Posts by Der Juergen

    Hallo zusammen,


    bei den milden Temperaturen blühen gerade die Corticiaceen in unserer Gegend; fast jedes Zweiglein am Boden ist von wattigen und häutigen Belägen kolonisiert, man kommt kaum mit dem Mikroskopieren nach. Hier bin ich mir sicher eine Sistotrema gefunden zu haben, und im Schlüssel von Erikkson und Ryvarden kommt man zwangsläufig irgendwie zu Sistotrema diademiferum, jedoch gibt es ein paar Pferdefüße:


    Fundort: Optimalmorscher Fichtenstamm, seitlich (3-4 Uhr) in der Luft auf entrindetem Holz.


    Basidiocarp: jung kreideweiß, spinnwebartig - gleichmäßig körnelig, leicht von der Unterlage abschiebbar, aber nicht als Haut in größeren Stücken abziehbar, Hymenium auf einem creme -ockerfarbenem Subikulum. Basidiocarp beim Eintrocknen cremefarben. Sporenpulver weißlich.


    Mikromerkmale: Sporen [95% • 34 • SAP • v • H2O(nat) ] = 4,3 - 4,7 - 5,1(5,3) x 2,3 - 2,7 - 3,1 µm; Q = 1,4-1,7-2,0; Vm = 18 µm³; ellipsoid und in Seitenansicht auch leicht konkav, dünnwandig, inamyloid, indextrinoid, Basidien 14 - 22 x 3,6 - 5,2 µm, zylindrisch - keulig, basal auch angeschwollen (urniform), mehr als 4 Sterigmen (6-8?), Basidiolen kleiner, apikal verjüngt (umgekehrt keulig) oder auch birnförmig - subglobos, an den basalen Septen kleine Schnallen gesehen, mit Kongorot angefärbt zeigen die Basidiolen orangegelblichen Inhalt, sonstige Zystiden keine gesehen. Hyphensystem monomitisch, basale Hyphen mit deutlichen Schnallen an den Septen, jedoch nicht an allen, basale Hyphen oder auch Hyphen des Subikulums vereinzelt mit öligen, lichtbrechenden Tröpfchen gefüllt, 3-5 µm dick.


    Anmerkung: Es wurde ein Befall mit einer Anamorphe beobachtet: kleine Schwarze, punktförmige Flecken im Hymenium des Wirts, im Mikropräparat waren schwarzbraune, dickwandige und mehrfach septierte, verzweigte Konidien zu sehen. (Wer daran interessiet ist, der melde sich).


    Problem: Die Sporen von S. diademiferum werden in der Literatur mehrheitlich als eiförmig - subglobos bezeichnet, die hiesigen abgebildeten Sporen sind aber meiner Meinung nach ellipsoid, und in Seitenansicht etwas konkav (zumindest gerade). Ich konnte auch nicht an jeder Septe der basalen Hyphen Schnallen finden, und die Schnallensuche an den Basidien war erfolglos (wohl wegen eigener "Blindheit" oder methodischer Ungeschicktheit;-), an den Basidiolen fand ich kleine schnallenartige "Verschlüsse" (auf einem Foto zu sehen). Wer interessiert ist; Exssikkate sind vorhanden und werden gerne zugeschickt.



    Grüßle
    Jürgen

    Servus Josef,


    vielen Dank für die Begutachtung! Mein Fund hat mit dem von Wolfgang nichts zu tun und stammt aus dem Ehinger/Ulmer Raum. Könntest Du mir Deine Postanschrift übermitteln, damit ich Dir die Exsikkate zuschicken kann? (Die PM-Funktion in diesem Forum ist irgendwie fehlerhaft).


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,
    ich denke mir, dass hier die Steppenkoralle vorliegt, bin mir aber nicht sicher, da es ja noch R. murillii gibt (und vielleicht noch anderes). Exsikkate sind vorhanden.


    Fundort: Wacholderheide, nährstoffarmer Kalkmagerrasen auf lehmigem Boden mit Juniperus communis und Calluna, gesellig im Moos/Gras bei Juniperus.


    Frk: 45-55 mm hoch, 25-35 mm breit, Strunk zylindrisch, gebogen, basal etwas keulig, auch rillig, in 15 - 25 mm Höhe verzweigend, basaler Strunk mit weißlichem Mycelfilz und weißlich - gelblichen (Exsikkat!) Rhizomorphen. Seitenäste zylindrisch - im Profil auch abgeplattet, ockerbraun, stark verzweigt, Astenden zugespitzt gabelig (auch mehrfach gegabelt). Geruch etwas nach Rettich (beim Trocknen im Dörrex einen deutlichen Rettich-Geruch verbreitend), Geschmack säuerlich, adstringierend, fast ein wenig schärflich, Trama weißlich, etwas zäh. Mit KOH (40%ig) rotbraun, dann dunkelbraun verfärbend . Sporenpulver: gelbockerlich.


    Sporen [95% • 27 • SAP • v • H2O(nat) ] = 5,7 - 6,8 - 7,9(8,1) x 3,1 - 3,6 - 4,1; Q = 1,5-1,9-2,2; Vm = 46 µm³; µm länglich ellipsoid - tropfenförmig, Ornament aus Stacheln (-1 µm lang), Plage deutlich ausgeprägt. Basidien 4-sporig. Hyphen der Trama verflochten, Septen mit deutlichen Schnallen. Hyphen des Mycelfilz dünn, dünnwandig, mit einzelnen Tropfen und Schnallen. Rhizomorphen mit zahlreichen Kristallen besetzt.

    Hallo usvnea barbata,


    Deine, und auch Tanjas Gedanken dazu gefallen mir sehr, ich befürchte nur, dass die meisten Mütter (und Väter auch) eher das "keine Fehler machen" bevorzugen, und es sehr viel Überzeugungskraft braucht, für "das Richtigmachen" zu werben. So ein paar Pilze sind schnell abgesammelt, und man spart sich weitere Aufklärung. Lässt man die Pilze als Teil der Natur zu, gibt es immer jemanden, der für einen Schadensfall haftbar gemacht werden kann, oft derjenige, der das "Richtigmachen" propagieren wollte ... was natürlich tragisch ist.


    Grüßle
    Jürgen



    ich arbeite beruflich sehr intensiv mit Kindern. Ich unterscheide bei meiner Arbeit zwischen "keinen Fehler machen" einerseits und "das Richtige machen" andererseits.

    Hallo zusammen,


    vielen lieben Dank für die Tipps. Ich werde mal Dr. Siegmar Berndt auf diesen Thread aufmerksam machen und nachfragen. Ich empfahl der Kindergärtnerin auch, dass sie die Pilze vorsichtshalber absammeln soll (da waren Grünblättrige Schwefelköpfe dabei). Es wäre halt gut zu wissen, dass es z.B. keine solchen (dramatischen) Vergiftungsfälle gibt; dann könnte man beruhigen.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    mal schauen, ob ich eine Antwort provozieren kann;-): Ich habe den leisen Verdacht, dass es sich bei "Pilz-Alarm" aus Kindergärten und vergleichbaren Institutionen überwiegend um harmlose Hysterie handeln könnte (meistens von Müttern iniziiert), und es wohl keinen belegten Fall für eine Pilzvergiftung gibt. Liege ich da richtig?


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    nachdem ich in der lokalen Presse als Pilzkenner interviewt wurde, gab es am Tag danach einige Nachfragen, unter anderem von einem Kindergarten. Die Pädagogen hatten dort Angst, dass sich die Kinder mit den Pilzen vergiften könnten, die dort im Garten vorkamen. Ich hab mir das dann angeschaut und alle beruhigen können. Meine Frage jetzt: Gibt es denn Vergiftungsfälle aus Kindergärten, die auf Pilzgenuss zurückzuführen sind?


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Wolfgang & Andreas,


    vielen Dank für die Resonanz. @ Andreas. Hab den Wiki-Artikel gelesen. Sehr interessant sind die Flechtenlager! Über den Schildflechtnnabeling gibt es bei Bigelow (North American Species of Clitocybe) widersprüchliche Aussagen; er schreibt, dass sie nicht nur auf Thalli von Peltigera vorkommt, sondern auch auf Erde (Algenbelag?) - vielleicht eine Verwechslung mit einer Lichenomphalina-Art!?


    Grüßle
    Jürgen


    P.S.: Hast Du die Publikation von Oberwinkler? (Basidiolichens. Fungal Associations)?

    Hallo zusammen,
    A. peltigerina, auch als Omphalina peltigerina (Schildflechten-Nabeling) bekannt, ist in rezenter Bestimmungsliteratur (Gröger, Ludwig, Horak, FN) und in Periodika - bis auf ein Foto in einem TINTLINGS-Beitrag (2012 Nr. 74) - noch nicht als für Deutschland nachgewiesen registriert. Es gibt im Web jedoch seit frühesten 2009 (Lehmann, Kamke) einige Fundmeldungen.


    Kleine Umfrage:
    Wer hat diese Art in Deutschland noch gefunden, gibt es sonst noch Fundmeldungen und Publikationen, vor allem wann (und möglichst dokumentiert).


    Hier mal ein Kurzportrait:
    Arrhenia peltigerina? - Erstnachweis für BW?


    Die Art kommt auf abgestorbenen (oder absterbenden) Flechten-Thalli von Peltigera-Arten vor (Hundsflechten), meist (oder ausschließlich?) in sandigen Trocken-Habitaten. Also, wer da mal ein findendes Auge drauf werfen will, suche mal in alten Sandgruben oder sonstigen sandigen Biotopen (Flugsanddühnen etc.).


    Grüßle
    Jürgen


    P.S.: Hat jemand zufällig folgende Literatur im Regal?
    Collin, P.; Lauron, A. 1994. Omphalina peltigerina (Peck) P. Collin, champignon lichenicole nouveau pour la France. Bulletin de la Société Mycologique de France 110(1):11-16

    Hier mal noch die Mikrotafeln. Die Frk. entwuchsen direkt den Thalli der Flechte, im Querschnitt war im Übergangsbereich zw. Stiel und Flechte eine grüne Grenzschicht zu sehen und im Mikropräparat kugelige Algen-Zellen zwischen den Pilzhyphen (die beschnallt waren, also wohl dem Nabeling zuzuschreiben sind).


    Kurzbeschreibung: Kleine Frk, bräunliche Huthaut (mit Oliv-tönen), stark hygrophan, Stiel fein bereift (Lupe) ansonsten kahl wirkend, basal etwas striegelig. Lamellen dicklich, am Hutrand gabelnd, herablaufend. Keine Zystiden gesehen, Schnallen vorhanden, Basidien 4-sporig, HDS mit intrazellulärem und inkrustierendem Pigment, zahlreiche Kaulozystiden.

    Hallo zusammen,


    es müsste sich bei diesen Fund um den Schildflechten-Nabeling (Arrhenia peltigerina) handeln. Gefunden am 30.05.2013 in einer stillgelegten Sandgrube auf einer alten Flechte (Gattung Peltigera). Mit FN und Gröger geschlüsselt, kommt man gut zu A. peltigerina, allerdings werden bei Gröger dieser Art eher olivliche und grünliche Töne zugeschrieben. Der Graue Flechtennabeling (Lichenomphalina velutina) besitzt keine Schnallen und überwiegend 2-sporige Basidien, was bei meinem Fund nicht zutrifft.


    Sollte es sich hier tatäschlich um A. peltigerina handeln, wäre das dann ein Erstnachweis für Baden-Württemberg?
    Im Web kursieren folgende Fundberichte:


    http://www.pilzepilze.de/cgi-b…g.pl?noframes;read=220354
    http://www.pilzepilze.de/cgi-b…9.pl?noframes;read=177651
    http://pilzepilze.de/cgi-bin/w…g.pl?noframes;read=216787
    http://www.pilzepilze.de/cgi-b…g.pl?noframes;read=229521

    Hallo Eike,


    zur Inocybe kann ich nicht soo viel sagen, nur, dass sie vermutlich eine Mallocybe (I. dulcamara aggr.) ist, aber mal was anderes: Ich finds toll, dass Du Ernst machst und Dir ein Mikroskop zulegst, respekt!. Du wirst dann aber sehen, dass sich die bisherigen Bestimmungsprobleme nicht unbedingt alle in Luft auflösen, denn (in Anlehnung eines Zitates von Woody Allen): MIT Mikroskop versucht man dann Probleme zu lösen, die man OHNE Mikroskop gar nicht hätte *g*


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    zuerst unter dem Arbeitsnamen E. caeruleum "abgeheftet", kamen mir bei diesem Fund von 2011 jetzt Zweifel, vor allem was den durchscheinend gestreiften Hut anbelangt. Könnte hier vielleicht E. melanochroum vorliegen?


    Fundort: Gesellig im Gras einer Wacholderheide mit Magerrasen auf Kalkstein-Verwitterungslehm über Zementmergel (Malm Zeta 2).


    Beschreibung:


    Hut - 25 mm breit, jung konvex bis konisch, stets mit etwas eingesunkener Hutmitte, älter flach ausgebreitet und eingedellter Mitte, schwarz-bläulich bis graublau mit violettlichem Ton, auch bräunlich, nicht hygrophan, fein schuppig (Schüppchen dunkler als der sepia-braune Untergrund), fast bis zur Hutmitte radial gestreift. Lamellen rel. entfernt stehend, mit Lamelletten untermischt, leicht ausgerandet und zähnchenförmig am Stiel angewachsen, jung cremefarben mit mit gelblichem Ton, älter altrosa.
    Stiel 30-40 x 3-4 mm, zylindrisch, basal etwas verdickt, glatt und wie poliert wirkend, bläulich - schiefergrau, basal mit weißlichem Mycelfilz. Geruch & Geschmack nicht notiert.


    Sporen [95% • 18 • SAP • v • H2O(nat)]: (10,7)10,9-12,4-13,8 x 7,0-7,9-8,9 µm; Q = 1,3-1,6-1,8; Vm = 409 µm³; länglich, heterodiametrisch. Basidien 2- und seltener 4-sporige gesehen. HDS mit intrazellulärem Pigement, Hyphen d. Deckschichten 6-11(12) µm breit, ohne Schnallen. Cheilozystiden vorhanden; 6,5-9 µm breit, zylindrisch - leicht keulig, kaum größer als Basidien. Hyphen der Lamellentrama rel. kurz (70-120 µm lang).

    Hallo Hias,


    schöne Kollektion! Sieht wirklich nach T. arvernense aus. Wie sah denn die Botanik an der Fundstelle aus? Waren da typische Kalkzeiger oder basiphile Arten vorhanden? Die Kalkalpen heißen zwar so, aber es gibt da trotz Kalk und Mergel auch noch Schiefer, Grauwacken und vor allem Dolomit! Dolomit ist zwar Kalk, aber er ist für Böden mineralisch schlecht verfügbar.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo Helmut und P.P.,


    zur Problematik gibts hier noch eine Diskussion:


    http://forum.fungiworld.com/in…ic=4719.msg28180#msg28180


    Ob T. sejunctum var. coniferarum wirklich eine "gute Art" ist? Einziger Unterschied ist ja nur die leicht rötende Stielbasis ... und natürlich die Bindung an Nadelbäume. Ansonsten gibts aber keine Unterschiede zur Laubwaldform. Meine Funde beider Varietäten stammen von kalkreichen, frischfeuchten und etwas lehmigen Böden. Auf Sandböden bei Kiefern sind sicherlich andere Arten aus diesem Kreis zu finden. Wie Helmut schon schrieb, z.B. T. arvernense.


    Grüßle
    Jürgen

    Allgemein gilt, dass 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers (post mortem auctoris), dessen Werk in die „Gemeinfreiheit“ übergehen kann, es also z.B. von jedermann zur Verbreitung in digitaler Form ins Internet gestellt werden darf. Die Dauer von 70 Jahren betrifft die meisten „führenden Industrienationen“, wie in Wikipedia zu lesen ist. Die USA kennen jedoch einige Ausnahmeregelungen von diesen 70 Jahren, z.B. ist alles vor 1923 publizierte kategorisch gemeinfrei (public domain). Viele US-Anbieter verhindern per IP-Sperre den Download von in den USA gemeinfreien Werken aus dem Ausland (z.B. auch google-books). Um dies zu umgehen, kann man einen Anonymizer installieren, der eine andere IP vortäuscht, in dem er z.B. eine Verbindung über einen US-Proxy-Server herstellt. Mit folgender Freeware kann man dies spielend leicht erreichen. Hier mal ein kleines Tutorial, wie man z.B. über http://www.hathitrust.org einen vollen Zugang zu einige Werke von Frédéric Bataille erhält.


    • Intstalliere free-hide-ip 3.8.5.6 (freeware) – oder Vergleichbares
    • Führe das Programm nach der Installation aus und Drücke
      „choose ip country“ (USA ist voreingestellt)
    • Die neue und aktive IP wird angezeigt (darunter steht die eigene)
    • Öffne jetzt erst den Browser und gehe zu www.hathitrust.org
    • In die Suchmaske links „Frédéric Bataille“ eingeben
    • Man hat jetzt vollen Zugang zu einigen gemeinfreien Werken Batailles (full view, und man
      kann die Werke seiten-weise downloaden).

    Manchmal ist die Datenübertragungsrate etwas niedrig, je nach Proxy-Server, mit dem man verbunden wurde.


    Grüßle Jürgen


    P.S.: Beschaffung, Installation und Verwendung eines Anonymizers, sowie die Verbindung über Proxy-Server im Ausland sind legal (dies wird sogar aus Gründen des Datenschutzes jedem empfohlen). Das herunterladen von gemeinfreien Werken ist ebenfalls legal.



    http://de.wikipedia.org/wiki/Anonymizer
    http://www.chip.de/downloads/Free-Hide-IP_42882850.html