Trockenheit in D. - Trockenzeit in T. (Microporus spec./ --> M. vernicipes gut möglich / Annulohypoxylon spec.? --> sieht so aus)

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  • Hallo Pilzfreunde,

    nach längerer Pause gibt es mal wieder ein Thema von mir.

    Im späten "Nichtwinter" war ich zum ersten Mal in Thailand (Provinz Krabi, in einer ruhigen Ecke zwischen Krabi-Stadt und Ao Nang) und wir sind erst seit Anfang April wieder in Deutschland mit dem zur Zeit üblichen reisetechnischen Kokolores, wobei wir aber noch sehr viel Glück gehabt haben im Vergleich zu vielen anderen, die unterwegs waren.


    Letztes Wochenende war ich zum ersten Mal im heimischen Wald - bei strahlendem Sonnenschein. Ich bin ein großer Fan vom deutschen Frühling, aber die Trockenheit hier hat fast schon die Wildkräuter schlapp gemacht und die einzigen ansehnlichen Pilze waren alte, aber sehr bunt leuchtende Schmetterlingstrameten.


    Im Baumkundeforum wurde letztens eine Seite verlinkt zur Bodenfeuchte, die ich noch nicht kannte.

    Die Angaben zur unterschiedlichen Tiefe der Feuchtigkeit finde ich sehr interessant:

    https://www.ufz.de/index.php?de=37937


    In dieser Region von Südthailand ist zu dieser Jahreszeit Trockenzeit, da sollte Trockenheit normal sein - mir war aber nicht bewusst in welchem Maß.

    Man sagte mir, es sei in diesem Jahr extrem, seit Monaten habe es keinen nennenswerten Regen gegeben. Wir erlebten ein Gewitter - und ich muss sagen: ich liebe wechselhaftes Wetter.

    Das Land wirkt nicht so tropisch grün wie ich es aus anderen Gegenden mit weniger ausgeprägten Regen- und Trockenzeiten kenne, vor allem das Gras ist braun und viele Pflanzen im Unterholz auch. Man sieht viele dürre Äste und "Herbstlaub". Den vielen Plantagen mit Ölpalmen (Elaeis guineensis) und Kautschukbäumen (Hevea brasiliensis) macht die Trockenheit wohl nicht viel aus, aber "ansehnliche" Gärten und Anlagen in Resorts müssen ständig bewässert werden.


    Pilze erwartet man da nicht, trotzdem habe ich ein bisschen was gefunden, was ich hier zusammen mit ein paar allgemeinen Eindrücken zeigen möchte.


    01-02

    Unverbautes offene Land - auf Totholz fand ich mehrfach diese weißen, sehr zerfallenden, zerfressenen Porlinge. Näheres konnte man nicht mehr feststellen, außer dass sie extrem leicht waren und relativ feinporig (Porengröße vergleichbar mit Trametes hirsuta und auch sehr regelmäßig angeordnet). Mir kam gerade die Idee, dass es sich um alte Laetiporus sulphureus handeln könnte (die Art gibt es auch in Thailand), weil diese sehr weiß werden und diese Konsistenz annehmen können.




    03 - 04 - 05 - 06

    Eine kleine Straße führt zu einem neu angelegten Yachthafen an lockerer dorfartiger Besiedlung vorbei (extreme Unterschiede: winzigste, ärmlichste Häuser bis hin zu moderneren Neubauten, alles nahe beisammen. Auch zwei Hotels gibt es da, eines mit vielen Sternen)

    Ein großes, scheinbar naturbelassenes, doch künstlich offen gehaltenes Gelände gehört zu dem privaten Hafengebiet, es ist aber öffentlich zugänglich. Dort gibt es leicht brackige Teiche und ein Mangrovengebiet. Man kann Vögel beobachten und Bindenwarane antreffen - auch Schlangen soll es geben ...

    Auch diese "Affenbande" ist da zu Hause in einem Wäldchen - am späten Nachmittag waren sie immer auf der Suche nach Essbarem. Aber Früchte außer ein paar Tamarinden gab es da nicht. Wenn dieser hier - still, heimlich und versteckt von den anderen - eine Mango genießt, dann hat er diese mit Sicherheit irgendwo stibitzt.

    .


    Der Teich soll normalerweise viel mehr Wasser haben und die Bäume (ich vermute auch Tamarindus indicus, habe aber nicht genau nachgeschaut) sollen gerade erst (jahreszeitentypisch) neu ausgetrieben haben.




    07- 08 - 09 -10 : cf. Microporus/Trametes spec.?

    An einem Baumstumpf sah ich dann mehrere dieser "tütenförmigen" Pilze (ca. 5-6 cm Durchmesser hatte die obere Rundung), mit extrem feinen Poren, die mit bloßem Auge kaum erkennbar waren. Ich dachte sofort an die Gattung Microporus, aber der Bildvergleich hinkt ein bisschen. Die häufig gezeigten Arten sind deutlich bunter (wenn frisch) und gestielter und sitzen an dünneren Ästen. Hier diese Pilze sind nur an der Ansatzstelle zusammengezogen.

    Von allen "Bildvergleichs-Zufallsfunden" gefällt mir als Idee Microporus vernicipes am besten, gültiger Name ist wohl Trametes vernicipes.


    https://www.mycodb.fr/fiche.ph…rametes&espece=vernicipes Die Beschreibung hier klingt nicht unpassend.

    https://fungimap.biodiv.tw/pages/1311


    Hat jemand Erfahrung mit diesen oder ähnlichen tropischen Pilzen? Das angenagte Exemplar habe ich allerdings nicht mitgenommen.





    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • 11 - 12 - 13 - 14

    Kleiner Bach im Dschungelgebiet (küstennah) fast ohne Wasser

    Typische Karstberge ( http://core.ecu.edu/geology/harper/Gsa-ab99.htm )

    Eine Besonderheit: klares schönes Süßwasser und alles ist grün. In einem davon gespeisten Teich hätte man zusammen mit einheimischen Kindern und Jugendlichen schwimmen können.






    15 - 16

    ... und Pilze?

    ... wachsen in Form von Jochpilzen, Mucor spec. auf einer zu lange, zu feucht gelagerten zum Öffnen vorbereiteten "Trink-Kokosnuss"


    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • 17 - 24

    Flechten sind natürlich auch Pilze, allerdings sind diese tropischen Flechten (hier an Bäumen in Meeresnähe) für mich leider überhaupt nicht ansatzweise bestimmbar, aber ich finde sie trotzdem schön.



          


       


    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • 25 - 30

    Ebenfalls in Meeresnähe an einem abgestorbenen, abgebrochenen (nicht identifizierbaren) Laubbaum auf der Rinde und auch auf schon entrindeten Flächen wuchsen viele dieser Pyrenomyceten, flächig, mehrere Zentimeter groß.

    Per Bildvergleich bin ich auf tropische Annulohypoxylon-Arten gestoßen, die solche dicht gedrängen Perithecien haben, mit einer Art "Scheibe" um die Öffnung herum. Ich habe ein Dokument gefunden, was sich mit Annulohypoxylon-Arten beschäftigt, allerdings sind das Arten aus Nord-Thailand.

    https://www.researchgate.net/f…angmaiense_fig2_303376800


    Thailand scheint ein Hotspot zu sein, es gibt einige neu beschriebene Arten. Man vermutet, dass diese substratspezifisch sind.

    Diese Arten sehen oberflächlich betrachtet zwar recht ähnlich aus, aber die Größenverhältnisse stimmen nicht gut. Außerdem soll typischerweise mit KOH farbiges Pigment auswaschbar sein. Hier konnte ich nichts oder nur minimal etwas grau-bräunliches Pigment sehen. Im PDF auch eine Art dabei, die keine Farbpigmente abgibt bzw. eine Art mit grau-sepia Pigmenten, diese sehen makroskopisch anders aus.

    Mir reicht natürlich cf. Annulohypoxylon als Bestimmung. ;)

    Wenn aber jemand diese Pilzarten spannend finden sollte ... ich habe Proben von dem Pilz.



       


       





    31 - 32

    Zum Abschluss noch zwei Bilder zur Entspannung. :):saint:




    In einem weiteren Thema möchte ich demnächst noch etwas über Zuchtpilze aus dem Supermarkt (super ordentlich im Kühlregal) berichten. Wir hatten eine Küche und ich konnte deshalb im Selbstversuch einige Arten ausprobieren, die ich noch nicht kannte und die teilweise auch in Deutschland vermarktet werden.


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • Hallo abeja,


    der trichterförmige Porling aus deinem ersten Beitrag könnte durchaus Microporus vernicipes sein. Der ähnliche M. affinis hat dickere Fruchtkörper und einen deutlichen, kurzen, seitlichen Stiel. Der sehr häufige M. xanthopus ist zentral gestielt und hat sehr dünne, farbenfreudige Hüte.


    Beste Grüße

    Frank

  • Hallo,

    danke für die Rückmeldungen :)


    @ Frank:

    da freue ich mich, einen geeigneten Kandidaten (trotz des unschönen Zustandes) gefunden zu haben.


    @ Andreas:

    von den "schwarzen Pilzen" habe ich natürlich weniger als wenig Ahnung, mir erschien diese Gattung nur am ähnlichsten, vor allem wegen dieser optisch sehr markanten "ostiolar discs". Haben das denn andere Gattungen auch?

    Roselliana musste ich erst mal suchmaschinieren. Google scheitert drastisch, wenn man den Namen mit 2 s schreibt. "Meinten Sie Rossellini?" und wirft immer nur Rossellini aus.^^

    In Verbindung mit Pyrenomycetes bin ich dann doch hier gelandet (und es gibt ja auch Beispiele in FoTE, natürlich die europäischen Arten)

    http://pyrenomycetes.free.fr/r…a/keydir/introduction.htm

    Ich habe versucht, erst einmal ein paar makroskopische Merkmale zu sehen. Übereinstimmend mit meinem Fund ist z.B., dass die Perithecien auf einem Subiculum aufsitzen, und dass die Perithecien einzeln zu sein scheinen. Die anderen Merkmale sind für mich schwierig zu beurteilen, aber diese flache Scheibe sehe ich nirgends.


    Hier noch einmal zum Vergleich thailändischen Annulohypoxylon und ähnliche Arten:

    https://www.researchgate.net/f…s-found-in_fig2_235416872

    https://www.semanticscholar.or…33fa85da8c0f5fc5/figure/0

    ABER: sucht man den Begriff "Subiculum" zusammen mit Annulohypoxylon, dann kommt nichts. Man findet den Begriff auch nicht in dem PDF, also das spricht dann deutlich gegen Annulohypoxylon ... X/;)


    @ Harry: vielen Dank für das Interesse ... es dauert aber noch ein bisschen.


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


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  • abeja

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  • Liebe Alle


    Das ist schon ein Annulohypoxylon auf den Bildern! Rosellinia hat diese Ostiolen-Ringe nicht. Die Fruchtkörper sind auch nicht uniperitheciat (sie hängen ja schon zusammen), obwohl man meinen könnte, dass sie auf einem Subiculum wachsen. Es gibt aber die Arten um den A. bovei Komplex, zu denen dieses Material wahrscheinlich gehört. Das sind Arten, wo die Stromata oft nicht so stark zusammen wachsen und keine Kissen bilden.

    In Thailand ist A. areolatum (bis vor kurzem unter A. oder Hypoxylon bovei var. microsporum geführt) sehr häufig, aber es könnte auch A. viridistratum oder sogar ne neue Art sein.


    Bei diesen Pilzen kommt man bei der Artbestimmung ohne Mikroskop aber absolut nicht weiter, und es hat sich rausgesellt, dass man um die Arten sicher abzugrenzen, oft molekularphlogenetische Untersuchungen machen muss.

    Da die ITS wie bei fast allen Sordariomyceten dafür nichts taugt, müsste man das Material kultivieren und Beta Tubulin und RBP2 Sequenzen machen. Wir arbeiten momentan in Deutschland nicht an der Gattung (Hypoxlyon reicht mir und meinen Studenten gerade) und am besten wäre es, das Zeug zu meinem Doktoranden Milan nach Thailand zu senden, den ich mit Kevin Hyde zuammen betreue...


    Viele Grüße

    Marc

  • Hallo Marc,

    vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Dann ist diese Ringstruktur doch ein wesentliches Merkmal. Verwirrend ist es für mich, dass das, was wie ein Subiculum aussieht, gar keines ist. Es wirkt ja an manchen Stellen so (am Rand und da wo die Perithecien nicht dicht an dicht sitzen), als würde es da eine farblich andere "Unterlage" geben.


    Ich könnte schon den thailändischen PIlz wieder nach Thailand senden :), dann bräuchte ich Kontaktinfomationen. Zur Zeit (Corona-Krise) geht das aber wohl nicht, die Post liefert nichts nach Thailand (https://www.deutschepost.de/de/c/coronavirus.html - Internationaler Versand, bei Thailand steht die Ampel auf Rot.)

    Aber der Pilz läuft ja nicht weg.


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja


    Ha !!! Du winzig kleiner Wicht ! Ich erspähte dich !!!


  • abeja

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