskaner wohl doch besser bei Inocybe prima;-) Im Ernst, die muss ich einfach nochmal ganz genau unter die Lupe nehmen. Wirklich erstaunlich, dass die FN einfach die Originalbeschreibung ignoriert.


    Wird höchste Zeit, dass ich wieder mal nach Italien komme, um nach Inocyben zu schauen.


    Beste Grüße


    Hias