Zwei Ärzte nach tödlicher Pilzvergiftung angeklagt

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  • Liebe Pilzfreundinnen und Pilzfreunde,


    Dietmar Krüger hat mich heute auf folgenden Fall aufmerksam gemacht:


    Quote

    2017 erleiden ein Vater und drei seiner Kinder in Frankfurt eine schwere Pilzvergiftung. Das jüngste Kind stirbt an den Folgen. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Mediziner. Sie wirft ihnen vor, die Familie nicht richtig behandelt zu haben.


    Quelle: https://www.hessenschau.de/pan…e-pilzvergiftung-100.html


    Rückblende: https://www.tag24.de/nachricht…nollenblaetterpilz-324032


    Gab es schon Mal einen solchen Fall?

    Ich kann mich jedenfalls an keinen erinnern.


    Gruß, Andreas

  • Lieber Andreas,


    das Mediziner Notfallsituationen falsch einschätzen, dürfte deren größtes juristisches Problem sein. Die Tatsache, dass es hier um Pilze geht, macht das Ganze doch nicht zum singulären Fall. Es wurde falsch entschieden, mit schlimmsten Konsequenzen. Das muss ja zur Anklage führen. Es bestand wohl schließlich die Kenntnis beim Hausarzt, dass Pilze gegessen wurden. Er hat nicht die richtigen Schritte eingeleitet, ebenso die Fachärztin vom Dienst.


    Das sofortige Einbeziehen des GIZ hätte vielleicht das Schlimmste vermeiden können. Ein hinzugezogener PSV hätte sicher gleich Knollenblätterpilzalarm gegeben.


    Beste Grüße

    Stefan

  • Hallo in die Runde,

    dieser Vergiftungsfall ist mir noch gut in Erinnerung. Ich war damals bei der zuständigen Behörde unseres Landkreises vorstellig und hatte ihnen zur weiteren Verwendung Aufklärungsmaterial in mehreren Sprachen, darunter auch arabisch, überlassen, dass dann an die Aufnahmeeinrichtungen weitergeleitet wurde. Die Quelle zu diesem Material kam aus dem Netz, kann sie aber nicht mehr ausfindig machen. Hier im Forum wurde auch darüber diskutiert, finde es leider nicht mehr. Was mich aber umtreibt ist die jetzt erfolgende juristische Aufarbeitung dieses Falles.


    Gibt es eigentlich irgendwelche verbindlichen Vorschriften, wie Mediziner, sei es der Hausarzt, die Verantwortlichen der Notaufnahmen usw. bei einer Vergiftung zu reagieren haben ?


    Mir ist es schon klar, dass speziell bei Pilzen wegen ihrer Komplexität auf das Mitwirken und die Hilfe von ehrenamtlich tätigen Pilzfreunden zurückgegriffen werden muss. In meiner langjährigen Tätigkeit als Pilzberater (heuer 45 Jahre) habe ich jedoch nicht nur den Eindruck gewonnen sondern auch die Erfahrung gemacht, dass man sich 100 %ig auf diese stützt. Manche medizinischen Einrichtungen reagieren mitunter recht kopflos, oft auch anmassend, indem man gebeten wird, nachts um zwei Uhr ins 20 km entfernte Krankenhaus zu kommen, um Pilzreste, Erbrochenes o. ä. zu identifizieren, natürlich kostenlos. Inzwischen ist man ja so weit, dass ehrenamtlichen Pilzfreunden Kurse zur Krankenhausdiagnostik angeboten werden, natürlich mit ordentlichen Kursgebühren verbunden, vom finanziellen Drumherum ganz abgesehen. Das war jetzt wohl etwas abschweifend, musste aber sein.


    Mich würde brennend interessieren, wie dieser Fall verläuft. Nur die im Link aufgezeigten Fakten kennend würde ich aus rein menschlicher Sicht nur einen "schuldig" sprechen, das wäre der Vater.


    Grüsse P. P.

  • Guten Morgen Peter,


    Ich war damals bei der zuständigen Behörde unseres Landkreises vorstellig und hatte ihnen zur weiteren Verwendung Aufklärungsmaterial in mehreren Sprachen, darunter auch arabisch, überlassen, dass dann an die Aufnahmeeinrichtungen weitergeleitet wurde. Die Quelle zu diesem Material kam aus dem Netz, kann sie aber nicht mehr ausfindig machen.

    die Warnplakate wurden seinerzeit an der Med. Hochschule Hannover erstellt. Sie können auch auf der DGfM-Website im Servicebereich unter "Materialien" heruntergeladen werden.


    Hier im Forum wurde auch darüber diskutiert, finde es leider nicht mehr.

    Die Diskussion von Mitte September bis Anfang Oktober 2015 findest Du hier: Pilzvergiftung unter Flüchtlingen.


    Gruß, Andreas

  • nachts um zwei Uhr ins 20 km entfernte Krankenhaus zu kommen, um Pilzreste, Erbrochenes o. ä. zu identifizieren, natürlich kostenlos.

    Hallo Peter,


    wieso kostenlos? Das muss doch keiner machen. Bei Krankenhausdiagnostik schreibe ich immer eine Rechnung. Bislang gabs da auch noch nie Probleme. Man sollte seine Fähigkeiten und sein Wissen wirklich nicht unter Wert verkaufen. Es gibt ja diesen alten Spruch: Was nichts kostet ist auch nichts wert...


    Im übrigen ist es nicht ungewöhnlich, dass Ärzte bei schwerwiegenden "Fehldiagnosen" einen Prozess am Hals haben. Ich kenne z.B. einen Fall mit nicht erkannter Meningitis.


    Beste Grüße

    Harald