Weißer Pilz mit weißen Lamellen

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  • Hallo,

    das ist gar nicht so einfach.

    Das ist entweder einer der zur Zeit allgegenwärtigen Rosablättrigen Egerlingsschirmpilze (Leucoagaricus leucothites), der aber SEINEN RING VERLOREN HAT.


    Oder, es könnte bei freien Lamellen, die leicht rosa werden (obere Art wird aber auch leicht rosa), ein Scheidling sein (Volvariella spec.), wo man aber leider nicht sieht, ob eine SCHEIDE vorhanden ist.


    VG, abeja

  • Hallo allerseits,


    ich war heute speise-technisch etwas experimentierfreudig und habe zwei kleine "falsche Champignons", Egerlingsschirmpilze (Leucoagaricus leucothites) im Pfännchen gehabt (separat von meinen Unmengen an Lachsreizkern ;)).


    Die Nichtspeisepilz-Empfehlung bezieht sich ja hauptsächlich auf die Verwechslungsgefahr mit Knollenblätterpilzen, sofern man sehr unerfahren ist und die Merkmale nicht parat hat.

    Wie immer gibt es auch Anmerkungen über Unverträglichkeitsreaktionen. Allerdings wird der Pilz wohl häufiger "versehentlich" folgenlos verzehrt und gilt in anderen Ländern als Speisepilz.


    Interessant auch dieses Dokument zu "Determination of Anti-oxidative, Anti-microbial activity and heavy metal contents of Leucoagaricus leucothites" vom September 2018, das liest sich wie eine Verzehrempfehlung.

    https://www.researchgate.net/p…Leucoagaricus_leucothites


    Nur angebraten mit Butter (und Salz):

    obwohl der Pilz bei Regenwetter mitgenommen wurde, trat wenig Feuchtigkeit aus, er schien das Wasser nicht aufgesogen zu haben. Es trat schnell eine leichte Bräunung ein und der gegarte Pilz roch "pilzig" aromatisch. Der Geschmack war o.k, aber ein wenig metallisch.


    Ebenso hatte ich einen Anis-Champignon aus dem Wald mitgenommen (Agaricus silvicola oder essettei, er war deutlich schiefknollig) und ungeachtet des möglichen Cadmium-Gehaltes probiert (vor Jahren schon einmal gegessen). Der Champignon schmeckte ähnlich, aber pur noch viel metallischer. Und das ist nun nicht so mein Ding.

    Wie ist eigentlich die offizielle Meinung/ Haltung bzgl. des Cadmium-Gehalts zur Zeit, hatte sich da etwas verändert ?

    Wegen der Bindung an Proteine wird das (neuerdings ?) bei kleineren Verzehrmengen als doch nicht so gravierend eingeschätzt, wie man schon mal angenommen hatte?

    Die Anis-Champignons (arvensis, silvicola) stehen ja unverändert die ganze Zeit auf der Positiv-Liste.


    FG, abeja

    Viele Grüße von abeja




    Edited once, last by abeja ().

  • Hallo abeja,


    zur Cadmiumfrage nur mal ein Zitat aus vielen Untersuchungen, das aber das Grundproblem, Vorhandensein von toxischen Stoffen und deren Verwertung im menschlichen Körper, gut verdeutlicht.


    "Von 5 Probanden, die drei Tage eine Champignondiät aufgenommen hatten, wurden daher Stuhlproben vor und nach der Pilzdiät auf ihren Cadmium- und Kupfergehalt untersucht. Die in den Faeces nachgewiesenen hohen Schwermetallkonzentrationen bestätigten die Annahme, daß Speisepilze, deren Gerüstsubstanz, das Chitin, enzymatisch nicht angreifbar ist, weitgehend unverdaut den Darm passieren, ohne daß es zu einer wesentlichen Resorption kommt. Daher scheint die Gefahr einer Cadmium-Intoxikation auch nach Aufnahme großer Champignon-Mahlzeiten für den Menschen nicht gegeben."


    Schellmann et.al. (1980) - Cadmium- und Kupferausscheidung nach Aufnahme von Champignon-Mahlzeiten, Z. Lebensm. Unters. Forsch. 171,189-192


    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallo Stefan,

    danke für die Information. Das war das, was ich irgendwo halbwegs mitbekommen hatte, aber nicht finden konnte.

    Quote

    Speisepilze, deren Gerüstsubstanz, das Chitin, enzymatisch nicht angreifbar ist, weitgehend unverdaut den Darm passieren, ohne daß es zu einer wesentlichen Resorption kommt.


    Dass Pilze, weil sie aus Chitin bestehen, schwer verdaulich sind, bzw. auch "im Magen" liegen können, ist ja auch bekannt. Hier liest sich das aber (fast) so: "wie oben rein, so unten wieder raus" ... (vielleicht auch mal mit Beschleunigung :huh:).

    Ich frage mich dann aber auch, ob nicht die ganzen positiven Stoffe, die man bei Untersuchungen in Pilzen findet (aber oft irgendwie extrahiert), ob diese Stoffe dann nicht auch unresorbiert wieder ausgeschieden werden.


    Im Wikibeitrag zu Agaricus essettei steht:

    Quote

    Der Pilz reichert Cadmium aus dem Substrat auf bis zu 300fache Konzentration an.[9] Das Cadmium spielt auch eine Rolle in seinem Organismus; Myzel-Kulturen wachsen im Labor besser, wenn Cadmium im Nährmedium enthalten ist (100 % Steigerung mit 0,5 Milligramm Cadmium pro Liter gegenüber Cadmium-freiem Medium, bei Konzentrationen von 1 Milligramm/Liter ist der Effekt nicht mehr vorhanden[10]).[11] Er bindet das Cadmium mittels eines speziellen Proteins, dem Cadmium-Mykophosphatin oder einer ähnlichen Substanz.[12][13]


    Mir erscheint das doch wieder etwas anderes zu sein ... einerseits die Bindung an eine bestimmte Substanz (wobei da nicht steht, ob diese Bindung den Verdauungsprozess übersteht und wo dieses Protein sich befindet, ob das seinerseits mit dem Chitin verbunden ist) und andererseits einfach nur die Tatsache, dass Chitin unverdaut ausgeschieden wird.

    So ganz verstehe ich das noch nicht, aber das wird sich wahrscheinlich auch nicht so einfach klären lassen.


    Zum Cadmium-Mykophosphatin

    https://www.sciencedirect.com/…icle/pii/0167483883900572


    FG, abeja

  • Hallo abeja,


    Schwermetallbelastung in Pilzen hat der FA Tox für die nächsten Treffen auf der Tagesordnung. Leider gibt es nur sehr lückenhafte und widersprüchliche wissenschaftliche Fakten. Ich hoffe, dass am Ende ein Statement herauskommt wie bei den Heilpilzen, aber das wird noch lange dauern. Mit den Heilpilzen hat der FA 2-3 Jahre 'rumgemacht.


    Gruß,

    Wolfgang