Mykotoxine in Tomaten durch Phytophthora infestans?

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  • Hallo zusammen,


    In einem Fernsehbericht (Sendung nicht mehr bekannt) wies man kürzlich darauf hin, dass Tomaten, die von der Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) befallen sind, Mykotoxine enthalten, die für den Menschen schädlich sind.


    Seither habe ich alle Tomaten meines Gartens, die auch nur den geringsten Anschein eines Befalls hatten entsorgt.
    Im Internet habe ich inzwischen widersprüchliche Informationen gefunden und würde jetzt gerne Klarheit haben.


    Wer weiß mehr darüber?


    Vielleicht liest ja auch Prof. Dr. Siegmar Berndt mit und kann dazu etwas sagen.


    LG Udo

  • Hallo zusammen,


    bei meinen Recherchen ist mir inzwischen aufgefallen, dass, wenn in Veröffentlichungen die Giftigkeit der Braunfäule herausgestellt wird, es oft keine Quellenangaben gibt. In den Fällen, die eine Quelle benennen, handelt es sich immer um eine Veröffentlichung auf der Internetseite: http://www.krebsgesellschaft.d…ung_schadstoffe,1045.html


    Diese Seite scheint aber nicht mehr zu existieren.


    Möglicherweise sind die dortigen Informationen durch neue Erkenntnisse überholt und es hat sich nur noch nicht herumgesprochen. So wird munter weiter zitiert ...


    Mich würde dennoch interessieren welche Inhaltsstoffe und Stoffwechselprodukte dieser "Pilz" tatsächlich hat und ob es gesundheitliche Bedenken wirklich gibt.


    In einem Artikel im folgenden Forum fand ich einen Auszug der Seite
    (http://www.hausgarten.net/gart…aunfaeule-geniessbar.html).


    Auszug / Zitat:


    "Braunfäule


    Auch die Braunfäule (Patulin) der Tomate und der Kartoffel hat Einfluss auf die Entstehung von Krebserkrankungen. An der Tomate wird diese an sich typische Kartoffelkrankheit durch den Pilz Phytophthora infestans hervorgerufen. Die deutsche Bezeichnung des Pilzes – Kraut- und Braunfäule – leitet sich aufgrund der betroffenen Pflanzenteile bzw. der auftretenden Symptome ab. Der Pilz bildet giftige Stoffwechselprodukte, die sogenannten Mykotoxine, zu denen u.a. die krebserregenden Aflatoxine gehören (siehe auch unter „Schimmelpilze“).


    Bei Tomaten sind in erster Linie Freilandtomaten betroffen, weniger dagegen – witterungsbedingt – Tomaten im Gewächshaus. Da viele Menschen selbst Tomaten anbauen und diese keineswegs selten von der Braunfäule befallen werden, sollten Sie wissen, dass es bereits bei ersten Anzeichen heißen muss: Finger weg davon! Die Früchte sind nicht nur ungenießbar, ihr Verzehr ist auch gefährlich. Ausschneiden der befallenen Stellen oder Abwaschen und dergleichen schützen nicht!


    Mit Ausnahme der Tomatenwurzel kann von dem Pilz die gesamte Pflanze (Frucht, Blatt, Stengel) befallen werden. Auf den Früchten bilden sich graugrüne, später eher braune, runzlige Flecken aus. Dabei bleibt das Fruchtfleisch an den Befallstellen im Gegensatz zu anderen Fruchtfäuleerregern oberflächlich hart. Das macht die Pflanze zusätzlich gefährlich, denn da sie nicht matschig ist wie andere verdorbene Früchte, erkennt man nicht eindeutig, dass sie ungenießbar geworden ist. Hinzu kommt, dass die Farben rot und braun bei einem flüchtigen Blick darauf auch nicht immer klar auseinander zu halten sind.
    Quelle: http://www.krebsgesellschaft.d…ung_schadstoffe,1045.html"


    Beste Grüße
    Udo

  • Verhaltensregeln im Umgang mit von der Kraut- und Braunfäule befallenen Tomaten sind im von UdoA wiedergegebenem Zitat der deutschen Krebsgesellschaft aufgeführt, so dass ich mich auf einige ergänzende Hinweise beschränke:
    Phytophthora infestans gehört zu den Oomycotica (Eipilze) und wird i.d.R. durch Sporenflug von Kartoffeln auf Freilandtomaten übertragen. Nachdem der aus Südamerika stammende Erreger im Irland der 1840 er Jahre die Kartoffelernte zerstört hatte, war es zu einer Hungerkatastrophe gekommen, die eine Auswanderungswelle nach Nordamerika auslöste.


    Während grüne (unreife) Tomaten einen hohen Gehalt des Plasmagiftes Solanin aufweisen und akut giftig sind, ist Solanin in reifen Tomaten nur noch in Spuren nachweisbar. Ein Befall mit P.i. veranlasst die Tomate Phytoalexine, das sind Abwehrstoffe, z.B. Solanin und Chlorogensäure, zu bilden. Diese Vorgänge sind für den Befall von Kartoffeln gut untersucht, aber auch für Tomaten anzunehmen. Die Mykotoxinforschung ist nur noch schwer überschaubar.


    Im Grunde kann jedes Lebensmittel, Früchte und Obst bei entsprechenden feucht-warmen Umweltbbedingungen mit Aspergillus und Penicillium befallen werden, die carzinogene Aflatoxine und das zellgiftige Patulin (wie in faulen Äpfeln) bilden.
    Akute Vergiftungen nach Verzehr befallener Tomaten sind nicht zu befürchten, wenn überhaupt, sind gesundheitliche Folgen erst nach chronischer Aufnahme zu erwarten.
    Aber der Hinweis, dass Ausschnneiden der braunen Stellen nicht ausreicht, ist zu beachten, da sich Mykotoxine in "nassen" Früchten ungehindert ausbreiten.


    MfG, Dr. Siegmar Berndt

  • Sehr geehrter Herr Dr. Siegmar Berndt,


    vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Beitrag.


    Er bestätigt meine Vermutung, dass Phytophthora infestans, entgegen der Darstellung der Krebsgesellschaft, keine Aflatoxine und auch kein Patulin bildet.


    Ich weiß zwar, dass Pflanzen bei Befall durch Fraßfeinde Abwehrstoffe bilden und sogar Nachbarpflanzen durch chemische Ausdünstungen warnen können, habe aber nicht daran gedacht, dass diese Reaktion auch bei einem Befall durch Pilze (z.B. Phytophthora infestans) hervorgerufen werden kann.
    Bei der Tomate entstehen also Solanin und Chlorogensäure.
    Während Solanin ab ca. 1mg/kg Körpergewicht Vergiftungssymptome hervorruft und ab ca. 3mg/kg Körpergewicht sogar tödlich wirkt, scheint Chlorogensäure, welche die meisten Menschen bereits täglich mit ihrem Kaffee und anderen pflanzlichen Nahrungsmitteln aufnehmen, eher harmlos zu sein.
    Der natürliche Gehalt von Solanin in reifen Tomaten soll bei weniger als 1mg je 100g liegen.
    Es wäre interessant zu wissen, mit welchen Mengen man bei leichtem Braunfäulebefall rechnen kann.
    Der erhöhte Solaningehalt wird da vermutlich nicht so gravierend sein, dass bei Verzehr haushaltsüblicher Mengen Vergiftungssymptome zu erwarten sind.


    Ich werde jedenfalls künftig meine Tomaten, die den einen oder anderen kleinen bräunlichen Fleck aufweisen, nicht mehr gleich entsorgen.



    Im Internet habe ich jetzt noch einen weiteren Beitrag entdeckt, indem auch mehr oder weniger entwarnt wird:


    Zitat:
    "Nach Angaben eines Experten für molekulare Lebensmittelmykologie des Max-Rubner-Instituts in Karlsruhe (MRI, Institut für Sicherheit und Qualität bei Obst und Gemüse) ist nach derzeitigem Wissensstand nicht bekannt, dass der Pilz Phytophthora für den Menschen relevante Toxine (Pilzgifte) produziert. Das heißt, es besteht durch den Verzehr von Kartoffeln mit Braunfäule-Symptomen – insofern diese aufgrund der Erkrankung überhaupt noch genießbar sind– kein Gesundheitsrisiko.


    Das auf der Webseite der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) genannte Pilzgift Patulin würde nach Informationen des MRI-Experten zwar eine Gesundheitsgefährdung darstellen, dieses Pilzgift wird aber – entgegen der Darstellung auf der Internetseite der DKG – nicht durch den Pilz Phytophtora infestans gebildet, sondern durch andere Pilze.


    Allerdings ist hier anzumerken, dass Phytophtora infestans (Braunfäule) häufig der Wegbereiter für andere Pilze ist, die erst durch den Befall mit der Braunfäule in der Lage sind, Kartoffeln oder Tomaten anzugreifen. Dazu gehören auch die Schimmelpilze, unter denen es Gattungen gibt, die toxische Gifte (Patuline) bilden können, die beim Menschen gesundheitlichen Schaden verursachen können.


    Wenn die verfärbten Stellen an den Kartoffeln also schon auffällig weich und matschig sind und/oder Schimmelspuren aufweisen, sollten Sie die Kartoffeln lieber wegwerfen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Jörg Planer, Diplom-Agraringenieur"
    Zitatende
    Quelle: http://www.was-wir-essen.de/fo…searchstring/+/forumId/17


    Beste Grüße Udo

  • Hallo zusammen,


    ich habe inzwischen weitere Stoffe gefunden, welche u.a. Tomaten gegen Angriffe zur Verteidigung produzieren.
    Das sind Systemin > Jasmonsäure und das Derivat Methyljasmonat. Letzteres hat die EU-Gefahrstoffkennzeichnung "gesundheitsschädlich". Über die Art der Schädigung und in welchen Dosen z.B. Methyljasmonat wirkt, konnte ich leider noch nichts finden.


    Für Interessierte hier noch die Links:


    Pflanzliche Abwehr der Tomaten durch Systemin
    http://de.wikipedia.org/wiki/P…che_Abwehr_von_Herbivoren


    Jasmonsäure
    http://de.wikipedia.org/wiki/Jasmons%C3%A4ure


    Methyljasmonat
    http://de.wikipedia.org/wiki/Methyljasmonat


    Beste Grüße Udo

  • Die klassische Kartoffelfäule war schon immer ein großes Problem. In Irland mussten tausende Menschen sterben. Eine unscheinbare Fäule vernichtet alle gelagerten Knollen. Dieses kann auch andere Länder wiederfahren.