Diverse Cortinarien ... 1. cf. argenteolilacinus - 2. Sekt. Hinnulei - 3./4. Mikromerkm. nötig - 5. cliduchus

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  • Hallo allerseits,

    Ende September und dann noch mal Ende Oktober habe ich ein paar Cortinarien gefunden, die - hoffentlich - genug bestimmungsrelevante Details zeigen.

    Alle stammen vom Hochrhein, ca. 450 m Höhe, aus dem Wald zwischen Lörrach und Rheinfelden (Dinkelberg),


    Nr. 1

    bei Buchen auf Kalk, bei feuchtem Wetter. Hier vermute ich Cortinarius amoenolens, den Buchen-Klumpfuß.

    Einen früheren Fund in meinem fußläufigen Wald hatte ich auch schon mal so genannt, farblich sehr ähnlich, auf dem Hut frisch jedoch nicht ganz so gelb, auch etwas "klumpfüßger", hier ist die Basis kaum angeschwollen.

    Hut frisch schleimig und gelblich-braun (nach 1 Tag trübere Farben) Stiel trocken, etwas violett,

    Lamellen zart violett, mit KOH keine besonderen Auffälligkeiten.

    Der "geforderte" (?) fruchtige Geruch ist mir auch nicht aufgefallen, dafür war die Huthaut eindeutig bitter, aber nicht sehr stark bitter.







    Ein Tag später



    Weiter geht es im folgenden Beitrag.

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




  • Nr. 2 (persönlicher Erstfund)

    bei Buchen auf Kalk (nicht weit von Nr. 1 und 3, gleicher Tag, feuchtes Wetter)

    Etwas Rotes! Ich komme hier auf Cortinarius cinnabarinus, den Zinnoberroten Gürtelfuß.

    Den Hut habe ich am Folgetag noch mal fotografiert, hygrophan ist er ja wohl. Ich habe es aber nicht geschafft, Farbstoffe zu extrahieren. Wie viel Prozent muss der Alkohol haben? Ich hatte nur 60-proz. greifbar.





    Ein Tag später





    Nr. 3 (persönlicher Erstfund)

    bei Buchen auf Kalk (gleich nebenan von Nr. 1, gleicher Tag, feuchtes Wetter), ein deutlich kleinerer Pilz, Hut und Stiel schleimig, Hut sehr hell ockergelb, Lamellen blass hellbraun (nicht violett gewesen), Stiel etwas verdickt.

    Bitter ... ziemlich bitter ... aber weniger bitter als C. barbatus, den ich in früher 2x dort in der Gegend und 1 x im Wald bei mir vor Ort gefunden hatte.

    Sektion Vibratilis erscheint mir klar, aber C. vibratilis ist es wohl nicht? Der passt m.M. vom Bild her nicht und kommt im Nadelwald vor. Ist es eventuell Cortinarius emollitus? Die Bilder sehen jedenfalls für mich so aus.



    Ein Tag später



    Nr. 4 und Nr. 5 sind sehr ähnlich (und auch persönliche Erstfunde)

    Nr. 4 bei Fichten und Tannen auf Kalk, oberflächlich vermutlich versauert,

    Hut sehr blass gelblich, schleimig, Stiel trocken, Lamellen blass hellbraun (nicht violett gewesen), Velumreste beim kleinsten Pilz (links) am Hut weißlich (?), bräunliche Spuren am Stiel,

    Geruch und Geschmack sowie KOH unauffällig.


    Nr. 5

    bei Buchen auf Kalk (nur ein Pilz), Hut etwas kräftiger gefärbt, Lamellen blass, hellbraun (nicht violett gewesen), Velumreste am Hut fraglich, auffallend hellgelbe Spuren an der Stielbasis, Stiel trocken, etwas angeschwollener als bei Nr. 4,

    Geruch und Geschmack sowie KOH unauffällig.



    Hier verirre ich mich ziemlich in den Schlüsseln ... :/  ^^

    Aber wenn ich die Velumreste am Stiel als deutlich gelblich bewerte, dann komme ich für den Nadelwaldbewohner - vielleicht - auf Cortinarius ochraceobrunneus und für den Laubwaldbewohner auf Cortinarius cliduchus ...


    Ich bitte um eine Einschätzung, ob ich jeweils zumindest in der richtigen Richtung unterwegs bin ...


    Viele Grüße

    abeja

    ... P I L Z E ... können unterirdisch, "unterirdisch", oberirdisch oder "überirdisch" sein.  :S 




  • abeja

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  • Guten Morgen Abeja,


    zu deinen ersten zwei Nummern kann ich schon mal was sagen:


    Nr. 1 ist kein amoenolens (ich denke dass du mit diesem Namen C. anserinus meintest). Der Buchenklumpfuß hat eine deutliche Klumpfußknolle, viel mehr Cortina und gelbe Hutfarben mit leichtem Olivstich.

    Dein Fund erinnert mich an einen Pilz der "riederi"-Gruppe. Vergleiche mal mit Cortinarius argenteolilacinus:


    http://www.pilzflora-ehingen.de/pilzflora/arthtml/cargenteolilacinus.php


    Nr. 2 ist kein cinnabarinus. Dein Fund erinnert mich an einen Gürtelfuß aus der "hinnuleus"-Gruppe. Hat der staubartig gerochen? C. cinnabarinus hat eigenartig auffallende Rottöne mit einem metallischen Glanz.


    Viele Grüße

    Christian

  • Hallo Abeja,

    Deine Dokus sind vorbildlich wie immer, was zur Krönung noch fehlt, sind die Sporen (Maße und Ornamentation). Ich glaube, Du wärst auch eine gute Mikroskopikerin!

    1. sicher kein anserinus, mit argenteolilacinus könnte Christian recht haben, aber da hätten uns die Sporen weitergeholfen.

    2. klar eine Art aus der Sektion Hinnulei, wahrscheinlich C. radicosissimus (garciae, squamulifer), da mir das Velum nicht rein weiß zu sein scheint.

    3. wenn Du nicht geschrieben hättest...bitter... hätte ich den als C. garcilior abgeheftet. Auch da wären die Sporen zielführend gewesen. C. emollitus ist es jedenfalls nicht. Den kannst Du auf dem Karsauer Friedhof sehen.

    4. ??? Sporen!!

    5. ein noch junger C. cliduchus (olidus), der süßlich/erdige Geruch kommt oft erst mit der Zeit.

    LG Günter

  • Hallo Christian, hallo Günter,

    vielen Dank für eure Hilfe !!


    Eieiei ...

    jetzt musste ich erst mal schauen, vergleichen, sortieren - wo bin ich "falsch abgebogen", wie hätte ich richtig abbiegen können usw.


    Nr. 1 finde ich vom Bildvergleich und der Beschreibung her sehr einleuchtend, dass das Cortinarius argenteolilacinus sein könnte.

    Mir war ja sogar aufgefallen, dass die Farbe und der Stielfuß nicht so 100-proz. zu C. anserinus/ amoenolens passte. Aber im Schlüssel von Soop war ich bei den hellen Hutfarben (pale yellowish-grey ) und der Bitterkeit (schwach in Huthaut) weitergegangen. Mit Hutfarbe gelb-braun oder olive ohne violette Töne kommt man über "Knolle nicht gerandet" usw. zu C. argenteolilacinus var. dovrensis, wo aber der Standort nicht passt. Im Text jedoch steht unter C. argenteolilacinus " C. argenteolilacinus Moser type (Plate 6) is similar (bezieht sich auf var. dovrensis), but southerly, rare, growing mainly in broad-leaf woods. With a more glabrous, tan-coloured cap and more saturated violet gills it resembles C. amœnolens (above), but is not bitter in taste ( Gråborg ; see BRA20, SMF47, MOS-P.) [These taxa belong to sect. Riederi.]"

    Also optisch nicht weit weg, mit der Bitterheit bleibt es ein kleiner Widerspruch, aber - wie gesagt - nur schwach und nur in der Huthaut. Vielleicht habe ich auch das Talent mir Bitterkeit einzubilden, wenn ich Bitterkeit schmecken will ... wer weiß ...


    Nr. 2 um Hinnuleus-Aggr. mache ich ja einen großen Bogen. ;)

    Ich habe das Gefühl, fast ausschließlich Hinnulei hier zu finden. Mir war aber nicht bewusst, dass es da auch so rötliche Vertreter gibt, beim Fund fand ich die Farbe schon recht außergewöhnlich. Oft haben diese Arten ja auch (noch) entfernter stehenden Lamellen?

    Ich hatte schon mal gelesen, dass es da in der Sektion viele neu beschriebenen Arten gibt. Zu den genannten Arten gibt es kaum Bilder im Web. Gefunden habe ich Cortinarius garciae, der sieht ja wirklich sehr ähnlich aus.

    Ich hatte hier die etwas "zermantscht" wirkenden Farben auf die Regennässe geschoben. Mir ist an dem Tag durch die Feuchtigkeit auch nicht viel an Gerüchen aufgefallen, alles roch ein wenig nach Erde und feuchtem Laub.


    Trotzdem nochmal die Frage: bei den Hautköpfen würde man auch mit 60proz. Alkohol Farbe extrahieren können? Ich finde diese Arten hier bisher nicht, bzw. nur einmal vielleicht vor vielen Jahren in einem Nadelwaldstück, was aber nicht mehr existiert in dieser Weise.


    Nr. 3 und 4 bleiben dann mal offen ....

    (Der Karsauer Friedhof war übrigens einmal gut bestückt mit Allerlei und einmal fast ohne Pilze, Cortinarien sah ich allerdings nicht an den Tagen, aber ansonsten ist er wirklich vielversprechend wegen alter Bäume und schön schattig feuchtem Boden. Im direkten Umfeld im Wald war - in der letzten Zeit - gar nichts sichtbar, ich bin aber nicht kilometerfressend gelaufen. Der Weg von unten hoch mit der Böschung sah aktuell sehr überwuchert aus.)


    Nr. 5 ist ein Treffer, hey-hey-hey, Cortinarius cliduchus.

    (Wie ich feststellte, ist es doch gar kein persönlicher Erstfund, die Art hatte ich mal als "Baby" 2012 ... der Name wurde mir damals so genannt, gelber Hut, helle Lamellen, gelbe Gürtel. Die Stielbasis wirkte beim Baby etwas knolliger, aber vermutlich streckt sich das auch ein bisschen beim Wachstum. EDIT: noch mal nachgeschaut, IRRTUM, den Namen hatte ich mir damals für die sehr jungen FK selbst "ausgeguckt", ohne Bestätigung oder konkreten Widerspruch zu erhalten).


    Viele Grüße

    abeja

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  • abeja

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  • Hallo allerseits,

    als ich in meinem Bilder-Fundus etwas anderes suchte, bin ich noch auf ein paar Cortinarius-Bilder von Oktober 2017 gestoßen, Kalkbuchenwald ... bisher unbestimmt.

    Heute würde ich diese Pilze - ohne mit der Wimper zu zucken - auch Cortinarius cliduchus (olidus) / Phlegmacium cliduchum nennen, weil sie so schön gelb gegürtelt sind und die Lamellen-Ursprungsfarbe vermutlich sehr hell war ohne violette Tönung.

    Diese Pilze - eine ganze Reihe - waren schon etwas älter. Bei sonnigem Wetter waren die Hüte komplett abgetrocknet, da trat eine leichte radiale Streifigkeit zutage.

    Als Ergänzung auch noch die "Babys" vom Oktober 2012 (anderer Kalkbuchenwald, dunkel, nass, geblitzt damals).


    VG

    abeja






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  • Hallo Günter,

    ich hatte das - wie ich nun gerade festgestellt habe - falsch in Erinnerung. Den Namen für die jg. FK hatte ich mir selbst "ausgeguckt" (damals!) ohne jedoch konkrete Bestätigung oder andere Namensnennung zu erhalten. Und dann hatte ich den Namen in meiner Fotosammlung einfach beibehalten, sogar ohne cf. ... tse...tse...tse...


    Für C. cliduchus wäre wahrscheinlich der Hut zu gelb und die Knolle zu berandet (und die Lamellenfarbe ist nicht so eindeutig zu sehen). Bei den (vielen) Calochroi ist es für mich sinnlos, weiterzusuchen, da ich ja von damals keine KOH Reaktionen habe. Vielleicht finde ich den Hübschen ja noch mal wieder (seit damals nicht mehr!!!).


    VG

    abeja

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  • Hallo,


    vor allem sind bei den Bildern 4-6 Blautöne in Lamellen und Trama zu sehen - ein No-Go für cliduchus.


    Allerdings finde ich die Farbtöne sehr blau, im Sinne von Graublau ohne Rottöne, so dass ich etwas an der Zugehörigkeit zu Calochroi zweifle, die eher amethystfarbene (= Blau mit Rottönen) Farben zeigen.


    beste Grüße,

    Andreas

  • Hallo Andreas,

    jetzt habe ich deine Anmerkung hier etwas verspätet gesehen.

    Du beziehst dich auf die zuletzt eingestellten Bilder, den Schnitt vom kleinsten Fruchtkörper (Auffindung 2012)?

    Die Farben wirken auf meinem Bildschirm auf den ersten Blick nicht so blau-grau, ich könnte sie aber auch so interpretieren. Allerdings würde ich auf die Farbexaktheit hier nicht so viel geben, damals habe ich das mit einer sehr einfachen Kamera + Blitz aufgenommen.


    VG

    abeja

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