Posts by Wolfgang Prüfert

    Hallo abeja,


    genau wissen tue ich es auch nicht, aber ich teile Deine Einschätzung:


    Unzählige Substanzen von Pilzen werden biotechnologisch aus Myzel-Kulturen gewonnen. Von Laien werden die Fruchtkörper im Allgemeinen überbewertet.


    Andererseits kann natürlich jeder komplexe Organismus, wie auch ein Pilz, solche Metabolite in verschiedenen Organen in unterschiedlichen Konzentrationen erzeugen. Das könnte man nur entweder messen, oder aus der Funktion der Substanz vermuten.


    Aber was ist die Funktion vom Amanitin in einem solchen Schirmling? Fraßschutz vor bestimmten Säugetieren ist im tropischen Regenwald vermutlich ein geringeres Problem, und eher ein zufälliger Nebeneffekt.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Oliver,

    ich persönlich finde LÜDER: Grundkurs Pilzbestimmung ein hilfreiches Buch (wenn man es ernsthaft durcharbeitet und nicht nur einzelne Seiten anguckt).


    Für die Theorie ist es ja einfach, das eigene Niveau abzuschätzen, da ja der Fragenkatalog öffentlich ist.


    Mikroskopie brauchst Du als PSV nicht (höchstens Grundkenntnisse über die Merkmale).

    Für Toxikologie reicht die Syndromdatei der DGfM aus.


    Bleibt also die Praxis und die Artenkenntnis, da kommst Du um den direkten Kontakt zu PSV/Pilzvereinen in Deinem Umfeld nicht herum.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo abeja,


    Danke schön, das war mir nicht bekannt.


    Über die Kritikalität sagt das natürlich alles immer noch nichts aus, denn auch wenn die Rindenmulch 8x höhere Cd-Werte hat als durchschnittlicher Boden, dann liegt das auch daran, dass Rinde einfach leichter ist. Und ein normaler Mitteleuropäer isst halt um ein Vielfaches mehr Kartoffeln und Getreide als Wildpilze.


    Hier findet man auch was über Pilze (unter "Gemüse"):


    https://www.ages.at/download/0…mittel_2007-2012_2013.pdf


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo abeja,


    ich kenne keine Literaturstelle, aber halte eine Kontamination von Rindenmulch mit Cadmium für sehr unwahrscheinlich.


    Pflanzen nehmen Cadmium kaum aus dem Boden auf, weniger als manche Pilze, und lagern es folglich auch nicht in der Rinde ein. Insofern bist Du m.E. mit dem Verzehr von holzbewohnenden Pilzen viel besser dran als mit bodenbewohnenden, wenn Du Angst vor Schwermetallen hast. Der Körper nimmt beim Verzehr von Pilzen das Cadmium aber auch kaum auf.


    Ich werde die Frage aber mal an Bettina Haberl vom FA Tox geben, die sich in letzter Zeit mit Schwermetallbelastung von Pilzen beschäftigt hat.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Benjamin,


    das mit der Nidda weiß das auch nur aus Erzählungen. Ich selbst fahre von Mainz aus zum Pilzesammeln nicht nach Frankfurt, sondern eher nach Westen (Nahetal, Hunsrück), aber da gibts keine Mocheln.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo Benjamin,


    ich halte es auch für eher unwahrscheinlich, dass Dich jemand zu seinen Fundstellen führt - während es bei anderen Pilzen auf großen Flächen geeignete Standorte gibt, ist das bei Morcheln eher kleinräumig.


    Entlang der Nidda muss es aber welche geben.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo an alle,


    letzte Woche habe ich bei einem Spaziergang in meinem "Hauswald", dem Lennebergwald bei Mainz, mit Schrecken eine stark von Pilzen geschädigte Buche gesehen, die frisch gefällt worden war. Der schwarze "Striemen" am Stamm sah aus, als hätte der Blitz eingeschlagen. Der schwarze Befall geht aber durch das ganze Holz.





    Ein paar Meter weiter noch mehr Fällungen:


    Und das, nachdem letztes Jahr in dem Wald schon die Kiefern den Borkenkäfern und die Bergahorne der Ruß-Rindenkrankheit zum Opfer gefallen waren.


    =O ;(


    Den Pilz kannte ich nicht, insofern musste ich einen Ast zur Bestimmung mitnehmen. Tatsächlich kommt man aber schon mit einer Google Suche nach Waldschäden und Buche auf einen Verdacht:


    M. NIESAR et al. (2014): Neue Komplexschäden an Buche führen zu erheblicher Bruchgefahr, AFZ DerWald 15/2015, 16-21

    https://www.wald-und-holz.nrw.…5_Pfennigkohlenkruste.pdf


    Die Pfennig-Kohlenkruste (Biscogniauxia nummularia) scheint bei Trockenheit vom harmlosen Endophyt zur tödlichen Gefahr zu werden.

    Die schwarzen Stromata brechen aus der Rinde. Darauf liegt ein Belag an schwarzen Sporen:



    Unter dem Mikro ist die Gattung durch stark amyloide Ascusspitzen und Sporen mit Keimspalte charakterisiert (bei der Spore in der Mitte vom Bild zu erahnen) :



    Der fortschreitende Klimawandel gefährdet also mittlerweile nicht nur die (standortfremden) Fichten, sondern sogar die Rotbuchenwälder, die in Deutschland ihr Verbreitungszentrum haben und daher unter besonderer Verantwortung stehen.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Andreas,

    ein Liliengewächs als blauer Frühblüher - da kommt m.E. nur Scilla in Betracht.


    Da muss ich auch mal auf den Brandpilz achten - wobei bei uns eine rein kornblumenblaue Unterart mit weniger Einzelblüten am Stängel vorkommt - keine Ahnung ob die genauso befallen wird.


    Schöner Fund - Danke für's Zeigen.


    Gruß,

    Wolfgang


    P.S.: Für "richtige" Pilze ist es hier schon wieder zu trocken...

    Hallo an alle,


    nein, eine Schaeffer-Reaktion braucht Chemikalien, die in Lebensmitteln nichts verloren haben (und sich auch nicht dort befinden).


    In der Vergrößerung sieht man auch mindestens einen deutlich aufsitzenden roten Tropfen, so dass ich nicht an Bakterienbefall glaube.


    Was immer sich an roten Substanzen im Kühlschrank befindet, ist natürlich leichter nachzugucken als zu spekulieren: Rote-Beete-Salat, Rote Grütze, Kirschkompott, ... wie Blut sieht es tatsächlich nicht aus.


    Im Zweifelsfall würde ich den Champignon trotzdem wegwerfen, und ein paar neue kaufen...


    Grüße,

    Wolfgang

    Hallo PiTho,


    die Farbe des Sporenpulvers deutet eher in Richtung Faserling (Psathyrella) als in Richtung Fälbling (Hebeloma).


    Ich würde den Pilz im Umfeld des Wässrigen Mürblings (Psathyrella piluliformis) suchen. Allerdings mache ich um die Gattung meist einen Bogen, weshalb ich zur genauen Art keine Hilfe bin. Ich vermute aber, dass man ohne Mikromerkmale nicht sicher zum Ziel kommt.


    Grüße,



    Wolfgang

    Hallo Dirk,


    ohne Zusatzbeleuchtung geht es meist nicht. Für Fotografen gibt es aber inzwischen erschwingliche LED-Videoleuchten mit einem CRI von 98, ich habe eine mit CRI 94, das ist schon deutlich farbneutraler als eine handelsübliche Taschenlampe.


    Hängt natürlich davon ab, wie wichtig Dir eine naturnahe Farbgebung Deiner Bilder ist.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Tuber,


    Eine Online-Kartierung ist im 21. Jahrhundert doch eine vollwertige Alternative. Vielleicht gibt's noch eine App dazu fürs Gelände, aber ein Programm, das von jedem Benutzer auf Windows installiert werden muss, entspräche nicht mehr den Rahmenbedingungen moderner IT.


    Mit Indicia, um das es hier geht, kartiert auch z.B. die British Mycological Society, oder die Deutsche Pflanzenkartierung NetPhyD.


    Grüße,


    Wolfgang

    Wenn die Genetiker feststellen, bei M. rhodosperma und M. mastoidea handelt es sich um die selbige Art - was dann? Bisher hat man nur immer einen Teil von der Doppelhelix sequenziert, um daraus gewissen Schlüsse zu ziehen.

    Hallo Tuber,


    rhodosperma und mastoidea sind mit der derzeit verwendeten molekularen Standard-Methode (ITS) gut zu trennen.


    Das heißt natürlich noch nichts, denn ein unterschiedlicher Sequenz-Ausschnitt ist nur ein weiteres (wenn auch starkes) Merkmal, um Artkonzepte aufzustellen. Zwischen diesen beiden kommen aber noch weitere, "klassische" Merkmale dazu, wie die SPP-Farbe, Stiel-Farbe und -ornamentation, etc.


    Interessant wird es ja eher innerhalb von mastoidea s.l. , wo es mit gracilenta, rickenii, konradii, affinis ... verschiedene Namen gibt, die sich (außer an der Tiefe der Färbung und der Art der Schuppung) nicht klar voneinander abgrenzen lassen. Da wäre ein genetisches Merkmal schon recht willkommen, um die unterschiedlichen Erscheinungsformen zu klassifizieren. Aber da hilft die ITS nicht weiter, und auch andere Sequenzbereiche nicht.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Dirk,


    ich kann den Beitrag von abeja nur in allen Punkten unterstützen. Pilzbestimmung funktioniert so leider nur in seltenen Fällen.


    Die kleinen violetten Punkte zwischen den Lamellen deuten auf eine künstlerische Farbverschiebung bei der Bearbeitung, ggf. zusammen mit einer nicht farbneutralen LED-Beleuchtung. Das macht die Bestimmung im Allgemeinen noch mehr zu einem Rätselspiel.


    Auf Deinem Bild hat sich übrigens eine zweite Pilzart versteckt: die kleinen schwarzen Kügelchen unter der Rinde gehören zu einem Pyrenomyceten (Kernpilz).


    Gruß,


    Wolfgang


    P.S.: wirklich schönes Bild übrigens - Danke dafür!

    Fällt uns wirklich keine zweckmäßigere deutsche Bezeichnung ein, um bspw. von ihr das ein oder andere (makroskopisches) Merkmal ableiten zu können? My 2 cents

    Hi Andreas,


    das ist ja die Crux in der Gruppe, dass alle Merkmale irgendwie ähnlich, überlappend, und verwirrend sind - eben so wie die Sequenzen.


    Und mit Deutschen Namen wie "Dunkel grobschollig aufreißender Zitzenschirmling" wäre ja auch niemandem gedient...


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Tuber,


    Pilze der Schweiz 4 (250) wird zwar als "konradii" bezeichnet, zeigt aber rhodosperma - das ist der älteste valide Name für den Pilz, der jahrzehntelang in Deutschland (Ost und West) als "konradii" und in den Niederlanden als "fuliginosa" bezeichnet wurde. Da muss man sich nur an den anderen Namen gewöhnen, die Art ist ansonsten gut definiert. "Kleiner Bruder des Parasols" trifft es, finde ich, nicht schlecht. Soo klein ist er aber nicht immer, ich kenne ihn auch fast in Parasol-Größe, aber zusammen mit der Ökologie im Laubwald, sowie den außen meist fehlenden Hutschuppen und feineren Stielschuppen aber gut bestimmbar.


    Pilze der Schweiz 4 (248) wird zwar als "excoriata" bezeichnet, zeigt aber eher mastoidea f. konradii, das wäre also konradii gemäß dem Typus von Orton, mit weißem Stiel.


    Grüße,



    Wolfgang

    Hallo Hans,


    leider gibt es wenig Hoffnung, dass sich im procera- und im mastoidea-Komplex demnächst die Fronten klären.


    Im Moment hat man ja noch nicht mal einen Sequenzbereich gefunden, in dem die "Arten" (wenn es denn welche sind) auflösen.

    Deswegen plädiere ich ja für "agg".


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,

    das ist im "Feld" alles nicht sooo einfach nachzuvollziehen

    nicht mehr im Feld sondern am Mikro oder am Sequenzierer wird's ja aktuell keinen Deut besser, insofern müsste man m.E. procera und mastoidea meist auf Aggregats-Ebene kartieren.


    Bei rhodosperma finde ich die feinschuppige Stielnatterung eigentlich ein recht konstantes Merkmal. Die Ökologie (rhodosperma ist bei mir ein Pilz der sauren Buchenwälder) ist leider nicht so eindeutig, denn procera und mastoidea können da auch vorkommen (umgekehrt habe ich aber noch keine rhodosperma auf der Wiese gesehen).


    Derzeit gibt's auch noch das Problem, dass der Deutsche Name "Sternschuppiger R." sowohl für M. rhodosperma, als auch für mastoidea f. konradii benutzt wird.


    Weil die Gattung doch hohe Aufmerksamkeit hat, wären ein-eindeutige deutsche Bezeichnungen hilfreich, um die Verwirrung aufzulösen. Und "Rosasporiger R." für rhodosperma ist auch wieder nur verwirrend, weil die Sporen mal stärker, mal schwächer creme-rosa sind - wie bei procera auch.


    Wahrscheinlich dreht man den Spieß besser um und verwendet den (gut eingeführten) Namen "Sternschuppiger R." für rhodosperma, und nennt mastoidea f. konradii dann "Konrads Zitzenschirmling". Was denkt Ihr?


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    wenn man sich in der Gattung auf die 4 (Sammel)arten beschränkt, die sich auch per ITS unterscheiden lassen, finde ich das Artkonzept eigentlich recht klar:


    - procera

    - excoriata

    - rhodosperma (früher oft fälschlich konradii genannt)

    - mastoidea


    Wenn man tiefer 'reingehen will, wird's sowohl im procera- wie im mastoidea-Komplex schnell unübersichtlich. Insofern finde ich die Vorgehensweise von Vellinga nachvollziehbar, darunter bis auf weiteres über "Formen" zu sprechen.


    Unten nochmal ein typischer rhodosperma (der sich übrigens nicht notwendig anhand der Sporenpulverfarbe von anderen Arten unterscheidet, sondern halt nur unter diesem Namen beschrieben worden).



    Zum Taxon "konradii" schreibt Frank allerdings etwas, was sich nicht mit meinem Wissensstand deckt:

    Macrolepiota konradii (Huijsman ex P.D. Orton) M.M. Moser 1967 ist eine Form von M. procera mit glattem Stiel, anliegenden Schuppen und weißem Sporenpulver (= M. procera var. konradii (Huijsman ex P.D. Orton) Gminder 2003)

    Nach meiner Kenntnis wurde der Typus von konradii genetisch in den mastoidea-Komplex eingeordnet. Dazu passt auch der glatte Stiel und das weiße SPP.


    Hier wurde aktuell ein konradii s.str. gezeigt und diskutiert:


    https://www.pilzforum.eu/board…das-f%C3%BCr-schirmlinge/


    Grüße,


    Wolfgang