Aufruf zum Plündern

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  • Servus Pilzfreunde,

    schon recht eigenartig, wenn Vereine und Verbände, die sich Natur- und Pilzschutz auf die Fahnen geschrieben haben, solche Aufrufe starten. Sonneberg sollte man nicht erwähnen, denn im Gegensatz zu den im Artikel genannten "Sachverständigen" sind vier der fünf Pilzberater des Landkreises Sonneberg strikt dagegen und nicht nur diese. Da müßten doch eigentlich auch entsprechende Behörden tätig werden, oder ?

    PP.

    Essbar oder nicht?

  • Hallo Peter,


    ich entnehme einzelne Fruchtkörper nahezu ausschließlich für Bestimmungszwecke und als Exponete für Pilzausstellungen, ab und an (immer seltener) sammle ich auch Mal eine Portion Speisepilze zum Verzehr.


    Wettbewerbe á la "Wer sammelt den größten und originellsten Baumpilz Südthüringens" finde ich nicht gut, selbst wenn das wahrscheinlich hauptsächlich häufige Arten wie den Rotrandigen Baumschwamm oder die Schmetterlings-Tramete treffen wird.


    In einem ähnlichen Fall hatte ich mich in einem der letzten Jahre an eine Naturschutzbehörde gewandt. Doch die Behörde konnte anscheinend davon überzeugt werden, dass das kein Problem sei. Jedenfalls verlief die Sache im Sande.


    Soweit aus meinem Erfahrungsschatz


    Wünsche allen morgen einen schönen Feiertag!


    Gruß, Andreas

  • Hallo Peter,


    Es geht um "Baumpilze". Ich kenne einige, die bekommt man ohne Kettensäge erstens nicht auf die Höhe zum "Ernten" und zweitens nicht ohne diese oder anderes schweres Werkzeug vom Stamm getrennt. Ich fände es zwar auch toller, durch Maßbandaufnahmen o-ä. die Größe zu bestimmen und keinen Eingriff in die "Natur" vorzunehmen, doch empfinde ich die Natur als nicht unantastbar. Wir alle wissen, dass der wahre Pilz im Baum agiert und sich da außen nur vermehren möchte. Viele Pilze wollen sogar gegessen oder wollen anders manipuliert werden, um die Sporen zu verbreiten. Ich weiß, ich lehne mich hier weit aus dem Fenster, aber ich finde es heutzutage eher wichtig, komplette (Pilz-)Biotope als unantastbar zu deklarieren, als irgendwo einzelne Fruchtkörper eines sich in der finalen Phase seines Daseins befindlichen Baumes mit seinen Pilzen zu schützen.

    Von denen(also genau denen in finalen Phasen befindlichen) werden wir durch unser weltweites Gesamtverhalten demnächst noch so viele finden, dass es egal ist, ob in Thüringen ein paar in eine Challenge gehen.


    Trotzdem liebe Grüße,


    Jens

  • Liebe Pilzfreunde,


    der Pilz wirkt dort am Schönsten, wo ihn die Natur vorgesehen hat, auch die Baumpilze, besonders die großen, alten Exemplare.

    Die Entnahme wäre bei Zielstellung "Größe" schon ein ästhetisches Problem, sofern man den Vorher-Zustand kannte.


    Die Masse der "großen" Baumpilze, würde aber solch eine Sammelaktion wieder relativieren. Wie groß wäre denn, bei nüchterner Betrachtung, denn die Zahl der Teilnehmer? Spätestens, wenn man merkt, wie bewohnt und lebendig es in so einem Pilz zugeht, vergeht die Sammelwut ganz schnell, auch ohne hoheitlichen Einspruch. Die an der Aktion Interessierten werden sich wohl ohnehin auf das Fotografieren und Messen beschränken.


    Ich bewerte die Zielstellung: "Eh, schaut mal hin! Das da oben am Baum sind auch Pilze. Die haben eine wichtige Funktion im Naturkreislauf. Pilze sind nicht nur ein Nahrungsmittel etc" viel höher, als die vermutete Schädigung der Natur durch Pilzfruchtkörperentnahme.


    Die "Nicht anfassen!" Mentalität des heutigen Naturschutzes halte ich für kontraproduktiv. Die Natur ist kein Museum!

    Ich durfte früher noch tagelang beobachten, wie aus einer Kaulquappe ein Frosch wird oder auch, wie aus Mückenlarven im Glas ein Disaster im Zimmer entsteht. Mit meiner Lupe konnte ich stundenlang die Pflanze anschauen und viel mehr sehen, als in den Sekunden am Standort. Das hat mich als Waldstromer geprägt. Ich fühlte mich als junger Naturforscher mit stolzen, dreckigen Hosen und Schuhen.


    Also, lieber Peter, lasst die Kirche im Dorf, auch wenn die Aktion etwas Diskutables hat. Den Wert der Natur sollte man, im wahrsten Sinne des Wortes, auch begreifen können und dürfen. Da gibt es doch kritischere Dinge, als eine Fruchtkörperentnahme von Pilzen.

    Der Schutz der Coburger Blauwürfeleiche und ihres Biotopes ist wichtiger, als der Schutz der Fruchtkörper des Blauwürfeleichenschwammes.


    Beste Grüße

    Stefan Fischer

  • Die "Nicht anfassen!" Mentalität des heutigen Naturschutzes halte ich für kontraproduktiv. Die Natur ist kein Museum!

    Ich durfte früher noch tagelang beobachten, wie aus einer Kaulquappe ein Frosch wird oder auch, wie aus Mückenlarven im Glas ein Disaster im Zimmer entsteht.



    Hier sprichst du mir aus der Seele...

    Was man nicht wirklich erlebt, bleibt unwirklich.