Die Geburt einer Ramaria

    Es gibt 6 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Josef Christan.

    • Die Geburt einer Ramaria

      Liebe Pilzfreunde,

      ich habe in einem Buchenwald auf der Suche nach einem ganz bestimmten Resupinatporling finalmorsche Aststücke umgedreht. Dabei fand ich ganz unerwartet diese fast noch embryonal erscheinende Ramarie. Obwohl ihre Rhizomorphen auf totem Holz wuchsen, möchte ich an eine Streuzersetzerin (Phaeoclavulina) nicht so richtig glauben. Zumal ganz in der Nähe eine große, kräftig goldgelbe Koralle aus dem Laub drückte. Ich werde den Standort im Auge behalten und mich wieder melden, wenn der Sprößling größer geworden ist.

      Die Fruchtkörper auf den Fotos 1 und 2 waren < 1 cm.
      Der Fruchtkörper auf dem Foto 3 war ca. 2 cm groß.

      Beste Grüße
      Christian
      Bilder
      • DSCN1198.JPG

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      • DSCN1197.JPG

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      • DSCN1202.JPG

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    • Hallo Josef,

      Frage: Wie kommst du auf Phaeoclavulina.


      Ich bin auf Phaeoclavulina gekommen, weil manche Autoren die totholzbewohnenden und streuzersetzenden Ramaria-Arten in dieser Gattung aufführen. Dies fand ich praktisch, da man mit diesem Terminus die kleinen Saprobionten von den großen Mykorrhizabilndern trennen kann.

      Ich würde dir gerne noch ein Exsikkat von der "Ramaria fagetorum" aus meinem Beitrag vom 09.08.2014 zuschicken. Da sollte ich noch wissen, ob du auch Teile der Strunkbasis mit Rhizomorphen brauchst, siehe: Hilfe bei einer Ramaria mit kleinen Sporen

      Bei dem Ramariababy werde ich hin und wieder vorbeischauen. Bin auch neugierig, was daraus wird.

      Beste Grüße
      Christian
    • Hallo Christian,

      ja, bei der "Ramaria fagetorum" hätte ich gerne einen Frk. mit Strunkbasis.

      Zu PHAEOCLAVULINA
      Dieser Gattungsname wurde von Brinkmann (1897) für stachelsporigen Ramarien mit 2-sporigen Basidien eingeführt.
      Später wurden diese Arten bei Ramaria Untergattung Echinoramaria gelistet, bis Giachini 2004 wieder die Gattung Phaeoclavulina eingeführt hatte.
      Giachini hat dort dann alle stachelsporigen Arten mit 2- und mit 4-sporigen Basidien eingeführt, was aber etwas umstritten ist und häufig nicht anerkannt wird.
      Die Gattung Phaeoclavulina hat aber nichts mit Streu- bzw. Holzzersetzern zu tun, dann auch die Arten der Untergattung Lentoramaria wie z. B. R. gracilis, R. stricta, R. rubella sind Streu- bzw. Holzzersetzer.
      Im Gegenteil der Typus Phaeoclavulina macrospora (= Ramaria broomei) von Brinkmanns Gattung Phaeoclavulina wächst terrestrisch und ist kein Streuzersetzer.
      Dies in aller Kürze.

      Grüße
      Josef
    • Hallo Josef,

      vielen Dank für deine Ausführungen. Da habe ich wohl mit dem Schluss Streuzersetzer = Phaeoclavulina etwas zu einseitig gedacht.

      Jetzt werde ich mich erstmal um die Exsikkate von der "fagetorum" kümmern. Ich setze mich mit dir dann über Email in Verbindung, sobald die Exsikkate fertig sind.

      Grüße
      Christian
    • Ramarienbaby - was daraus geworden ist

      Liebe Pilzfreunde,

      dies sieht wohl ganz nach einer Ramaria stricta aus! Nach gut 2 Wochen zeigen sich jetzt überall die kleinen Fruchkörper an finalmorschem Buchenholz an exakt der Stelle, wo ich die oben abgebildeten Exemplare fotografiert hatte:

      Laubholzbewohner, parallele Stimmgabeläste, hellgelbe Astspitzen, fehlende Olivtöne, weinbraun fleckende Strunkbasis und Sporen, die kaum warzig sind, bei Maßen von [95% • 28 • SAP • v • H2O(nat)] = 6,5-7,2-7,9(8) x 3,3-3,8-4,2 µm.

      Viele Grüße
      Christian
      Bilder
      • Ramaria stricta 1.JPG

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      • Ramaria stricta 2.JPG

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      • Ramaria sticta Sporen bei 1000x eingezoomt.JPG

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    • Hallo Christian,

      schöne Bilder, nun ist die R. stricta ausgewachsen und gut zu erkennen.
      Zu deinen Merkmalen möchte ich noch etwas korrigieren.
      Die sog. Stimmgabeläste werden immer wieder als Artmerkmal angegeben, das ist aber nicht richtig.
      Ich habe schon viele Funde korrigieren müssen, meist war es R. eumorpha, die ebenso Stimmgabeläste haben kann, oder besser gesagt häufig hat.
      Stimmgabeläste sind auch bei anderen Arten zu sehen und umgekehrt hat R. stricta nicht immer Stimmgabeläste.
      Die nur als ein kleiner Hinweis.

      Herzliche Grüße
      Josef