Posts by Steigerwaldpilzchen

    Hallo,

    nach meinem Wissensstand enthält der Heu-Düngerling vor allem nennenswerte Mengen der chemisch zu Psilocybin ähnlichen Verbindungen Serotonin und Tryptamin. Eine Kasuistik beschreibt Müdigkeit und Bauchschmerzen als Symptome.


    Dies wurde vergangenes Jahr im Kurs von Hr. Krieglsteiner mit Quellangabe S.Berndt Z.Mykol. 83(2), 2017 zur Giftigkeit dieser Art angeführt.


    Ein Bild der warzigen Sporen (wenn auch kein gutes) hätte ich zum Vergleich :):




    Viele Grüße,

    Thiemo

    Hallo,


    wie du schon schreibst, in-vitro entspricht nicht in-vivo. Man kann in Zellkulturen und Tierversuchen zwar erste Daten sammeln, aber ohne klinische Studien direkt am Menschen weis man nie wirklich Bescheid.


    Als Apotheker erlaube ich mir einen kleinen Exkurs : Siehe auch den Arzneimittelskandal um Contergan. Es wurden sogar Tierversuche zwecks Unbedenklichkeit an unseren nächsten Verwandten (Affen) durchgeführt. Das pharmazeutische Target für die gravierenden unerwünschten Wirkungen hat jedoch nur die Spezies Mensch selbst - war also ohne klinische Studien nicht abzusehen (ohne jetzt Grünenthal in Schutz nehmen zu wolllen, die bei der Aufarbeitung gründlich versagt haben). Seit diesem Vorfall gibt es in Deutschland ein strenges Arzneimittelgesetz, welches u.a. klinische Studien zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit fordert, damit eine Zulassung erteilt werden darf.

    Es scheint also im "Ursprungsland" dieses Kulturpilzes (auch) üblich zu sein und damit ist sozusagen empirisch die Unschädlichkeit beim Verzehr von normalen Mengen zumindest naheliegend - vorsichtig ausgedrück

    Ich würde deswegen auch eine "drastische" Toxizität außer Frage stellen. Vielmehr stößt es mir übel auf, dass der Samtfußrübling auch hierzulande, trotz unklare Sachlage, (bei einigen Supermarktketten) als "roh verzehrbar" oder "Salatpilz" beworben wird.

    Ich war letztes Jahr mehrere Wochen quer durch Japan touristisch unterwegs, auch auf dem Land in traditionellen Ryokans. Wenn es Pilze gab wurden diese nie roh angeboten, sondern erhitzt in Donburi oder Miso-Suppe. Oder es wurden eingelegte Pilze verwendet.


    Viele Grüße

    Thiemo

    Hallo abeja,


    Danke für deinen interessanten Beitrag.

    Sie werden dort (und nicht nur dort) auch für den Rohverzehr empfohlen (Salat).

    Nun enthält Flammulina velutipes Flammutoxin, einen hämolytischen Stoff.

    Das hat bei mir auch schon wiederholt für Verwunderung gesorgt. Generell ist Rohverzehr kritisch zu betrachten, auch zwecks Schwerverdaulichkeit. Die Hämolysine (Flammutoxin) existieren, so viel ist sicher, allerdings ist die Pharmakokinetik dieser Xenobiotika unzureichend erforscht. Wer weis, ob eine Resorpion erfolgt, falls die Stoffe überhaupt den Verdauungstrakt überstehen (analog Bufotenin).


    Die gezüchteten Samtfußrüblinge/Enoki sind ja solche kleinhütigen, langstieligen Fruchtkörper (unter Lichtausschluss gewachsen). Daher könnte es ja sein, dass Sekundärstoffe (wie die Gifte) unter solchen recht unnatürlichen Bedingungen kaum gebildet werden. Oder man hat wirklich toxinarme Rassen gezüchet?


    Viele Grüße,
    Thiemo

    Hallo,


    das klingt für mich aufschlussreich. Ich fragte mich bereits woher dieses Stufenschema der Guajak-Reaktion kommt. Mit dem Wissen was genau dahintersteckt, kann man diese Angaben nun auch nachvollziehen. Ob allerdings eine derart genaue Anwendung wirklich immer zielführend ist sei dahingestellt, da die Streuung bestimmt nicht ganz gering ist. Als weitere Unsicherheitsfaktoren kommen die Frische der Tinktur und deren (Rest-)Konzentration des Harzes hinzu. Deswegen wird Chalange auch mehrere Proben von unterschiedlichem Material in seine Gesammtbewertung einfließen haben lassen.
    Aber so eine Übersichtstabelle ist schon ein hilfreicher Anhaltspunkt. Ist die irgendwo im Netz einsehbar?


    @Marcel: Jodoform Täublinge sind bei mir auch immer eine willkommene Bereicherung für die Pfanne. Die Buckligen, welche in unseren Kiefernwäldern häufig vorkommen, lasse ich für gewöhnlich stehen:).


    Ich bedanke mich für die rege Beteiligung. Es freut mich, dass der Pilz einen Namen bekommen hat auch wenn es stattdessen der Amethyst-Täubling war.


    Viele Grüße,
    Thiemo

    Hallo Andreas,


    ja mit der Sporenpulverfarbe bin ich ganz sicher. Das war auch der Grund für meine Unsicherheit, sonst wäre ich von Anfang an bei R.amethystina gewesen.

    Fr. Marxmüller scheit mit dem gleichen Problem konfrontiert gewesen zu sein. Sie führt in RUSSULARUM ICONES einen zweiten Fund des Amethyst-Täublings auf bei dem sie "das Sporenpulver als um gut zwei Stufen zu dunkel", namentlich IVc-d beschrieb und "diese ungewöhnlich gefärbte Form mit sehr dunklem Sporenpulver durch molekulare Analysen als R.amethystina bestätigt [wird]". Ihr fehlte auch der Jodoform-Geruch.

    Entweder ist der Pilz sehr variabel - oder wer weis ob sich hier nicht doch eine bisher nicht trennbare Art dahinter versteckt hat.


    Und was letztlich auch noch klar für diese beiden spricht, das ist die negative Guajak-Reaktion, denn die Chamaeleontinae sind positiv.

    Das mit der Guajak-Reaktion überrascht mich jetzt. Leider spricht meine verfügbare Täublings-Literatur (RUSSULARUM ICONES & Kibby's THE GENUS RUSSULA in Great Britain) bei den Chamaeleontinae durchwegs von "(sehr) schwach und langsam". Unter positiv verstand ich bisher eine sichtbare Reaktion in 5, maximal 10 Sekunden. Aber da vertraue ich natürlich deiner praktischen Erfahrung, da ich selbst noch keine Funde der Sektion untersuchen konnte.


    Viele Grüße

    Thiemo

    Hallo,


    besten Dank für deine Einschätzung Andreas. Ja ich hatte R. amethystina auch schon in Erwägung gezogen, weil das Sporenpulver nicht dunkler als IVd war.


    Bemerkenswert ist jedoch wie variabel dann der Amethyst-Täubling abwirft, IIId-IVd ist schon ein sehr breites Spektrum.


    Viele Grüße,
    Thiemo

    Hallo,


    nach meinem Erstbeitrag, der inhaltlich ja nur allgemeiner Natur war, möchte ich nun zur Abwechslung auch über Pilze diskutieren. :)


    Mitte November vergangenen Jahres fand ich im Steigerwald auf 400m Höhe eine Gruppe von Täublingen, welche mir bis heute wiederholt Kopfzerbrechen bereitet.


    Ökologie: Direkt unter Fichten, Kiefern, einzelne Buchen, am Rande eines geschotterten Waldweges.

    Hut: Durchmesser 4-6cm, mehrfarbig erscheinend violett untermischt mit gelb

    Lamellen: orangegelb, brüchig

    Stiel: weiß, zur Basis z.T. verjüngt, Stielfleisch weichlich

    Geruch (auch in Stielbasis nach reiben): unauffällig

    Geschmack: vollkommen mild

    Sporenpulver (zwischen zwei Objektträgern fixiert): IVc-d (n. MARXMÜLLER)

    Sporen: mit isolierten, selten auch zusammenfließenden, ca. 1Mikrometer hohen Stacheln

    HDS: Mit stark inkrustierten, fuchsinophilen Primordialhyphen, durchschnittlich 5 Mikrometer breit

    Guajak-Reaktion (5-10s): negativ


    Grundsätzlich würde ich aufgrund der Hutfarbe an R. postiana Romell (= R.olivascens) zweifeln, wenn nicht Fr. MARXMÜLLER in RUSSULARUM ICONES solch violett-gelb mehrfarbige Exemplare gemalt hätte. Auch die Schlüssel von Bresinsky und Gröger (hier wenn Hutfarbe außer acht gelassen) bringen mich zu diese Art.


    Ähnliche Arten schließe wegen dem intensiv gefärbten Sporenpulver und folgenden Gründen aus:


    - R. turci <-> deutlich mehr Verbindungslinien im Sporenornament, z.T. netzige Sporen, fehlender Jodoform-Geruch, Primordialhyphen etwas breiter


    - R. amethystina <-> Primordialhyphen etwas breiter, fehlender Jodoform-Geruch - dennoch meine zweite Wahl


    - R. caerula <-> Fehlender Buckel, Primordialhyphen schmaler und weniger stark inkrustiert, Sporen teilnetzig


    Da die R.postiana doch recht selten zu sein scheint und rückläufig ist (RL2), hätte mich Ratschläge zu meinem Fund, sofern möglich, sehr gefreut.


    Kollektion am Fundort






    LG Thiemo