Ein paar Fragen...

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  • Hallo in die Pilz Runde ♥


    Durch die Beschäftigung seit dem 1. Modul zum PCoach habe ich 2 Fragen:


    1. Kontakt und Giftigkeit: wir haben ja gelernt, Pilze sind nicht Kontakt-Giftig - was aber, wenn man z. B. einen Knolli (wissensweise zu Anschauungszwecken oder auch unwissenderweise 8| )mit seinem Messer abschneidet und darauf ohne das Messer ab zu wischen z.B. einen Steinpilz abschneidet? Kann es da Probleme geben?? (ich wurde das schon ein paar mal gefragt und weiss nicht wirklich eine Antwort :( )


    2. Lebensformen: Immer wieder lese ich nun, dass Parasiten-Pilze auch /gleich Saprobionten sind/sein können, z. B. Birkenporling, Zunderschwamm. Ist das grundsätzlich so, dass es keine richtige Unterscheidung gibt oder sind nur gewisse Pilze beides - und wenn ja welche und welche haben ein Eigenleben?


    Ich würd mich sehr auf eine Antwort freuen


    lg. Flammulina/annett :P http://kraeuter-und-kreativwerkstatt.blogspot.de/

  • Hallo Annett,

    1. Kontakt und Giftigkeit: wir haben ja gelernt, Pilze sind nicht Kontakt-Giftig - was aber, wenn man z. B. einen Knolli (wissensweise zu Anschauungszwecken oder auch unwissenderweise 8| )mit seinem Messer abschneidet und darauf ohne das Messer ab zu wischen z.B. einen Steinpilz abschneidet? Kann es da Probleme geben?? (ich wurde das schon ein paar mal gefragt und weiss nicht wirklich eine Antwort :( )

    Grundsätzlich macht die Dosis das Gift. Ob es bei dieser Dosis Probleme geben kann, wird dir wohl Niemand gern ausschliessen, auch wenn es unwahrscheinlich ist. Wenn ich sowas gefragt werde, sage ich: besser das Messer vorher gründlich reinigen. In der Praxis im Wald also mit einem feuchten Tuch abwischen.


    LG, Peter

  • Nochmal Hallo,

    2. Lebensformen: Immer wieder lese ich nun, dass Parasiten-Pilze auch /gleich Saprobionten sind/sein können, z. B. Birkenporling, Zunderschwamm. Ist das grundsätzlich so, dass es keine richtige Unterscheidung gibt oder sind nur gewisse Pilze beides - und wenn ja welche und welche haben ein Eigenleben?

    Ob Pilze wie z. B. die Hallimascharten oder der Echte Zunderschwamm zuerst parasitisch und dann saprob oder nur saprob, also an bereits abgestorbenem Holz wie z. B. die Dachpilze (Pluteus) wachsen, ist tatsächlich artspezifisch.
    Das musst du also im Zweifelsfall recherchieren. Eine Liste würde hier zu weit führen.


    LG, Peter

  • Hallo Flammulina,


    wenn keine sichtbaren Pilzreste am Messer hängen geblieben sind, kann es weiter auch zum Abschneiden von Speisepilzen benutzt werden. Peter hat schon auf das Prinzip, dass die Dosis das Gift macht, verwiesen, und das gilt auch für die hochtoxischen Amanitine und Phalloidine.
    Um gleich eine weitere oft gestellte Frage zu beantworten: Weder muss man beim Pflücken Handschuhe anziehen noch sich die Hände waschen , wenn man toxische Wulstlinge in den Händen gehalten hat.


    Reaktionen nach (Haut)-Kontakt mit Pilzen sind sehr selten, kommen aber vor: Z.B. kam es beim Putzen von Fransigen Wulstlingen (Amanita strobiliformis) zu einer heftigen allergischen Hautreaktion mit Rötung, Brennen und Quaddelbildung (Nesselsucht).


    Mit freundlichem Gruß


    Siegmar Berndt

  • Hallo Flammulina,
    zu deiner zweiten Frage. Die Grenze zwischen parasitären und zersetzenden Pilzen erscheint mir auch nicht so einfachen zu ziehen. In den Kursen fragen wir gerne „Ab wann betrachtet der Pilz einen Baum als tot bzw. so weit geschwächt, dass er ihm etwas anhaben kann?“. Die Alterungsphase und das Absterben von Bäumen geschehen über Jahre (oft Jahrzehnte), dabei spielen die Pilze eine wichtige Rolle. So beginnen beispielsweise Hallimasch und Zunderschwamm ihr Leben auf dem oft noch lebenden Baum und zersetzen ihn dann Jahre nach dem Absterben weiter. Angegriffen von Pilzen werden vor allem geschwächte und alte Bäume – gerne in standortfremden Monokulturen. Hierbei stellt sich dann die Frage, ob sie als Parasiten angesehen werden können oder einfach nur Hinweise auf nicht nachhaltige und standortgerechte Forstwirtschaft aufzeigen, denn die gepflanzten Bäume sind so schwach, dass sie sich nicht gegen das Eindringen von Pilzen wehren können. Gesunde und vitale Pflanzen können das. In einem gesunden naturnahen Wald gibt es auch Hallimasch. Sie treten hier aber nicht als gefürchteter Schädling auf, da die gesunden Bäume von ihm nicht befallen werden und sie nur in ihrer Nische von absterbenden, abgesägten und abgestorbenen Bäumen leben ohne „aufzufallen“.
    Wir Menschen hätten gerne klare Grenzen und Definitionen – die Pilze zeigen uns, dass dies nicht immer möglich ist und wir noch viel zu entdecken und zu erforschen haben. Das ist doch eine spannende Botschaft, so wird es nie langweilig ;)
    Herzliche Grüße von Rita

  • Hallo Siegmar, liebe Rita- vielen Dank für Eure Kommentare. Die Frage über Saprobionten/Parasiten hat mir Rita somit wunderbar erklärt. Ich werde sie mir einprägen. So kann ich zukünftigen Kurs-Teilnehmern wunderbar die Zusammenhänge in unseren Wäldern erklären. Danke Dir
    lg Annett alias FLammulina ♥

  • Hallo Flammulina


    Du hast ja schon im Eingangsthread beim Thema Muschelseitling bemerkt, daß es unterschiedliche Meinungen zur Giftigkeit von Pilzen gibt.
    Mal abgesehen davon, daß es weniger Giftpilze, schon gar nicht gefährlich giftige Pilze als harmlose und sogar genießbare Pilze gibt, einige sind ja doch nicht nur unangenehm, sondern tatsächlich beim Genuß lebensbedrolich.


    Da werden in den letzen Jahren auch immer mal neue Risikopilze aufgedeckt, die jahrelang als Speise- und Marktpilze gehändelt wurden. Einerseits gibt es natürlich auch Methoden der Zubereitung (Silieren, Kochen und abgießen, Trocknen) die manche Pilze entgiften (Rohpilze sind fast alle giftig!), wobei nicht alle Zubereitungsformen überall gleich verbreitet sind, andererseits werden in letzter Zeit auch immer öfter stichhaltige Hinweise (Kahler Krempling, Grünling, Nebel- oder Graukappe) gefunden, dass selbst Marktpilze nicht länger als harmlos eingestuft werden dürfen, andererseits muss man auch manche Risikobewertungen (Alkohol Unverträglichkeit beim Verzehr z.B.: Netzstielige Hexen-Röhrling) hinterfragen. Jedenfalls würde ich auch als Pilzcoach, PSV, Pilzbuchautor etc. lieber einmal mehr auf Nummer sicher gehen, als jemanden eine Freigabe zum Verzehr von fragwürdigen Pilzen zu geben. Umso wichtiger ist natürlich die nachvollziehbare Aufklärung von Irrtümern, wie am Beispiel der stillen Post die beim Gelbstieligen Muschelseitling zur unbegründigten Risikoeinschätzung führte, welche von Andreas Kunze dankenswerterweise entlarft wurde.
    Von Hr. Kunze werden in dieser Angelegenheit auch die Einschätzungen Dr. med. René Flammer und Prof. Dr. Siegmar Berndt angeführt.


    Da kann ich die frei zugänglichen Publikationen von Dr. med. R. Flammer für alle PilzCoach nur empfehlen.
    Dort findet man aktuelle Informatinonen zu tödlichen Giftpilzen wie dem Pleurocybella porrigens (Ohrförmiger Seitling-Marktpilz!), zum Thema Kinder und Wiesenpilze oder zur Bewertung sogenannter Heilpilze (aus Asien)
    und vieles mehr:

    http://www.giftpilze.ch/literatur/literatur.htm


    Gruß Spinnich 8|

  • Hallo Spinnich, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort zu dieser wirklich ungewöhnlichen Uhrzeit.... Das ist ja eine riesige Sammlung von Herrn Dr. med. Flammer! Das wird eine Jahresaufgabe, das alles zu lesen - aber sehr interessant.
    Interessant auch Deine vielfältigen Interessen - super - Wo machst Du denn die Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer? lg Flammulina

  • Hallo Anett,


    dieses Jahr wird in Bayern das Seminar zum "Zertifizierter Natur- und Landschaftsführer" der ANL nur in Jochenstein bei Passau angeboten. Ursprünglich waren „Fränkische Schweiz“, „Fichtelgebirge“, „Frankenwald“ vorgesehen, das hat sich leider zerschlagen.


    Am liebsten wäre mir natürlich das Biosphärenreservat Rhön gewesen, gab's auch schon mal.
    Aber ich werde das so oder so durchziehen.


    Die ANL bietet auch andere intersssante Kurse an, aber im Augenblick lässt mein Zeitmanagement keine weiteren Kurse zu.
    Vielleicht ziehe ich mir irgendwann nochmal den ANL-Aufbau-Kurs: "Fledermausschutz" rein, wenn ich in diese Thematik langfristig tiefer einsteigen sollte.


    Ansonsten möchte ich am liebsten erstmal möglichst nur Kurse besuchen, die bei mir regional durchgeführt werden.
    Da waren die Pilz-Kurse in Oberhof schon mal nicht schlecht (45 min Fahrzeit).


    Mal sehen, was die hiesigen Naturschulen und die Veranstaltungsangebote vom Biosphärenreservat demnächst so bieten.


    falls Du mal das Programm der ANL sehen möchtest: http://www.anl.bayern.de/
    Vergleichbare Institutionen gibt es natürlich auch in vielen anderen Bundesländern, ebenso Pilzschulen und Angebote von Biosphärenreservaten, Naturparks, Naturschulen und öffentliche Kartierungsprogramme (für Ehrenamtliche) von Ländern, Universitäten und so weiter.


    Jedenfalls ist es immer besser sich eine breite Basis zu schaffen und einen Schritt nach dem anderen zu machen.
    Und ganz wichtig ist natürlich eine gute Vernetzung mit den passenden Leuten.


    LG Spinnich :D

  • Hallo Spinnich, danke für Deine Auskunft und Inspiration. Die Seite von anl.bayern werde ich mal durchstöbern. Leider ist bei alles ein zeitliches und auch finanzielles Problem. Aber wie Du schreibst, einfach einen Schritt nach dem anderen machen. Und jetzt muss ich ja erstmal die Prüfung zum Pilzcoach bestehen und dann sehe ich weiter...aber Natur- und Landschaftsführer hört sich seeehr interessant an...
    lg Flammulina