Posts by Andreas Kunze

    Hallo beisammen,


    praktisch jedes allgemeine Pilzbestimmungsbuch enthält einen Hinweis an seine Benutzer/innen, womit sich die Autoren und Verlage absichern. Hier beispielsweise der Text aus "Der große Kosmos Pilzführer" von Hans E. Laux (2015):



    Die Qualitätsprüfung und das Gütesiegel der DGfM heben diesen Hinweis weder auf noch relativieren sie ihn. Ebenso entbinden sie nicht davon, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen. Insofern kann ich hier kein Problem erkennen.


    Gruß, Andreas

    Hallo beisammen,


    heute habe ich bei der Inspektion einer Fundstelle des Gehämmerten Röhrlings entlang einer Hainbuchenecke einen farbenfrohen Fund gemacht: den Rötenden Risspilz (Inocybe godeyi):




    Die eher schmächtigen Fruchtkörper (I. erubescens ist viel kräftiger) röten in allen Teilen (Name!), besitzen eine gerandet-knollige Stielbasis und riechen spermatisch (I. bresadolae würde im Schnitt obstig riechen, unverletzt auch ranzig mit Honignote).


    Schön, wenn man auch Mal einen Risspilz erkennt. Die Art ist giftig (Muscarin), also nur was fürs Auge bzw. die Linse.


    Gruß, Andreas

    Guten Morgen beisammen,


    in den nordbayerischen Lokalnachrichten wurde vor ein paar Tagen ein Vergiftungsfall gemeldet:

    Eine 64-jährige Pilzsammlerin aus Georgensgmünd (Mittelfranken) hat am vergangenen Samstag (17.8.2019) vermeintliche Pfifferlinge gesammelt und die Pilze zusammen mit ihrem Mann verzehrt. Der Mann wachte in der Nacht auf und musste sich übergeben. Als er gegen 3.30 Uhr erneut aufwachte, vermisste er seine Partnerin. Er fand sie bewusstlos und verkrampft im Garten liegen. Daraufhin wurde sie ins Nürnberger Klinikum gebracht. Laut Polizei schwebt sie (immer noch?) in akuter Lebensgefahr. Ein Polizeisprecher vermutet, dass es sich um den giftigen falschen Pfifferling handeln könnte.


    Kennt jemand von euch weitere Details zu diesem Fall?


    Nachdem der Falsche Pfifferling in Erwägung gezogen wird (die Hintergründe zu dieser Einschätzung sind mir unbekannt), kommt mir spontan der Ölbaumtrichterling in den Sinn. Natürlich reine Raterei.


    Foto: Falscher Pfifferling (Hygrophoropsis aurantiaca)


    Gruß, Andreas

    Liebe Pilzfreundinnen und Pilzfreunde,


    einige haben es sicher schon bemerkt: Der Datenstand unseres Artikelarchivs ist veraltet. Es wird dort auch keine Updates mehr geben. Grund hierfür ist der Wechsel zu einer anderen Download-Verwaltung. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren, trotzdem werden sie sich noch eine ganze Weile hinziehen. Geplant ist dann ein schrittweiser Übergang, beginnend mit den neueren Heften.


    Ich möchte mich an dieser Stelle bereits heute recht herzlich bei meinem Kollegen Stefan Fischer bedanken, der die älteren Ausgaben mit andauerndem Elan und Fleiß digitalisiert - und zwar in besserer Qualität, als sie zuvor verfügbar waren. Mehr Details dann zu gegebener Zeit.


    Ich hoffe auf eure Geduld.


    Schönen Gruß aus Donauwörth


    Andreas Kunze

    Webmaster

    Hallo beisammen,


    im Herbst dieses Jahres soll mit „Fungi of Temperate Europe“ (ISBN 9780691180373) einer der umfangreichsten mykologischen Führer mit Pilzen aus Nord- und Mitteleuropa erscheinen. Das 2-bändige Werk von Thomas Læssøe und Jens H. Petersen soll auf 1.700 Seiten mehr als 2.800 Pilzarten mit über 7.000 Fotos umfassen. Darin werden Blätterpilze, Röhrlinge, Leistlinge und Morcheln, aber auch unklare Gruppen wie Cyphelloide Pilze, Becherlinge, Kernpilze und Hysterioiden behandelt.


    Alle Arten sollen mit einem oder mehreren Fotos illustriert sein und Informationen über Morphologie, Ökologie und Verbreitung innerhalb des gemäßigten Europas enthalten. Darüber hinaus sollen mehr als 1.500 potenzielle Doppelgänger diskutiert werden. Die Bücher sollen in 80 Formengruppen gegliedert sein, die jeweils mit einem Vergleichsrad aus Leitfotos, Unterscheidungsmerkmalen und Zeichnungen wesentlicher mikroskopischer Merkmale eingeleitet werden. Giftige und essbare Arten sollen im Text farblich gekennzeichnet sein.


    Beide Bände sollen zusammen ungefähr 100 Euro kosten. Ein paar kostenfreie Beispielseiten findet ihr hier:


    http://www.mycokey.com/Downloa…ateEuropePresentation.pdf


    Gruß, Andreas

    Hallo Jens,


    ich denke, Du hast Dich in Deinem letzten Beitrag vergaloppiert. Kann vorkommen - wir haben alle Mal einen schlechten Tag. Sollte aber nicht zur Regel werden. Zurück zum Thema:


    Nervig finde ich nur - oder ich habe die Option übersehen - dass ständig moniert wird, mein Standort kann nicht erfasst werden. Die App sollte meine Entscheidung als Benutzer respektieren und nicht ständig mit einer Fehlermeldung nerven.

    hatten wir auch am Anfang. Ich nehme an, dass ein Neustart des Betriebssystems das Problem beheben kann.

    Da habe ich mich offenbar missverständlich ausgedrückt: Ich habe Flora Incognita auf meinem Android-Smartphone kein Recht eingeräumt, meinen Standort zu erfassen. Sie versucht es dennoch, muss scheitern und quittiert das mit einer Fehlermeldung.


    Ich vermisse eine Option in den Einstellungen, um die Standort-Infos vom ID-Prozess ausklammern zu können. Wäre sie aktiviert, gäbe es keine nervige Fehlermeldung.


    Hallo Peter,

    Der Standort fliesst m. E. auch in die Bestimmungswahrscheinlichkeit mit ein. Denn z. B. eine Alpenaurikel findet man im Ruhrgebiet nur in Gartenanlagen. Ich finde es bei so einem Projekt nicht so problematisch, meinen Standort preiszugeben.

    Ohne zu wissen, ob die Standortdaten beim Bestimmungsprozess eine Rolle spielen, möchte ich Herr meiner Daten bleiben. Ein Kompromiss wäre die von mir erwähnte Option in den Einstellungen. Die Entwickler könnten ja beim Aktivieren der Option einen Hinweis ausgeben lassen, dass sich dadurch die Bestimmungswahrscheinlichkeit verschlechtern kann. Allerdings fand ich die Trefferquote bereits ohne Standort-Infos beachtlich.


    Gruß, Andreas

    Hallo Jens,


    habe die App diese Woche auch mal zur Bestimmung von blühenden krautigen Pflanzen und Sträuchern ausprobiert und war über die hohe Trefferquote überrascht. Selbst nicht richtig fokussierte, unscharfe Aufnahmen des Mittleren Wegerichs und des Kleinen Braunelle wurden identifiziert. Das hätte mir vor Jahren viel Arbeit bei der Kartierung der Grasheiden in und um Augsburg und München viel Arbeit erspart.


    Nervig finde ich nur - oder ich habe die Option übersehen - dass ständig moniert wird, mein Standort kann nicht erfasst werden. Die App sollte meine Entscheidung als Benutzer respektieren und nicht ständig mit einer Fehlermeldung nerven. Ohne Internetverbindung geht übrigens gar nichts, das muss man sich bewusst sein. Dann bleibt nur, Bilder zu knipsen und diese im Nachgang, wenn man wieder online ist, bestimmen lassen.


    Weitere Infos zu dem Thema gibt's auf der Website des Projekts: https://floraincognita.com/de/ und in unserem nächsten Rundbrief. 8)


    Gruß, Andreas

    Hallo beisammen,


    wer den Hainbuchen-Täubling (Russula carpini) einmal live erleben will, wird an der DOnau-Ries-Klinik in Donauwörth fündig. Er fruktifiziert gerade an der Hainbuche hinter dem Fahrradparkplatz.


    Viel Spaß beim Anschauen.


    Gruß, Andreas

    Guten Morgen abeja,


    Die Bilder bei 123 (die Einstellenden sind namentlich genannt, ich gehe davon aus, dass mikroskopiert wurde)

    das würde mich wundern, wenn alle Pilzfotos auf 123Pilze.de von mikroskopisch abgesicherten Funden stammen. Ziel war es offenbar, die porträtierten Arten mit einer nennenswerten Auswahl an Bildern zu illustrieren. Ich denke, dass zu diesem Zweck überwiegend eine "makroskopische Plausibilitätsprüfung" erfolgte. In einigen Fällen würde ich selbst dies anzweifeln ohne jedoch die Qualität der Bebilderung beurteilen und verallgemeinern zu wollen.


    Etliche Fotos wurden aus den Unweiten des Internets zusammengetragen. Dabei handelt es sich nicht selten um Bilder, die von den Rechteinhabern unter einer freien Lizenz (z.B. Creative Commons) veröffentlicht worden sind. Sie wurden dann auf 123Pilze.de durch den Seitenbetreiber lizenzkonform (z.B. unter Nennung des Bildautors und der Lizenz) eingebunden.


    Gruß, Andreas

    Hallo abeja,


    ich würde die Drüslinge als E. nigricans (vormals E. plana) ansprechen - die Frk. von E. saccharina haben i.d.R. ein viel wärmeres, rötlicheres Braun. Der Teerflecken-Drüsling schreibt sich übrigens E. pithya. Mit dem schwarzen Glibber hatte ich mich mal im Tintling beschäftigt.


    Pleurotus ostreatus ist ein Allesfresser. Mir begegnet der Pilz regelmäßig an Stubben in Fichtenforsten, allerdings nicht Anfang Juni sondern im "Winterhalbjahr". In Wien wird der Pilz übrigens nachhaltig auf dem Kaffeesatz der Kaffeehäuser angebaut. Das Substrat wird von Radfahrern eingesammelt, ebenso werden die Pilze erntefrisch ausgeliefert. Forscher an der Uni Gießen ernähren den Pilz sogar in Flüssigkultur mit den Fruchtresten aus der Saftherstellung, um aus der Pilzmasse eine vegane Wurst herzustellen.


    Gruß, Andreas

    Guten Morgen beisammen,


    dass Daldinia-Arten eine gelatinöse Trama aufweisen können, war mir neu. :thumbup:


    Gernot hatte das von abeja verlinkte Foto in seinem und Ilse Wendelins Aufsatz "Wer suchet, der findet: Seltene und interessante Ascomycota vom Jägerberg (Steiermark, Österreich)" wie folgt erläutert:

    Quote

    Besonders auffällig bei diesem Fund ist das flüssig-gelatinöse, zonierte Innere der Stromata, die im Alter oder bei Austrocknung schließlich hohl werden. Dem Konzept von STADLER & al. (2014) folgend, gehört der vorliegende Fund eindeutig in die „Daldinia vernicosa – Daldinia loculata group“ und ist innerhalb dieser entweder D. vernicosa s. str. oder der sehr ähnlichen und wenig bekannten D. gelatinoides zuzuordnen. Da die Artkonzepte in dieser Gruppe noch nicht abschließend geklärt sind (STADLER & al. 2014), ordnen wir den Jägerberg-Fund zwischenzeitlich dem Aggregat um D. vernicosa zu.


    Vielleicht auch interessant: Beim Stöbern via Google Scholar bin ich auf eine Arbeit von Khalil et al. (2015) gestoßen. Die Autoren haben sich - basierend auf Studien zu D. concentrica und D. eschscholtzii - mit der konzentrischen Struktur der Trama beschäftigt und sind zu folgenden Erkenntnissen gelangt:

    • Die stromatale Ringzonierung in Daldinien beruht auf wechselnder Orientierung von Hyphen.
    • Die konzentrische Zonierung wird nicht durch abgebrochene Perithezien verursacht, wie einmal vorgeschlagen.
    • Die Ringe entstehen alle innerhalb einer einzigen Vegetationsperiode.
    • Es wird angenommen, dass die Ringzonierung den Wasserverlust aus den Stromata reduziert.


    Gruß, Andreas

    Hallo Nina,


    anhand der Bilder würde ich tatsächlich auf eine Daldinia-Art tippen. Schneide doch mal den neuen Knubbel durch, von oben bis nach unten, wo er am Birkenstamm angewachsen ist. Oftmals werden dann konzentrische Strukturen sichtbar. Allerdings weiß ich nicht, ob diese bereits bei jungen Exemplaren in der Wachstumsphase zu sehen sind.


    Ob die Sporen des Pilzes harmlos sind, weiß ich nicht. Glaube kaum, dass es Studien hierzu gibt. Wenn Du die Frk. vor ihrer Reife entfernst, gibt es keine Sporenbelastung in den Wohnräumen. Doch der Pilz wird weiter das Substrat, also das Holz Deiner Garderobe, zersetzen.


    Gruß, Andreas

    Hallo Nina,


    herzlich Willkommen hier im Forum! :)


    Ohne Foto wird es leider schwer bis unmöglich, eine Einschätzung abzugeben.


    War das Gebilde eher hart oder weich? Bei einer härteren Konsistenz fiele mir allenfalls die Gattung der Holzkohlenpilze/Kohlenkugelpilze (Daldinia) ein. Aber ich kenne nur Fruchtkörper bis etwa Tischtennisballgröße. Schau mal mit der Google-Bidlersuche, ob das passen könnte.


    Sporen können generell allergische Reaktionen hervorrufen - ein paar Beispiele hat unser Toxikologe Dr. Berndt im Artikel über die Rußrindenkrankheit der Ahorne erwähnt. Das hängt von der Menge der Sporen ab, von welcher Art sie stammen und natürlich wie stabil das Immunsystem der Menschen ist.


    Sofern es ein Pilz war, können nach dem Entfernen des/der Fruchtkörper/s keine Sporen mehr gebildet werden. Insofern schätze ich das Potenzial einer Gesundheitsgefährdung als eher gering ein.


    Gruß, Andreas

    Hallo Babett,


    an der Stelle könnte ja durchaus geeignetes Subtrat gelegen haben, das später aufgesammelt und abtransportiert wurde. Noch wahrscheinlicher wäre die Möglichkeit, dass der Pilz Wurzelreste im Boden zersetzt hat - die sieht man aus überirdischer Perspektive natürlich nicht.


    Wie groß war egtl. der 20-Kilo-Brummer?


    Gruß, Andreas

    Hallo Babett,


    ich denke nicht, dass das Sklerotium nochmal zugelegt hat. Dafür bräuchte der Pilz ja Substrat, das er zersetzen kann, um die daraus gewonnenen Nährstoffe dort einzulagern.


    Ich hatte den Sklerotienporling zuletzt im September 2015 im Riedlinger Holz bei Donauwörth auf den Ausläufern der Riesalb gesehen:




    Leider hatten von den Ästen keinerlei Hyphen Kontakt zum Boden, was kein Sklerotium erwarten ließ. Vielleicht habe ich eines Tages mehr Glück. ;)


    Gruß, Andreas

    Hallo Babett,


    das ist ja ein richtiger Koloss, den Du da entdeckt hattest! 8|


    Ich dachte immer, die Art bildet nur in wärmeren Regionen wie den Mittelmeerraum Sklerotien. Aber Darmstadt ist ja auch eher wärmebegünstigt:

    Darmstadt und das Rhein-Main-Gebiet liegen am nördlichen Ende der Oberrheinischen Tiefebene, die klimatisch zu den wärmsten Regionen in Deutschland zählt.

    Hatte das Sklerotium bereits unmittelbar nach dem Ausgraben unangenehm gerochen oder hatte sich das Odeur erst in den kommenden Tagen während der "Sightseeingtour" entwickelt?


    Und der Abtransport - mit dem Leiterwagen oder Sackkarren durch den Wald? :D


    War da in der Nähe egtl. auch ein Ast oder Stamm gelegen oder fruktifizierte der Pilz scheinbar auf der Erde?


    Gruß, Andreas