Verkorkster Röhrling, vermurkste Bestimmung --> Xerocomus subtomentosus, Ziegenlippe

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There are 6 replies in this Thread. The last Post () by abeja.

  • Hallo,

    bei großer Hitze fand ich im Buchenwald auf Kalk (500 m Höhenlage, Hochrhein) diesen kleinen, etwas seltsam gewachsenen Röhrling.

    Die sehr deutlich ausgeprägten dunklen Pünktchen am Stiel hatten mich zu der Annahme verleitet, es könnte sich um Hemileccinum impolitum, den Fahlen Röhrling handeln, den hatte ich noch nie.

    ABER DANN: das Ding blaut an den Poren, "Killmerkmal" - die Poren wären für diese Art ja auch ziemlich grob geraten, die Huthaut passt auch nicht wirklich.

    Der Geruch war aber durchaus etwas seltsam chemisch unangenehm, der Geschmack war auch nicht einladend, fast schon etwas bitter.


    Kurzzeitig habe ich wegen des leicht bitteren Geschmackes einen seltsamen "knirpskleinen" "magersüchtigen" Wurzelnden Bitterröhrling (Boletus radicans) in Betracht gezogen, ABER DA müsste ja irgendwo andeutungsweise ein Stielnetz sein, auch da passt die Huthaut nicht richtig und auch nicht das Verfärbungsmuster, das Fleisch müsste im Hut etwas stärker blauen.


    Ist es einfach nur eine "stinknormale" Ziegenlippe, Xerocomus subtomentosus s.str.?

    ... die hier gar nicht so normal ist, denn ich habe gar keine Fotos davon. Von den Filzröhrlingen i.w.S. finde ich oft Xerocomellus engelii, der hier "commun is" oder Xerocomellus rubellus.


    Für Ziegenlippe sprechen m.M. nach die filzige gelbliche Huthaut (leicht rötlich unten drunter), das leichte Blauen der Poren, weißliches Fleisch, was im Hut minimal blaut (nur kurzzeitig) und eine leicht bräunlich-rosa Verfärbung im unteren Stielfleisch, der Pilz hat weißliches Basismycel.

    Beim Trocknen dunkelt die Huthaut bräunlich nach.

    ABER: ich konnte keinen leicht säuerlichen Geschmack feststellen und wie passen diese PUNKTE dazu?

    Ist das alles nur durch Hitze und Trockenheit erklärbar?


    Wer kann mir da weiterhelfen? Vielleicht habe ich ja noch etwas übersehen? :/





         


    VG abeja

  • Guten Morgen abeja,


    habituell erinnert mich der Fund an Hortiboletus engelii, wenngleich ich die orangefarbenen Punkte in der Stielbasis vermisse. Aber wenn mich nicht alles täuscht, sollen diese Punkte kein konstantes Merkmal sein und auch mal fehlen dürfen.


    Matthias , kannst Du das als Röhrlingskenner bestätigen oder ggf. dementieren?


    Gruß, Andreas

  • Hallo abeja,

    für mich eindeutig die Ziegenlippe, dazu passt perfekt das Blauen im Hutfleisch und die bräunliche Verfärbung im unteren Stielfleisch. Die Stielflocken weisen sicher einen Trockenschaden auf, kenne sie frisch nur gelblich und sie sind manchmal auch netzartig verbunden. Das verwirrt weil man sowas von einem Filzröhrling eigentlich erwartet.

    Hier noch ein Link zum PilzePilzeforum wo es 2014 auch eine ähnliche Anfrage gab:

    Bestimmungshilfe Filzröhrling *PIC*

    Zum Wurzelnden Bitterröhrlig muss ich sagen das über 90% meiner gefundenen Exemplare ohne Stielnetz waren bzw mit blossem AUge nicht erkennbar ist. Der blaut auch komplett, kann aber in der Stielbasis ein rötliches Dreieck zeigen,

    viele Grüsse

    Matthias

  • Hallo Andreas und Matthias,

    vielen Dank für eure Antworten.


    Da bin ich ja doch noch in der richtigen Ecke gelandet^^ - wo der Pilz mir doch alles mögliche vorspiegeln wollte, was er gar nicht war.

    Ziegenlippen scheinen bei mir wirklich nicht häufig zu sein, denn ich habe nur ein Bild mit cf. abgelegt - das ist aber schon alt und nicht nach allen "Pilzbestimmerkünsten" aufgenommen, das kann man eigentlich vergessen.

    Interessant fand ich auch den Link, wo der Pilz ganz helle Püstelchen hatte. Neu war für mich auch, dass die Ziegenlippe einen ähnlichen Geruch wie Hemileccinum depilatum und impolitum entwickeln kann. Der Geruch bei meinem Pilz ging in diese Richtung , allerdings auch ein bisschen undefinierbar.


    Was die Stielnetzhäufigkeit bei Caloboletus radicans betrifft, bei mir ca. 50/50 ... aber ich sage nicht, wie wenige Funde ich erst hatte - darunter uralte Schlappen. Von den "schönen" Exemplaren war eine Gruppe mit sichtbarem Stielnetz, eine Gruppe ohne (oder nicht richtig untersucht, jedenfalls auf den Fotos ist nichts erkennbar).

    Zum Vergleich:

    ohne sichtbares Stielnetz:


    mit Stielnetz



    ein Schnittbild (oben die jüngeren Pilze haben "hübscher" geblaut).





    Was die orange-farbenen Pünktchen bei Hortiboletus engelii betrifft, die sah ich bei alten/ausgewachsenen Pilzen immer. Aber einmal standen daneben noch ganz junge, winzig kleine Exemplare. Da waren die Pünktchen noch nicht ausgebildet.

    Zum Vergleich:



    Die junge Pilze vom gleichen Fundort:



    und noch ein älteres Exemplar:


    VG abeja

  • abeja

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