Posts by Der Juergen

    Hallo zusammen,


    schwierige und wahrscheinlich schwer zu recherchierende Frage: Weiß jemand, wer den Geruchsvergleich "Leuchtgas" bei Tricholoma sulphureum zum ersten mal einbrachte? Ausschließen kann ich schon mal folgende zwei Autoren: Bulliard in seiner Erstbeschreibung ("kadaverartig"), Kummer in seinem Pilzführer ("fataler Geruch").


    Grüßle
    Jürgen

    Liebe Birgit,


    herzlichen Dank für den Tipp mit dem Eremiten. Das hatte ich anfangs tatsächlich verfolgt, aber schließlich im Aktenstapel gaanz unten eingeschoben. Zum Aprikosengeruch; Es gab vom Juchtenellerling auch schon fragwürdige Duftvergleiche, z.B. in einer Publikation aus den 50er Jahren, von einem gewissen J. HERINK. Dieser will einen Duft nach Kamillen- oder Schafsgarbenblüten wahrgenommen haben. In einem italienischen Exkursionsbericht (aus einem Forum) stand zu lesen, dass es wohl eine italienische Schuhcreme gibt, die so riecht. Wenn man übrigens zu lange an etwas schnuppert, riecht man es nicht mehr (Adaptation), und dann sind Tür und Tor offen für Halluzinatorisches;-))


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    FRIES nennt in seinen Beschreibungen von Cortinarius callisteus (Fr.) Fries (Rhabarberfüßiger Rauhkopf) keinen Geruch. Welcher Autor kam denn auf die Idee, dieser Art den "Lokomotiven-Geruch" zu konstatieren? War das MOSER?


    Dann noch eine zweite Frage: Ich kann mit meinen etymologischen Büchern das Epithet "callisteus" nicht herleiten. Gibts hier einen Graeco-Lateiner, der dies vermag ("call" oder "calli" müsste aus dem Griechischen sein und "schön" oder "wohlgeraten" bedeuten).


    Grüßle
    Jürgen

    Hi usnea barbata,


    tja, was soll ich sagen; auf die Idee mit der Parfümerie, am besten eine, die eine(n) "Maitre de Parfum" angestellt hat, bin ich auch schon gekommen, aber trotzdem danke für diesen Tipp. Nur so viel; ich war vor ca einem Monat mit frischen Juchtenellerlingen in so einer pikfeinen Parfümerie, und niemand, auch "die" Maitre de Parfum nicht, hat diesem Pilz eine Tabac- oder Leder-note anriechen können, und das waren geschulte Nasen. Ich habe hier mittlerweile destilliertes Birkenteeröl auf dem Tisch stehen, und konnte noch vor meiner schweren Sinusitis den Duft testen: Dieses Zeugs riecht richtig unangenehm teerig, und hat nicht im Entferntsten was mit dem Duft des Juchtenellerlings zu tun.


    Grüßle
    Jürgen

    [font=&quot]Hallo Hias,


    Deine Frage hatte ich glatt übersehen. Einen Streichriemen benutzt man zum schärfen eines Rasiermessers, besser gesagt zum scharf halten einer Klinge, denn beim Wetzen
    wird nur der feine Grat wieder aufgerichtet. Es ist bei Messer-Fans, die gerne rasierklingenscharfe Messer wollen, der letzte Schritt beim Schärfen. Zuerst wird mit Schleifstein
    gearbeitet, dann mit Schleifpaste poliert und zum Schluss mit dem Streichriemen gewetzt.


    Grüßle
    Jürgen
    [/font]

    Hi Martin,


    vielen Dank für Deine Recherche! Die Originaldiagnose hatte ich natürlich längst abgecheckt, siehe hier:
    Agaricus ptychophyllus Corda / Literatur-Recherche.


    Dieses Blutrote Fingerkraut gibt es wohl auch bei uns in Stauden-Gärtnereien zu kaufen, aber leider hatte ich jetzt nicht mehr die Gelegenheit eine blühende aufzutreiben. Als Geruchsvergleich ist diese Pflanze jedenfalls (wahrscheinlich, alo wenn der Geruch hinkommt) sinnvoller als ein "antiquarisches Leder", von dem heute niemand mehr weiß, wie es riecht, und das es heute in der Form nicht mehr gibt. Aber ich will mein eigentliches Anliegen nicht aus den Augen verlieren: Es gibt einen "Herrenduft"! Hatte heute 3 alte Haarwasser-Marken durchschnuppert, zwei auf der Basis von Birkensaft, eines kam in Nähe des Ellerlings: Birkin. Mal schauen wie destilliertes Birkenteer-Öl riecht.;-)


    Grüßle
    Jürgen


    P.S. Liebe Birgit, nimm doch ein winziges Fläschchen mit, und füll Dir bei Manufactum einfach ein bissel was ab, wenn niemand hinsieht:-))

    Hi Andreas,


    nachdem ich Cordas Beschreibung las, war mir auch klar, dass es da sehr wahrscheinlich nicht um H. russocoriacea geht. Dennoch bleibt dieser rätselhafte Kommentar in Mycobank (ich nehme mal nicht an, dass dies bei Berkeleys Originalbeschreibung steht):


    Remarks (public) :


    The only species which approaches very near to this is Ag. ptychophyllus, Corda. It is at once known by its delightful odour.


    Corda schreibt ja überhaupt nichts von einem Duft. Wo kommt denn dieser Kommentar her? Oder bezieht sich der "delightful odour" auf H. russocoriacea, und der Kommentator ist einfach nur der Meinung, dass Cordas Ag. ptychophyllus "in die Richtung geht", und wenn ja, WER ist der Kommentator, und warum wird sein Kommentar für Wert befunden, in Mycobank zu stehen? Fragen über Fragen. *g*


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo "usnea barbata" und liebe Birgit,


    besten Dank für eure Recherchen und das Interesse. Ein Problem, welches sich mir stellte war folgendes: Juchtenleder ist nicht gleich Juchtenleder ... und heutzutage schon gar nicht mehr. Da dieser Begriff nie geschützt wurde, hat man alle möglichen Leder-Herstellungen als Juchten bezeichnet (meistens Kalbs-Glattleder). Es gibt auch mehrere Herstellungsverfahren für das originale Russische Leder, welches übrigens ca. seit der Jahrhundertwende nicht mehr traditionell hergestellt wird. Man hat das Russische Leder mit allem möglichen eingerieben: Tranöl, Seehundfett, Birkenteeröl, Harz vom Sandelholz. Darüberhinaus hat man es auch "parfümiert". Die Rezepturen waren damals schon so geheim wie das Coca-Cola-Rezept. Man hat sogar Spione nach Russland geschickt um das Verfahren herauszubekommen.


    Grüßle
    Jürgen


    Achja, Birgit. Das "echte kölnisch Wasser" von Farina hatte ich mir zusammen mit dem Russisch Leder gekauft (riecht tausendmal besser und anders als 4711). Ne Flasche 4711 steht aber auch bei mir rum. So langsam geht das ins Geld ;-) Nichts bisher riecht übrigens nach Juchten-Ellerling, und 4711 empfinde ich als irgendwie abstossend, weiß auch nicht warum, vielleicht erinnert mich das an irgend jemanden.

    Hallo Wolfgang,


    hier mal die Originalbeschreibung von Berkeley (1848), wie sie in Mycobank eingetragen ist. "Remarks (public)" ist mir hier nicht klar, von wem stammt denn diese Anmerkung? :

    Hallo Rainer,


    ich habe "Russisch Leder" auftreiben können. Dieser alte Duft ist vom Parfüm-Hersteller "Farina" wieder erhältlich. Der Geruch ist schwer und süß, erinnert an Weihrauch und Vanille, und ist sehr nah an "Tabac" dran. Mit dem Geruch des Juchten-Ellerlings hat das aber nicht viel zu tun, allenfalls ist das EINE Komponente dieses Geruches, die ich als die "Herrenfriseur-Note" bezeichnen würde. Der Geruch des Ellerlings ist nicht richtig fassbar. Ob Juchtenleder, das alte, heute überhaupt noch so hergestellt wird, wie vor 1900, ist sehr fraglich. Modernes Juchten- oder Russisch-Leder dürfte nicht mehr so riechen, wie in der Zeit der Erstbeschreibung des Juchten-Ellerlings (1848). Ich habe z.B. einen Streichriemen aus Juchtenleder, und das riecht halt nach Leder, also überhaupt nicht nach Juchten-Ellerling.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,



    Im Index Fungorum liest man zu diesem dubiosen Taxon folgenden Eintrag:
    Agaricus ptychophyllus Corda, in Sturm, Deutschl. Fl., 3 Abt. (Pilze Deutschl.) 2(6): 15, tab. 5 (1828)


    allerdings konnte ich den Namen in besagtem Werk (welches man auf archive.org einsehen kann) nicht finden. Ist das mal wieder ein Übertragungsfehler, oder Suche ich in der falschen Ecke? Näheres hierzu auf Erics Board:


    http://forum.fungiworld.com/index.php?topic=5468.0


    Grüßle
    Jürgen


    Hallo zusammen,


    den Charakterisierungen von Gerüchen haftet immer etwas sehr subjektives und willkürliches an. Sehr schwierig wird es, wenn Geruchsangaben sich auf Substanzen beziehen, die es heute nicht mehr, oder nicht mehr so vefügbar gibt.


    Der Juchten-Ellerling (Hygrocybe russocoriacea) wird in der Literatur als nach "Juchten-Leder" oder "Russisches Leder" riechend beschrieben. In der englischsprachigen Literatur steht dazu meist "cedar-wood" (wohl eine besondere Art von Wacholder, NICHT Zedern-Holz ist hier gemeint!).


    Letztes Jahr, und auch dieses wieder, besuchte in einen Standort dieses Ellerlings hier bei uns, um den Geruch irgendwie besser oder neu zu charakterisieren. Mich erinnert der frische Geruch an
    Grape-Fruit-Schale, und zwar die alte, gelbe Sorte.


    Jetzt gibt es aber auch ein After-Shave oder eine Art Pomade für Herren, welches so riecht. Ich habe den Duft mal an einem älteren Herrenmit pomadisiertem Haar wahrgenommen, aber leider nicht nachgefragt. Meine Frage nun: Wer kennt so ein Aftershave oder Haarwasser, welches diesen Geruch besitzt. Es muss sich wohl um irgend eine alte Marke handeln, die es noch geben muss.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    hier mal ein Portrait von Ps. expallens mit Mikromerkmalen. Diese Art ist ein typischer Bewohner von mageren Wiesen oder artenreichen Kalkmagerrasen. Im Gegensatz zu Ps. cyathiformis besitzt diese Art rundere Sporen (kleinerer Q-Wert), verzweigte Hyphen der Huttrama, einen glatteren Stiel, und einen anderen Lamellenansatz (schräg, im Winkel ansetzend); und nicht wie bei typischen Ps. cyathiformis konvex bogig. Aber diese Unerscheidungsmerkmale kann man alle wunderbar bei LUDWIG oder GRÖGER nachlesen.

    Fundort:

    Wacholderheide auf Kolluvisol über Schotter (Riß-Kaltzeit).


    Beschreibung:
    Hut - 35 mm, jung schon trichterig mit eingebogenem Hutrand, Hutrand durchscheinend gestreift, graubraun, dunkelbraun, hygrophan, zu hellocker ausblassend. Lamellen rel. weit stehen, mit Lamelletten untermischt, in Stielnähe teilweis auch gegabelt, jung weißlich, auch mit bläulichem Reflex - creme, älter grauocker, am Stiel im Winkel auslaufend. Stiel 30-40 x 3-4 mm, zylindrisch, glatt bis rillig, basal verdickt mit hellem Mycelfilz. Geruch fruchtig säuerlich. Geschmack mild, adstringierend. Sporenpulver weiß.


    Sporen [95% • 16 • SAP • v • H2O(nat)]: 7,5-9,0-10,6 x 5,4-6,5-7,5 µm; Q = 1,1-1,4-1,7; Vm = 200 µm³; subglobos bis breitellipsoid, glatt, hyalin, mit vielen kleinen Öltröpfchen (schaumig), amyloid. Basidien 4-sporig. Schnallen fehlen. Hyphen der Huttrama (im Radialschnitt) - 13 µm breit, hyalin, ohne lichtbrechenden Inhalt, verzweigt.

    Hi Andreas,


    stimmt, ich hatte mir Ausgabe Nr. 5 vor ein paar Wochen extra deswegen zugelegt (gekauft!)* Christophs Fund stammt übrigens aus Frankreich. Ungewöhnlicher Weise fruktifizierten dort die Pilzchen auf abgefallenen Lärchen-Nadeln.


    liebe Grüßle
    aus dem jetzt gerade eben wieder sonnigen
    Ehingen


    * = Seitenhieb;-)

    Hallo Andreas,


    vielen herzlichen Dank für Deine Hilfe! Das bestätigt meine Vermutung. Ich habe hier die Ulmer Pilzflora I auf dem Tisch liegen, da steht auf Seite 91:


    "Funddaten: 10.10.84, bei Nerenstetten, MTB 7426, unter Fagus (!), auf totem Ast und totem Laub, ca. 40 Frk.; leg. M. ENDERLE, det. M. BON."


    Somit ist ENDERLE faktisch der Erstnachweis von Xeromphalina fraxinophila für Deutschland gelungen. Der Hintergrund meiner Recherche ist dieser, dass Sighilde Baireuther dieses Pilzchen jüngst bei uns in Ehingen gefunden hat, und Herr Antonin unsere Bestimmung bestätigte.


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo zusammen,


    es geht hier um den Holotypus dieser von Bon neubeschriebenen Art:


    Xeromphalina fellea var. fageticola Bon, Documents Mycologiques, 29(115):33, 1999


    Laut Antonin, müsste dies ein deutscher Fund sein (bei "Nevenstetten" 1984 von H. Engel?) - ich vermute aber, dass hier ein r für ein v gehalten wurde, und der Fund aus Nerenstetten (BW) stammt. Mich interessiert hier nur die Angabe bei Bon. Also wer die Documents Mycologiques zufällig im Regal stehen hat ... ;-)


    Grüßle
    Jürgen

    Hallo an alle,


    vielen lieben Dank für die prompte Hilfe!


    @ Peter: Ps. expallens hatte ich diese Saison mal genauer betrachtet, und bin der Meinung, dass diese (gute!) Art auf mageren und artenreichen Wacholderheiden nicht selten ist. Für unsere Region ist die Art deutlich unterkartiert. Ich stelle da mal ein Portrait mit Mikromerkmalen rein. Zu Deinen sehr dunkelfarbigen Ps. obbata möchte ich die Gretchenfrage stellen: Wurde hier mikroskopiert?


    @ Kristian: Herzlichen Dank für den Link. Ich könnte mich jetzt selber in ein gewissses Körperteil treten, weil ich diese Quelle natürlich kenne, da ich mir dort mal Sequenzen zu Entoloma niphoides besorgt hatte (und sogar zum Spaß Bäumchen gebastelt!). Ich muss mal zum Arzt gehen.


    @ Wolfgang: Deine Beobachtung kann ich nur bestätigen, und zwar hinsichtlich der altersbedingten Variationsbreite mancher Gabeltrichterlinge. Ps. expallens fand ich an einem Standort in so ziemlich allen Erscheinungsformen vor: Dunkel schokoladig, ungestreift, stark gestreift, ausgeblasst, mit blaugrauen Lamellen, mit ockerfarbenen Lamellen. Deine "obbata" müsste man mal genauer anschauen. Die Mikromerkale sind ja lt. Gröger evident.


    Grüßle
    Jürgen