Entolomen aus dem Werdenfelser Land; E. kervernii

For discussions about the society, its structure and goals, only the forum "Geman Mycological Society" serves as a platform for the exchange of opinions.

There are 13 replies in this Thread. The last Post () by Andreas Kunze.

  • Liebe Entolomafreunde


    Von unseren APN-Mitgliedern Petra und Werner Eimann erhielt ich zahlreiche Exsikkate und Bilder von Entolomafunden aus dem Werdenfelder Land mit der bitte um Bestimmung oder Bestätigung. Da ich einige Arten selber noch nicht frisch gesehen habe und nur wenige makrokopische Infos vorliegen, sind kritische Anmerkungen ausdrücklich erwünscht.


    Bei der ersten Kollektion lande ich bei E. kervernii


    Funddatum: 05.09.2013
    Fundort: MTB 8533/22, Seinsraut 875 m, temporär beweidete Wiese mit eingestreuten Fichten, Birken und Weiden.
    Fruchtkörper völlig ungerieft und geruchlos.
    Mikromerkmale:
    Sporen: 8,5 – 10,6 x 6,1 – 7,9; Qm = 1,35
    Cheilozystiden: überwiegend zylindrisch, bis 80 µm lang, teilweise septiert
    HDS mit maximal 20 µm erweiteten Endzellen, Pigment blass intrazellulär
    Keine Schnallen im gesamten Frk.





  • Hallo Karl,


    sowohl E. kervernii als auch E. queletii habe ich auch schon im Werdenfelser Land gefunden. Ich denke, dass die beiden Arten zumindest eng verwandt sind. Die Rosatöne bei E. queletii vergehen meist sofort bei Lichtkontakt und makroskopisch sind sie dann kaum mehr zu unterscheiden. Ich habe je zwei Kollektionen von beiden Arten, bei denen von E. queletii liegt die mittlere Sporenlänge bei 10,5 oder darüber, bei denen von E. kervernii knapp unter 10. Es könnte also sein, dass man sie mit den Sporenmaßen mikroskopisch trennen kann, aber anhand von ein paar Kollektionen lässt sich das wohl kaum beurteilen.


    Ich verlinke hier mal zwei Vergleichskollektionen.


    E. queletii


    E. kervernii


    Grüße


    Hias

  • Hallo Andreas


    Bei uns gab es Mitte Februar E. sericeum. Jetzt warte ich dringend auf Regen, auch wenn Exsikkate von seltenen Arten eine interessante Überbrückung bieten können.


    Gruß Karl

  • Guten Morgen Hias,


    nachdem zur Differenzierung zwische E. queletii und E. kervernii den mittleren Sporenmaßen eine hohe Bedeutung zukommt: Wieviele Sporen hast Du bei Deiner Kollektion von E. queletii vermessen? 20 Stück wie bei Deiner E.-kervernii-Kollektion erscheinen mir etwas wenig oder waren die Maße relativ konstant? Stammten die Präparate von verschiedenen Frk. und verschiedenen Lamellen?


    Mir geht's nur darum, die Variablität der Sporenmaße einschätzen zu können. Denn ich hatte bislang nur ein Einzelexemplar von E. queletii aus der Königsbrunner Heide untersuchen können. E. kervernii kenne ich hingegen nur aus der Literatur. Vor dem Hintergrund maße ich mir erst recht keine Meinung an. Bei Gelegenheit durchforste ich mein Bildarchiv nach einem Buidl.


    Gruß, Andreas

  • Servus Andi,


    bei meinen beiden Queletii-Kollektionen habe ich jeweils 10 Sporen gemessen. Ein bisserl mager, stimmt schon. Aber was Sporenmaße angeht, bin ich bei Entoloma eh etwas skeptisch, ob man mit so geringen Unterschieden taxonomisch etwas ausrichten kann. Siehe meinen Beitrag zu E. hebes, den ich gleich schreiben werde;-)



    Grüße


    Hias

  • Servus Hias,


    Aber was Sporenmaße angeht, bin ich bei Entoloma eh etwas skeptisch, ob man mit so geringen Unterschieden taxonomisch etwas ausrichten kann.


    volle Zustimmung.


    Das dachte ich mir z.B. auch schon bei der Abgrenzung von E. neglectum von E. pallens. Sicher gibt es noch mehr solche Fälle. Es wird bestimmt eine ganze Weile brauchen, die Gattung DNA-technisch zu analysieren und phylogenetisch aufzuarbeiten.


    Schönen Gruß aus dem verregneten Datschihausen


    Andi

  • Hallo Zusammen,


    die Tage bin ich über eine Kollektion vom 27.09.2012 aus dem NSG Rammersberg (MTB 6024-1)gestolpert. Das Kalk-Magerrasen-Gebiet ist u. a. wegen seinem Floccularia-Vorkommen sehr bekannt.


    Aufgrund der sehr kräftigen Farben hat im Feld und nachher auf der Tagung zunächst Niemand den Namen E. queletii in den Mund genommen.
    Toni hat sich seiner angenommen, die Mikrozeichnungen stammen von ihm. Die Sporen sind recht klein, was den noch jungen FK zugeschrieben wird.


    Sollte mal Jemand Belege für die Sequenzierung des kervernii-queletii-Formenkreises benötigen, so findet er diese Kollektion
    im Herbar WU 32234 als Entoloma cf. queletii.


    Herzliche Grüße aus Kirchl, Peter

  • Servus Peter,


    hübsche Schwammerln! Ein bisserl eigenartig sehen sie schon aus, aber ich wüsste auch nix anderes als E. queletii. Der Sporenmittelwert von 7,8 x 5,9 macht schon stutzig. Das liegt ja in der Länge um über 2 µm unter dem kleinsten Mittelwert, den ich bei 3 Kollektionen gemessen habe (immer über 10). Solche Ausreißer scheinen bei Entoloma aber immer wieder mal vorzukommen.


    Grüße


    Hias

  • Hallo in die Runde,


    wirklich was fürs Auge, diese Kollektion. Mir käme aufgrund der Merkmale, insbesondere der Ch.Z., auch nur E. queletii in den Sinn. Aber die Sporenmaße sind schon extrem klein. Kann mir schwer vorstellen, dass sie so stark abweichen können. Wäre Anton Hausknecht kein versierter Mikroskopiker könnte man mutmaßen, dass bei den Sporenmaßen vlt. der falsche Faktor verwendet wurde. Jedenfalls eine interessante Aufsammlung.


    Gruß, Andreas