Posts by Wolfgang Prüfert

    Ich hab ein paar Meter von diesem Stamm einen Pflaumenbaum stehen, besteht in irgendeiner Weise Gefahr das der Pilz übergreifen kann?

    Hallo Gigs Jagdu,


    ein Zersetzer von totem Holz ist nicht unbedingt ein Parasit. Er macht einfach nur seine Arbeit im biologischen Kreislauf.


    Bei anderen Pilzen wie dem Hallimasch wäre Deine Pflaume akut gefährdet, in diesem Fall wohl eher nicht.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hi abeja,


    Quote

    Soweit ich weiß, haben Boviste (s.str.) nicht solche Stacheln (wie oben gezeigt) - oder gibt es da Ausnahmen ?

    Ganz so stachelig ist schon "ungewöhnlich" für Bovista, aber guck z.B. mal bei Bovista limosa:


    https://www.verspreidingsatlas.nl/0202030

    (2. Bild vergrößern)


    http://www.pilze-deutschland.d…vista-limosa-rostr-1894-1



    oder bei Bovista californica:


    http://bib.ge/soko/open.php?id=413



    Umgekehrt bin ich recht unglücklich damit, dass Jeppson einen Pilz, der mikroskopisch eindeutig wie ein Bovist aussieht, nach Lycoperdon kombiniert hat. Da finde ich die "alte" Ausgliederung in eine eigene Gattung Bovistella in diesem Fall logischer, auch wenn mich ansonsten der aktuelle Trend zu Mini-Gattungen mit nur einer Art in Europa eher nervt.


    Die Gattungen Bovista und Lycoperdon sind im übrigen nicht immer leicht zu trennen, gerade bei den Arten mit fein rauher Oberfläche, fein warzigen Sporen und einer kleinen Subgleba. Diese Merkmalskombination kommt in beiden Gattungen vor.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    mir hat der Pilz keine Ruhe gelassen, und ich muss meine Diagnose von gestern ergänzen bzw. korrigieren.


    Während die meisten Kapillitium-Fasern fast keine Poren aufweisen, gibt es dazwischen einzelne Bereiche, die durchlöchert sind wie ein Sieb. Im Bild ist die zentrale, waagrecht liegende Faser zu sehen. Die Poren sind dort nicht nur rund, sondern es sind auch längliche Poren dabei.



    Das ändert aus Bestimmungs-Sicht alles, denn damit landet man in der Gattung Bovistella, und dort bei der Art


    Bovistella radicata


    (Syn. Lycoperdon radicatum)


    Dazu würde mikroskopisch alles passen, und ich müsste jetzt die Eigentümer des Belegs bitten, noch ein Foto vom Wurzelansatz nachzureichen. Denn der Pilz heißt auf Deutsch "Pfahlwurzel-Stäubling".


    Dann wäre es doch kein Erstfund für RLP. Und es bestätigt sich mal wieder, dass man einen Pilz schwer im Internet bestimmen kann, sondern von allen Seiten gesehen haben muss.


    Grüße,


    Wolfgang


    P.S.: auch von der Art hatte ich noch nie gehört - Danke für's Zeigen.

    hier noch die Bilder, die Sporen im Phasenkontrast, da kontrastiert das Pedicell so schön dunkel.

    Die Pedicellen haben 6-12 my.


    Sieht m. E. so aus als sollte man den Fund sequenzieren.

    Behaltet doch bitte den Fundort im Auge, und nehmt ggf. noch eine Probe, die "in Ruhe" alt werden durfte (die ganz jungen habt Ihr ja hoffentlich noch?). Was Ihr mir geschickt habt, war noch fast zu unreif. Würde mich nicht wundern, wenn aus dem "Erstfund für Rhld.-Pf." ein Erstfund für Europa würde.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    ich hab' den Pilz gerade in Bearbeitung - er hat ein Capillitium vom Bovista-Typ (stark verzweigt, elastisch) mit recht wenigen runden Poren.


    Die Sporen sehen bapypopo-glatt aus, ich erkenne auch in Öl kein Ornament. Und zumeist mit langen bis sehr langen Pedicellen (=anhängenden Sterigmen).


    Ich mach später noch ein paar Bilder...


    Im Jepsen (2018): Puffballs of Northern and Central Europe habe ich auf die Schnelle keine dazu passende Art gefunden.

    Auch nicht in Sarasini (2005): Gasteromiceti Epigei.


    Mit diesen Mikromerkmalen gibt's in Europa:

    Bovista nigrescens, paludosa, plumbea und tomentosa.


    Jetzt wäre es doch wichtig, ob der Fruchtkörper im Querschnitt einen kleinen sterilen "Fuß" aus styropor-artigem Gewebe, also eine "Subgleba" hat. Wenn ja, läuft es vielleicht auf B. paludosa 'raus? Der wäre aber nicht so gestachelt. Ich bin ratlos.



    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo Stefan,


    Euer Bauchpilz sieht wirklich interessant aus!


    L. marginatum kenne ich nicht aus eigener Anschauung, kann also auch nur mit Büchern vergleichen.

    Makroskopisch scheint es ganz gut zu passen.


    Mikroskopisch fällt mir erstmal auf, dass marginatum mit abgebrochenen Pedicellen beschrieben wird, während Euer Mikrofoto Sporen mit langen, angehängten Pedicellen zeigt, wie bei L. pedicellatum.


    L. marginatum wird als Art der sauren Calluna-Heiden bezeichnet, während Ihr einen Laubwald als Habitat angebt.


    Zu Capillitium und Subgleba macht Ihr keine Angaben, so dass hier zwei wichtige Merkmale für eine Bestimmung fehlen.


    Jetzt würde ich gerne sagen, das ist doch ein ....

    Leider fällt mir aber zu der gezeigten Kombination an Merkmalen

    - Sporen lang pedicellat, glatt?

    - pyramidal zusammenstehende, große, abblätternde Warzen

    gar nix passendes ein.


    Ich kann anbieten, dass ich einen Blick auf Capillitium und Sporen-Ornament werfe, wenn Ihr mir ein wenig Innenleben in Alufolie eingeschlagen schickt. Eine Garantie, dass der Pilz einen Namen bekommt, ist das aber nicht. Insbesondere habe ich keine Literatur zu den amerikanischen Arten, die in Gegenden mit vielen US-Soldaten wie Koblenz ggf. mit in Betracht gezogen werden müssten.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Rigo,


    ich würde von den Bildern vernum ausschließen, möchte aber auch sericeum nicht bestätigen. Zu der Jahreszeit kenne ich sericeum nicht, und es gibt eine Vielzahl an braunen Rötlingen auf Wiesen. Die "Ecke rund um sericeum" passt aber vermutlich schon.


    Leider geben die Bilder der Huthaut nichts zur Pigmentierung her. Dazu müsstest Du die Huthaut in Wasser mikroskopieren und die Blende am Kondensor weiter aufmachen. Dann wird das Bild zwar matter und man sieht die Zellwände nicht so deutlich, dafür aber das Pigment... Huthaut-Pigmentierung gehört m.E. zu den schwierigsten Mikroskopier-Aufgaben für Mykologen.


    Vielleicht guckt noch Kai Reschke ins Forum 'rein, der kennt sich in der Gruppe besser aus als ich.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hallo an alle,


    sicherlich war die Organisation von Pilzberatung und Vergiftungsmeldung in der DDR weitaus besser organisiert als heute.


    Nichtsdestoweniger geht das Bundesamt für Risikobewertung in Berlin auch heute davon aus, dass es sich bei Pilzgiften um gefährliche Stoffe im Sinne des Chemikaliengesetzes handelt, und leitet daraus eine Meldepflicht nach §16e ChemG ab. Sie bekommen auch einzelne Meldungen. Zumindest war das mein Fazit vor ein paar Jahren, als ich mit einer Mitarbeiterin sprechen konnte.


    Den meisten Ärzten ist die Meldepflicht aber vermutlich gar nicht bewusst.


    Grüße,


    Wolfgang

    Hallo Klaas,

    Danke für das schöne Portrait.


    mit den Schnallen an den Basidien bei Entoloma habe ich irgendwie ein deja-vu??

    Die eine Basidiole, die Du zeigst, sieht schon "schnallig" aus, lässt aber eine eindeutige Bewertung nicht zu.

    Kannst Du bitte nochmal ein Präparat sehr gründlich zerzupfen, und ganz junge, freiliegende Basidiolen ablichten?


    Ich tippe auch auf placidum.


    Grüße,

    Wolfgang

    Hallo abeja,


    Schwermetallbelastung in Pilzen hat der FA Tox für die nächsten Treffen auf der Tagesordnung. Leider gibt es nur sehr lückenhafte und widersprüchliche wissenschaftliche Fakten. Ich hoffe, dass am Ende ein Statement herauskommt wie bei den Heilpilzen, aber das wird noch lange dauern. Mit den Heilpilzen hat der FA 2-3 Jahre 'rumgemacht.


    Gruß,

    Wolfgang

    Hallo Mia,


    Deine Pilze (zumindest die größeren) zeigen auf dem Foto die typischen Merkmale von Perlpilzen:

    - rötendes Fleisch

    - zwiebelförmige Knolle

    - geriefter Ring


    Bitte beachte: Bestimmungstipps in einem Forum sind keine Essensfreigabe. Die gibt es nur beim PSV vor Ort, der auch z.B. anhand von Geruch und Festigkeit den Zustand der Pilze beurteilen kann.


    Grüße,

    Wolfgang

    Hi Stefan,


    so leuchtend gelbrote Farben gibt es bei den Lacktrichterlingen m.E. nicht.


    Einige Saftlinge bevorzugen auch feuchte Standorte, z.B. helobia und turunda wären auch typische Arten der Moore. coccinea ist ökologisch breit aufgestellt.


    Grüße,

    Wolfgang

    Hallo an alle,


    ich habe diesen Effekt auch schon bei unserer letzten Exkursion gesehen.


    Die seltsamen Gebilde bei mir waren abgefressene Büschel von Psathyrella piluliformis ("Weißstieliges Stockschwämmchen").

    In der Nähe waren noch intakte Büschel, sonst wäre ich nicht so schnell drauf gekommen.


    Bei Spinnich sehen die Stiele etwas zu gelb für diese Art aus, aber ich kann mir vorstellen, dass der Effekt bei allen stark längsfaserigen und hohlen Stielen auftreten kann.


    Beim Abfressen werden die verbleibenden Stiele anscheinend mehrfach längs eingerissen, und der Rest ist Physik ...


    Gruß,


    Wolfgang

    Möchte nur ausschließen, dass es ein weißer Knollenblätterpilz ist bzw. was es da noch so ähnliches gibt.

    Hallo Marilena,


    ein Knollenblätterpilz ist das nicht, aber ES GIBT GIFTIGE CHAMPIGNONS!!


    Als Anfängerin solltest Du besser um alle weißen Lamellenpilze einen Bogen machen, und Dich beim Sammeln auf leicht erkennbare Arten konzentrieren. Champignons gehören NICHT dazu.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Abeja,

    der Standort des Fruchtkörpers ist sicherlich variabel.


    Aber von Lycoperdon perlatum ist die Bildung von Ektomycorrhiza nachgewiesen (wobei die meisten Arten trotzdem immer noch als Saprobionten bezeichnet werden, auch wenn das in typischen Lycoperdon-Biotopen eine recht armselige Ernährungsweise wäre).


    Apioperdon ist aber wohl wirklich saprobionisch auf Holz.


    Die Ernährungsweise ist für den Bestimmer aber natürlich normalerweise nicht nachvollziehbar.


    Gruß,


    Wolfgang

    Hi Abeja,


    von den "echten" Stäublingen unterscheidet sich der Birnen- schon durch das Wachstum auf Holz.


    Nach Lit. ist bei dem auch bei reifen Fruchtkörpern die Subgleba hell, im Gegensatz zu den Lycoperdi. Darauf hab' ich noch nie geachtet, bisher hab' ich Birnenstäublinge auch so erkannt.


    Der Grund für die eigene Gattung ist aber natürlich molekular...


    Gruß,

    Wolfgang