Posts by Wolfgang Prüfert

    Hallo "J.Engel",

    das Besondere an Deinen Pilzen ist , dass sie am Stiel herablaufende Röhren haben. Das ist unter Röhrlingen recht selten, und ich habe diesen Pilz noch nie selbst in der Hand gehabt.


    Bei der "Blätterpilz-Methode" im Bild-Teil der Röhrlings-Monographie von Munoz bin ich aber bei der Gattung Buchwaldoboletus (Nadelholzröhrlinge) hängen geblieben, und beim googeln findet man damit Bilder, die recht viel Ähnlichkeit zu Deinem Fund haben. Außerdem sieht man bei Deinen Bildern, dass die PIlze morschem Nadelholz entsprungen sind.


    z.B.

    MycoDB : Fiche de Buchwaldoboletus lignicola

    Hřib dřevožijný - Buchwaldoboletus lignicola Kallenb.) Pilát 1969
    Hřib dřevožijný - Buchwaldoboletus lignicola Kallenb.) Pilát 1969 | Atlas hub - Houbaření
    www.houbareni.cz


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Christian,

    ich glaube alle Telamonien haben UV-aktive Substanzen.

    Dass man es schon am Fruchtkörper so schön sehen kann, wusste ich aber nicht, Danke dafür! Vor vielen Jahren habe ich mal Ethanol-Extrakte gemacht.


    Beim Schlüsseln hat sich das Merkmal anscheinend leider nicht durchgesetzt.


    Grüße,


    Wolfgang

    Steinpilze gehören ja eigentlich auch zu den Arten, wo ein Rohverzehr (in Maßen) möglich ist?

    Hi Abeja,

    eine CK-Wert-Erhöhung lösen nach meiner Kenntnis auch rohe Steinpilze aus. Ich persönlich würde sie daher nicht roh essen.

    Andere Leute tun das, offensichtlich meist ohne spürbare Symptome.


    Gruß,


    Wolfgang

    Es würde sich derzeit komplett falsch anfühlen, "Vollblut-Hobby-Mykologin" werden zu wollen

    Hi Abeja,

    man kann auch als "Nicht-Vollblut-Hobby-Mykologin" mal eben schnell ein Mikroskop hervorholen, und in 10 min drei Sporen in einem Tropfen Leitungswasser messen. Für manche mykologischen Probleme braucht man sicher viel mehr Erfahrung und/oder Übung, dass schafft man dann nicht nebenbei. Aber nur Sporen messen ist eher eine lästige Routine-Aufgabe als eine Herausforderung. Es geht nur um die erforderliche Ausrüstung.

    Es besitzen auch Leute eine Waschmaschine, die sich nicht als "Vollblut-Hauswirtschafter*in" verstehen - die kostet in etwa so viel wie ein Mikroskop.


    ;)


    Grüße,


    Wolfgang

    Hi Daniel,


    es gibt ja nur bestanden oder durchgefallen. Wenn Du im schriftlichen Teil durchgefallen bist, war's das. Wenn Du knapp bestanden hast, kann es sein, dass die Prüfer*in im mündlichen Teil auf Themen zurück kommt, bei denen Du im Schriftlichen nicht den Erwartungen entsprochen hast, um das Außmaß der Lücke zu ergründen.


    Aber lass' Dich nicht zu sehr verrückt machen. Die PSV-Prüfung ist leistbar, für viele sogar einfach. Nach Deiner Punktzahl fragt später keiner mehr. Aber ich kann Dir versichern, dass Du auch Jahre nach der Prüfung noch PSV-relevante Sachverhalte dazu lernst - so wie ein Fahrschüler noch nicht gut Auto fahren kann, aber sich im Straßenverkehr bewegen darf.


    Grüße,



    Wolfgang

    Hallo an alle,

    die Fragen sind ja durchaus bewusst offen formuliert. Denn die "Wahrheit" ist im echten Leben eben meist nicht schwarz oder weiß.


    Wenn jemand als neuartige Therapie mit einem Bad in Giftlorchelbrei Werbung machen würde, würde ich als PSV dringend davon abraten. Denn nicht nur Gyromitrin, sondern vor allem das Abbauprodukt Methylhydrazin sind sicherlich Haut-resorptiv (über die Lunge in diesem Fall auch noch). Als PSV-Prüfer würde ich persönlich eine solche Antwort auch als richtig durchgehen lassen. Aber eben auch die Antwort, dass es keine kontaktgiftigen Pilze gibt, denn die Antwort geht weit über das von einem PSV verlangten Wissen hinaus.


    Grüße,


    Wolfgang

    Zu 504: Der Stachelbeertäubling soll laut 123 Pilze auch Lippenblässchen verursachen. Die Information gibt es auf Wikipedia zB. nicht. Würde man das auch auf Kontaktgifte zurückführen ?

    ich würde das auf die regelmäßigen Falschinformationen bei 123 zurückführen. Im FA Toxikologie ist die allgemeine Sichtweise, dass es in Deutschland keine praxisrelevant kontaktgiftigen Pilze gibt.

    Gyromitrin wird durch die Haut resorbiert (Flammer, S.128)

    Tatsächliche, bekannte Vergiftungen können aber auf Verzehr zurückgeführt werden.


    Amanitin wird durch die Hände beim Aufsammeln resorbiert

    Nein, wird es eher nicht, schon aufgrund der Struktur ist es zu groß für eine Hautresorption. Die Beobachtung von Flammer nach einem Knollenblätterpilz-Kontakt mit den Händen wurde nicht wissenschaftlich nachverfolgt und lässt sich durch zahlreiche andere Sachverhalte erklären. Dazu gab es mal einen Artikel von Siegmar Berndt in den DGfM-Mitteilungen, aber ich weiß leider die Ausgabe nicht mehr.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hi Daniel,

    soweit ich weiß, werden die Prüfungen tatsächlich per Zufallsgenerator erstellt, aber für mehrere Themenkomplexe getrennt.


    Die Prüfer würden ggf. in der mündlichen Prüfung noch ein Thema reinnehmen, das ihnen wichtig erscheint und in der schriftlichen durch die Fragenauswahl nicht abgeprüft wurde. So war es zumindest vor ein paar Jahren.


    Gruß,


    Wolfgang

    Heute kommen noch ein paar Nachzügler mit komischerweise in unserem Garten auch heimischen Champignons ebenfalls auf den Tisch.

    Hallo habe,

    gerade bei Champignons solltest Du besonders vorsichtig sein, und z.B. sicher die giftigen Arten rund um den Karbol-Champignon unterscheiden können. Champignons sind keine Anfängerpilze!


    Gruß,


    Wolfgang

    welcher Jurist hat die nötige Artenkenntniss das zu beurteilen?

    Hi Matthias,

    das ist es doch gerade: für den Juristen ist es gar keine biologische Art, sondern eine abstrakte Begriffsdefinition, die rein formale Kriterien (wie Unveränderlichkeit, allgemeine Zugänglichkeit, ... ) erfüllt. Die muss von außen zugeliefert werden.


    Daher sah die Referenz auf die Rote Liste 1996 für einen Juristen ja vermutlich als cleverer Schachzug aus. Denn für eine Rote Liste ist die saubere und unveränderliche Artdefinition als Basis ebenso zwingend wie für eine Verordnung, und mit dem BfN als Herausgeber hatten die Juristen wohl vermutet, dass solche Minimal-Qualitätskriterien erfüllt sind. Nun ja, knapp daneben in diesem Fall...


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Wolfgang,

    das klingt mir sehr nach einer von dir kritisierten Stammtischparole, bereits 1983 kam ja eine deutschsprachige Monographie über Dickröhrlinge vom Heinz Engel auf den Markt wo beide Arten klar getrennt sind falls man die Beschreibung von 1979 nicht kennt.

    Hallo Matthias,

    wir haben ja jetzt gelernt, dass es letztlich auf das Jahr 2005 ankommt.


    In den Großpilzen BaWü (2000) war die Art explizit synonymisiert, ebenso wie im Gröger (2006). Im Moser (1983) fehlt die Art ebenso wie in den Pilzen der Schweiz 3 (1991), weshalb man beim Bestimmen bei appendiculatus herausgekommen wäre. Das sind die Bücher, mit denen zu dieser Zeit viel gearbeitet wurde.


    Im Verbreitungsatlas der Großpilze (1991) und der Roten Liste (1992) fehlt die Art (aus welchen Gründen auch immer, vermutlich synonymisiert), im Alessio: Fungi Europaei 2 (1985) und 2A (1990) ist sie synonymisiert.


    Das meine ich mit "verbreitet". Dass andere Mykologen schon früh andere Artkonzepte verfolgt haben (und in diesem Fall vermutlich Recht behalten), habe ich ja nie bestritten.


    Mit dem Munoz: Fungi Europaei 2 (2005) und der Funga Nordica (2008) kam dann definitiv die Wende.


    Dem Gesetzgeber sind diese Differenzen m.E. mit großer Wahrscheinlichkeit verborgen geblieben, weshalb der "planwidrig ungeregelte" Zustand entstanden ist. Hätte jemand auch nur eine Minute darüber nachgedacht und subappendiculatus aus dem Schutz ausnehmen wollen, hätte man die Engel-Monographie in die taxonomische Referenz aufgenommen.


    Gruß,



    Wolfgang

    Bekommt man als Hobby-Pilzler einfach so eine Ausnahmegenehmigung wenn man die Pilze kartieren will?

    Hallo PSV,


    für etwas größere Veranstaltungen (Wiesenpilztagung, 20-30 Teilnehmer) haben wir über den NaBu Bingen schon Genehmigungen beantragt, das geht in Rheinland-Pfalz eigentlich recht problemlos, aber schon in Hessen ist das ein Alptraum. Im Allgemeinen ist es m.E. über einen Verein oder eine Uni leichter als für eine Privatperson. In Sachsen ist die AG Mykologie dafür ansprechbar, oder?


    Wenn ich alleine für mich unterwegs bin, riskiere ich das Bußgeld (in RLP ab 75 €), aber ich habe noch nie von einem solchen Fall gehört. Wer sollte Dich anzeigen? Ich hab' schon mal eine mündliche Verwarnung eingefangen, als ich in einem NSG den Weg verlassen habe, um einen unbekannten Rötling zu sammeln.


    Ob eine Ordnungswidrigkeit verfolgt wird, liegt im Ermessen der Behörde. Als ich in einem Fall von massenhaftem Absammeln von Kaiserlingen das zuständige Forstamt benachrichtigt habe, habe ich nicht einmal eine Antwort erhalten.


    Wenn Du aber überlegst, die Funde sequenzieren zu lassen und/oder zu veröffentlichen, wäre eine Genehmigung in jedem Fall erforderlich.


    Grüße,


    Wolfgang

    Wo wir aber hier auch schon eine Juristin im Forum haben: Wenn ich als Hobby-Pilzler eine streng geschützte Art zu Bestimmungszwecken entnehme (z.B. um ein Schnittbild zu machen und) und den Fruchtkörper mit nach Hause nehme (z.B. zum Mikroskopieren), mache ich mich dann strafbar (Besitzverbot)?

    Hallo PSV,


    ich will Herbsttrompete nicht vorgreifen, aber ich denke


    (2) Es ist ferner verboten, 1.Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen, in Besitz oder Gewahrsam zu haben oder zu be- oder verarbeiten
    (Besitzverbote)

    ...Die nach Landesrecht zuständige Behörde kann im Einzelfall für die in Satz 1 genannten Pilze weitergehende Ausnahmen von den dort genannten Verboten zulassen, solange und soweit die Erhaltung der betreffenden Arten landesweit oder in bestimmten Landesteilen nicht gefährdet ist.

    5. Ordnungswidrig handelt, wer ... eine geschützte Art ... be- oder verarbeitet und erkennt oder fahrlässig nicht erkennt, dass sich die Handlung auf ein Tier oder eine Pflanze einer in Buchstabe a genannten Art ... bezieht,

    Wenn Du keine Ausnahmegenehmigung der Landesbehörde hast, begehst Du potentiell eine Ordnungswidrigkeit (keine Straftat).


    Die Frage ist dann eher nachgelagert eine der Schuld (fahrlässig oder mit Vorsatz, liegt ein Irrtum vor und war der vermeidbar, etc.), da müsstest Du der Juristin vermutlich mehr "Futter" zu den Begleitumständen geben, denn das wird individuell entschieden.


    Gruß,


    Wolfgang

    Da steht B. appendiculatus unter "gefährdet" und B. subappendiculatus unter "ungefährdet"...

    Hallo Rika,


    da müsste man aufpassen, ob es sich nicht vielleicht um einen statistischen Effekt handelt.


    Der Rote-Liste-Status (2016) errechnet sich aus der Häufigkeit, dem Bestandstrend (kurz- und langfristig) sowie Risikofaktoren.


    Für subappendiculatus wird die Häufigkeit mit "sehr selten" und der kurzfristige Bestandstrend mit "steigend" angegeben. Na, kein Wunder, wenn ab ca. 2008 immer mehr Kartierer dazu übergehen, subappendiculatus als eigene Art anzusehen und getrennt von appendiculatus zu kartieren. Natürlich ergeben sich statistisch daraus steigende Bestandstrends.


    Der Klimawandel wurde 2016 noch nicht als negativer Risikofaktor berücksichtigt für einen Pilz, der Bergfichtenwald als Haupt-Biotop hat.


    Gruß,


    Wolfgang

    Ja, genau so sehe ich das. Der Gesetzgeber muss sein Gesetz aktualisieren. Solange das nicht passiert bezieht sich das Gesetz nur auf appendiculatus. Wäre meine Meinung.

    Hi Andreas,


    aber genau so eine Situation hat der Gesetzgeber vorhergesehen, wollte es NICHT so regeln, und hat daher die taxonomische Referenz definiert. Zugegeben bei Pilzen mit einer schlechten Wahl, weil die Verordnung eben von guten Juristen aber schlechten Mykologen erstellt wurde.


    Wenn sonst jemand eine Sippe der Frauenschuh-Orchidee als "Cypripedium subcalceolus" neu beschreiben würde, könnte der Gesetzgeber gar nicht schnell genug die Verordnung aktualisieren, da wäre der Typus-Bestand schon komplett geräubert und die einzelnen Pflanzen im Internet versteigert. Deswegen entspräche diese Logik auch nicht meinem Rechts-Empfinden.


    Bei verschiedenem Schutzstatus von Unterarten, die sich möglicherweise nur in der Sequenz unterscheiden, wäre auch dem Betrug Tür und Tor geöffnet, denn vor der Strafanzeige (oder für den ehrlichen Händler: vor dem Verkauf) müsste man eine DNA-Analyse jedes verkauften Fruchtkörpers in die Wege leiten. Wenn das nicht mal weitaus praxisferner ist, als einfach die ganze Sammelart zu schützen.


    Bei Deiner Auslegung würde der Gesetzgeber auch komplett die Deutungshoheit über seine eigene Verordnung verlieren. Mit irgendeiner Veröffentlichung im "Chinese Journal of Obscure Species" könnte die ganze Naturschutzpraxis auf den Kopf gestellt werden. Stell Dir vor, was es für die deutsche Windkraft-Industrie bedeuten würde, wenn jemand den Rotmilan in eine andere Gattung umkombiniert und er dadurch seinen Schutzstatus verliert.


    Grüße,


    Wolfgang