Parasitischer Porling an Sorbus intermedia, Oxyporus populinus (ganz jung)?

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  • Hallo allerseits,

    eigentlich wachsen so gut wie keine Pilze hier, aber fast jeder Fund wirft Fragen auf. ^^


    In der Nachbarschaft steht direkt am Haus ein kleiner Zierbaum, Sorbus intermedia. Dieser wurde immer wieder stark beschnitten, damit er immer hübsch klein bleibt ... Nun sah ich im Vorbeigehen dort junge Porlinge unter der lockeren (!) Rinde hervorbrechen. Die Rinde ist an mehreren Stelle leicht ablösbar, aber bisher wirkte der Baum noch vital, grün belaubt.


    Diesen parasitischen Porling kenne ich noch nicht. Vielleicht ist er auch noch zu jung, um ihn makroskopisch eindeutig zuzuordnen. Man kann es aber mal probieren ...;)

    Mehrere dicke Fruchtkörper übereinander, ein paar cm (3- 6 cm ca.) breit und auch 2-3 cm abstehend.

    Farblich cremeweiß bis hellbraun, Innenleben cremeweiß mit einer konzentrischen Zonierung

    Oberfläche leicht haarig

    Poren rundlich bis eckig, ungefähr 3 pro cm, bisher Röhrenlänge sehr kurz, nur 1 mm.

    Geruch ähnlich Trametes gibbosa (aber an Trametes glaube ich nicht)

    Geschmack nicht getestet.

    Mit KOH null Reaktion


    Als parasitische hutbildende Porlinge fand ich Inonotus (kann man wohl ausschließen), Perenniporia (sollte mit KOH dunkel werden) und Oxyporus.

    Könnte das Oxyporus populinus sein?


    Ich werde das natürlich weiter beobachten - allerdings weiß ich nicht, wie die Hausgemeinschaft dort bzw. der Gärtner nun mit dem Baum verfahren werden. Vielleicht steht er ganz plötzlich nicht mehr da.


    FG, abeja


    Vom Übersichtsbild der kleine Knubbel links unten ist ungefähr 3 cm breit, den habe ich entnommen und durchgeschnitten.



      

  • Hier hatte ich noch nach Bildern von ganz jungen Oxyporus populinus gesucht und gefunden.

    Ein Schnittbild von ganz jungen Knubbeln hatte ich auch, leider kein Lesezeichen gelegt - und es ist jetzt unauffindbar. Man sah auch diese konzentrische Zone.


    Zum Vergleich (ich finde es zumindest optisch sehr passend)

    Von dieser Seite die beiden einzeln verlinkten Bilder s.u.

    http://www.mushrooms.su/en/oxyporus_populinus.htm


    http://www.asergeev.com/pictur…es/2017/2011/jpeg/17b.jpg

    http://www.asergeev.com/pictur…es/2017/2011/jpeg/18b.jpg


    FG, abeja

  • Hallo Andreas,

    danke für deine Einschätzung!

    Trametes ... am lebenden Baum, geht das auch? Das ist mir jetzt neu.

    Striegelige Trameten kommen hier bei mir sehr häufig vor, ich glaubte eine ganz gute Vorstellung davon zu haben ... vielleicht muss ich die ja nun erweitern. :whistling:

    Ich kenne sie bisher anders - auch wenn sie jung hervorbricht (durchaus auch bräunlich, ganz jung auch deutlich haariger) - meist aber etwas zonierter auf der Oberfläche und mit "ordentlichem Rand", nicht ganz so "klumpig".

    Vom Geruch her (falls feucht und frisch) auch würziger-süßlicher, teilweise mit deutlichem Bittermandelanteil. Ich habe auch alte Bilder von jungen Fruchtkörpern im Querschnitt, die haben nicht diese farblich abgesetzte Zonierung.


    Aber warten wir es mal ab, wie sich die Pilze entwickeln. Hoffentlich bleibt der Baum noch etwas stehen ...


    FG, abeja

  • Noch mal zum "Parasiten-Problem":

    nun habe ich ein Dokument gefunden, in dem steht, dass viele Saprobionten an Holz hin und wieder auch als Wundparasiten auftreten können. Also ... alles ist möglich.


    https://www.arboristik.de/2004/trameten.htm

    Quote

    Holzzersetzende Großpilze werden bezüglich ihrer Lebensweise allgemein in zwei Gruppen unterteilt, zum einen in die Gruppe der parasitischen Großpilze und zum anderen in die Gruppe der saprophytischen Großpilze (Totholzzersetzer). Die genaue bzw. eindeutige Einordnung einer Pilzart in eine der beiden Gruppen ist nicht immer einfach und bei einigen Pilzarten ist sie bis heute noch nicht geklärt bzw. wird diese kontrovers diskutiert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Parasiten auch saprophytisch als Saprobionten oder Saprophyten leben können. ....

    ...

    Wurde am lebenden Baum beispielsweise durch Ästungsmaßnahmen, Astausbrüchen oder Anfahrschäden Kernholzbereiche freigelegt oder gar Splintholzbereiche abgetötet, können sich dort saprophytische Holzpilze ansiedeln und in den Kern einwachsen. ...

    ...

    Einige der häufigsten saprophytischen Pilze an Straßen- und Parkbäumen, denen zum Teil auch eine geringe parasitische Aktivität an stark geschwächten Bäumen zugeschrieben wird, werden nachfolgend vorgestellt:

    Im Weiteren werden dann auch die häufigen Trametes-Arten genannt.


    FG, abeja