Heudüngerling aktueller Stand?

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  • Hallo zusammen,

    es geht wieder los mit Kleinkindern und Rasenpilzen.

    Zum Glück ist wenigstens der Heudüngerling mikroskopisch gut festzumachen.

    Ich habe irgendwo verschommen im Hinterkopf, dass es da noch keine Vergiftungen gegeben hat.

    Unser Toxikologe hat in den DGfM-Mitteilungen 2012/1 Seite 23 Stellung zum Psilocybingehalt genomen und auch Hinweise zu Giftigkeit gegeben.

    Gab es da nicht seither was aktuelleres? Mit der Suchfunktion habe ich nichts gefunden.

    Schon lange nicht mehr mikroskopiert und mit dem Fotografieren klappt es auch noch nicht so gut.

    Aber damit der Beitrag nicht ganz so farblos ist doch ein Foto (sind nach dem Foto die Sporen eindeutig genug?)


    beste Grüße

    Alis



  • Hallo,

    nach meinem Wissensstand enthält der Heu-Düngerling vor allem nennenswerte Mengen der chemisch zu Psilocybin ähnlichen Verbindungen Serotonin und Tryptamin. Eine Kasuistik beschreibt Müdigkeit und Bauchschmerzen als Symptome.


    Dies wurde vergangenes Jahr im Kurs von Hr. Krieglsteiner mit Quellangabe S.Berndt Z.Mykol. 83(2), 2017 zur Giftigkeit dieser Art angeführt.


    Ein Bild der warzigen Sporen (wenn auch kein gutes) hätte ich zum Vergleich :):




    Viele Grüße,

    Thiemo

  • Heu-Düngerlinge im Zusammenhang mit Kleinkindern ist ja sozusagen der Klassiker.

    Die Fälle, die mir untergekommen sind, waren bislang alle folgenlos. Da mag u.U. auch daran liegen, dass die "Probanten" keine nennenswerten Pilzmengen aufnehmen. In der Regel schmeckt ja sowas einem Kind auch nicht und ob die Pilzfragmente überhaupt den Magen-Darm-Trakt erreichen, dürfte in den meisten Fällen auszuschließen sein.


    Beste Grüße

    Harald

    Landeskoordinator Pilzkartierung Hessen

  • Wie von ALIS erwähnt, hatte ich 2012 ausgeführt, dass der Rohverzehr einer größeren Menge von Heuschnittdüngerlingen (Panaeolina foenisecii) gastrointestinale Beschwerden verursachen kann, aber kein Psilocybin oder andere psychotrope Substanzen enthält (Berndt, 2012).

    2017 hat ein Arbeitskreis der Gesellschaft für Klinische Toxikologie (GfKT) in einer prospektiven Gemeinschaftsstudie berichtet, dass die Aufnahme von P. foenisecii bei Kindern zu keinen klinisch relevanten Symptomen oder Halluzinationen führt (Schenck-Jaeger et al. 2017).


    Eine interessante leichte Vergiftung hat mir 2015 Jürgen Eder, PSV in Donaustauf, geschildert: Ein kleiner Junge hatte mehrere Stunden unbeaufsichtigt die Gartenwiese von Heuschnittdüngerlingen "abgeräumt", verzehrt und nur noch wenige stehen gelassen. Am Nachmittag klagte er über Bauchweh, machte einen sehr müden Eindruck und wollte schlafen. Nach Angaben seiner Mutter sei dieser Wunsch zu dieser Tageszeit des sehr lebhaften Jungen sehr ungewöhnlich gewesen.

    Diese Schläfrigkeit kann als Folge des hohen Gehaltes von Trypptaminderivaten, insbes. an 5-OH-Tryptophan erklärt werden (Berndt, 2016).

    Sehr viel schwieriger erwies sich die Erklärung der Vergiftung eines 3 1/2 jährigen Mädchens, die mir von Holger Förster, PSV in Uslar, berichtet hat : Das Kind entwickelte ca. 2 Std. nach Verzehr der eindeutig als P.foenisecii identifizierten Pilze Bluthochdruck bis 160/100 mmHg und massiv beschleunigten Herzschlag begleitet von ausgeprägter Unruhe und Agitiertheit und mußte 4 Tage auf einer Kinderintensivstation behandelt werden. Die betreuenden Ärzte fanden für die Symptomatik keine andere Ursache als den Pilzverzehr.

    Iich habe diskutiert, dass bei dem Mädchen ein sehr seltener genetischer Defekt einer Serotonin-Abbaustörung vorliegen könnte, der zu einem Serotonin-Syndrom mit überwiegend vegetativer Symptomatik geführt hat (Berndt, 2015).


    Literatur:

    K.M. Schenck- Jaeger et al. (2017): No clinically relevant effects in children after accidental ingestion of Panaeolina foenisecii (Lawn mower`s muushroom). Clinical Toxicology 55/3, 217 - 220.

    S. Berndt , 2012, 2015, 2016: Die Vergiftungsberichte und Stellungnahmen finden sich in den DGfM - Mitteilungen der Z.Mykol. dieser Jahrgänge.


    Mit freundlichem Gruß

    Prof.Dr.med Siegmar Berndt, DGfM - Toxikologe