Tricholoma - Projekt Kollektion #11

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  • Liebe Ritterlingsfreunde,


    heute habe ich eine Kollektion mit eindeutig glatten Hüten anzubieten. Im Unterschied dazu waren die vorangegangenen Kollektionen, mit Ausnahme der Pappelritterlinge und der Kollektion ##9, mehr oder weniger striat - jedenfalls auf den Hüten.
    Obwohl hier die Bezeichnung "Kollektion" ziemlich irreführend ist. Es handelt sich um zwei Einzelexemplare, die ich nach gut 3 1/2 Stunden intensiver Suche, an verscheidenen Orten, am vergangenen Samstag aufstöbern konnte. Es waren auch nicht die allerschönsten Exemplare, denn die Schnecken hatten sich bereits an den Stielen zu schaffen gemacht. Es gab also nicht einmal unversehrte Fruchtkörper zu bergen.
    Dabei hatte ich noch Glück gehabt, denn diese Art konnte ich zuletzt im Jahr 2013 auffinden.


    Bilder:



    Funddatum: 21.10.2017
    Fundort: Kiefernwald, zwischen Müllrose und Frankfurt/Oder; MTBQ 3752/243
    Boden: sandig, abseits von Waldwegen im Moos


    Vorkommen: Einzelexemplare, extrem selten


    Hut: Durchmesser 6 - 8 cm; Farbe hellbraun, glatt, Rand beim älteren Exemplar deutlich gerieft, Huthaut abziehbar .
    Stiel: 7 - 10 cm x 1,5 - 2 cm; Grundfarbe reinweiß; von der Basis her hellbraun-orange überfasert-geschuppt; teils verdreht und an der Basis zugespitzt.
    Lamellen: dicht, jung reinweiß, später cremefarben mit hellbraunen Lamellenschneiden, zum Stiel hin "am Zahn" herablaufend.


    Das Fleisch im Stiel- und im Hutfleisch wies bei Verletzung deutlich orange-braune Verfärbungen auf (hier nicht im Bild). Es sind also offensichtlich rote Pigmente vorhanden.


    Geruch: unauffällig, aber deutlich mehlartig
    Geschmack: Das Fleisch des größeren FK schmeckte nahezu mild, der kleinere war leicht bitter.


    Chemie:
    KOH ohne signifikante Reaktion, außer einer Verstärkung der Braunfärbung.
    Guajak: keine unmittelbare Reaktion; nach 5 min deutliche Blaufärbung Richtung Lamellenansatz.




    Bei diesem Fund handelt es sich um die Art, die ich als typische Tricholoma stans einschätze. In anderen Jahren gab es mehr und auch besser erhaltene Exemplare zu finden. Das momentane Ausfällen unserer Kiefernwälder und die zuletzt trockenen Jahre sorgten für einen deutlichen Rückgang dieser Art - obwohl diese keine besonderen Standortansprüche zu stellen scheint. Außer an eher basischen Wegrändern kann sie eigenlich überall im sandigen Kiefernwald auftreten.


    Eine ausführliche Beschreibung mit aussagekräftigeren Bildern hatte ich im Tintling - Augustheft 2016 - veröffentlicht. Hier noch ein Bild aus meinem Archiv:



    Diese Ritterlinge können auch ziemlich groß werden. Ich hatte schon Exemplare mit Hdm. von über 15 cm gefunden. Mittlerweile bin ich froh, die überhaupt nochmal erwischt zu haben.


    Ich weiß aber von anderen Pilzfreunden, dass sie auch hin und wieder mal fündig werden. Zuletzt hatte Matthias Dondl (Interhias) 2014 diese Art in einem Beitrag im pilze-pilze-Forum gezeigt. Da es sich bei dieser Art um eine echte Rarität zu handeln scheint, wären wir für jede weitere Fundmeldung sehr dankbar. Idealerweise natürlich mit Beleg.


    Gruß Ingo