Gegrillte Matsutake grillen Geldbeutel ;-)

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    Es gibt 3 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von G_Woelfel.

    • Gegrillte Matsutake grillen Geldbeutel ;-)

      Liebe Pilzfreundinnen und Pilzfreunde,

      wer gerne etwas mehr für kulinarische Genüsse ausgibt, kann sich japanische Matsutake auf den Holzkohlegrill legen und mit ein paar Spritzern Sudachi, einer jap. Citrusfrucht, beträufeln lassen.

      Das Kilo des Pilzes soll laut dem Podcast des SFR 1 Radio umgerechnet etwa 1.700 bis 2.500 Euro kosten.

      Na denn: Mahlzeit! =O


      Für mich ist das Ganze etwas verwirrend, denn im dt. Wikipedia-Artikel werden die drei Taxa:
      • in Amerika: Weißer Matsutake (T. magnivelare, Syn. Armillaria ponderosa)
      • in Südeuropa: Krokodil- oder Gestiefelter Ritterling (T. caligatum)
      • in Nordeuropa: Schwedischer Matsutake (T. nauseosum)
      angegeben.

      Sind das eigene Arten oder bilden sie mit dem japanischen Matsutake eine einzige plastische Art?

      Zumindest für die beiden europäischen Taxa schien das wohl in der Vergangenheit vermutet worden zu sein.

      Gruß, Andreas
    • Servus Andreas,
      guckst du hier: forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1534.0.html

      in Amerika folglich:
      westl. Nordamerika: Tricholoma murrillianum Singer (= Armillaria arenicola Murrill)

      östl. Nordamerika: Tricholoma magnivelare (Peck) Redhead

      südliches Nordamerika und Mittelamerika: Tricholoma mesoamericanum Justo & Cifuentes


      Ansonsten - neben der Zusammenfassung im BMG-Forum(dort findest du auch Aussagen über die hiesigen und die japanische Matsutake-Arte(en) - empfehle ich dir die Tricholoma-Bearbeitung in der Reihe Fungi of Northern Europe: Christensen & Heilmann-Clausen (2013): The genus Tricholoma. Fungi of Northern Europe 4.


      Es ist mit sehr sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine eine plastische Art, sondern eine ganze Artengruppe... Jedenfalls ist das seit vielen Jahren Stand der Forschung.

      LG
      Christoph
    • Hallo Christoph,

      danke für die Zusammenfassung, den Link und die Literaturtipps.

      Für Interessierte hier mal eine deutsche Übersetzung der Zusammenfassung des Aufsatzes:

      Trudell et al. (2017) schrieb:

      Tricholoma matsutake, weithin als "Matsutake" bekannt, hat in Japan eine große kommerzielle und kulturelle Bedeutung. Da die japanische Förderung nicht ausreicht, um die hohe Binnennachfrage zu befriedigen, werden morphologisch ähnliche Pilze, von denen man annimmt, dass sie zu T. magnivelare gehören, aus dem westlichen Nordamerika importiert.

      Molekulardaten, die seit den frühen 2000er Jahren produziert wurden, haben jedoch gezeigt, dass mehr als eine Art von Matsutake in Nordamerika vorkommt, und dies wirft die Frage nach der korrekten Benennung der verschiedenen Arten auf.

      Um diese Frage zu beantworten, untersuchten wir die phylogenetische Diversität innerhalb nordamerikanischer Matsutake basierend auf nuc rDNA ITS1-5.8S-ITS2 (interner transkribierter Spacer [ITS] Barcode) Sequenzen, einschließlich neu gewonnener Sequenzen aus den Typuskollektionen von Agaricus ponderosus und Armillaria arenicola, sowie morphologischen Merkmalen.

      Unsere Ergebnisse stimmen mit früheren Hinweisen überein, dass in Nordamerika drei Matsutake-Arten vorkommen und erlauben uns, die korrekte Anwendung von Namen zu klären: T. magnivelare aus den östlichen USA und Kanada, T. murrillianum aus den westlichen USA und Kanada und T. mesoamericanum aus Mexiko, hier neu beschrieben. Die Existenz der drei nordamerikanischen Arten wird durch die Ergebnisse der evolutionären Divergenzanalyse, geographische Verteilungen und morphologische Merkmale weiter gestützt.

      Was ist eigentlich eine evolutionäre Divergenzanalyse - das "Stammbaumrechnen"?

      Gruß, Andreas
    • Hallo Andreas,

      Neben der als Krokodilritterling (Tricholoma caligatum / eher Mittelmeerraum) bezeichneten Art gibt es in Europa noch drei weitere Arten:
      Tricholoma matsutake = T. nauseosum, eine in Skandinavien verbreitete Art die gelegentlich auch bei uns vorkommt (Eigenfunde aus Franken) und mit dem japanischen T. matsutake identisch sein soll,
      Tricholoma dulciolens, eine mehr nördlich verbreitete Art die aber auch im Süden vorkommen kann (mein Fund stammt aus Gomera) und
      Tricholoma ilkkaii ,eine bisher nur in Skandinavien nachgewiesene, sehr seltene Art.

      Herzliche Grüße
      Gerhard