DGfM-Arbeitskreis Entoloma gegründet

For discussions about the society, its structure and goals, only the forum "Geman Mycological Society" serves as a platform for the exchange of opinions.
  • Liebe Pilzfreunde


    Wir, das ist eine kleine Gruppe von Hobby-Mykologen, haben uns entschlossen einen Arbeitkreis für die Bearbeitung von Rötlingen zu bilden.
    Schwerpunkt unserer Tätigkeit wird der Erfahrungsaustausch bei der Bestimmung von unklaren oder interessanten Funden sein. So findet man
    doch trotz intensiver, teilweise jahrelanger Beschäftigung mit der Gattung, immer wieder Kollektionen die sich nicht eindeutig zuordnen lassen.
    Ein weiterer Punkt soll die gezielte Bearbeitung von Gruppen/Sektionen mit Klärungsbedarf sein und nicht zuletzt ist die Veröffentlichung von
    wenig bekannten oder neuen Erkenntnissen vorgesehen.


    Wir sind stets an „unbestimmbaren“ Funden der Leser interessiert. Voraussetzung für eine Bestimmung ist neben einem Exsikkat auch eine gute
    Dokumentation der Makromerkmale mit Fundangaben, möglichst ein aussagekräftiges Bild und idealerweise erste mikroskopische Feststellungen.


    Ansprechpartner:
    Karl Wehr, karlwehr@t-online.de
    Gerhard Wölfel, Pilzgrufti@gmx.de
    Wolfgang Prüfert, wolfgang.pruefert@t-online.de
    Herzlichen Gruß


    Karl

  • Hallo an den AK Entoloma!


    Sehr schön, da kann ich ja gleich eine aktuelle Frage los werden :thumbup:


    Wir haben hier in Jena letzten Samstag mit unserer Wald- und Wiesen-AG von Eriks Schule auf einer Exkursion Entoloma sericeoides gefunden. Die Art ist offensichtlich bisher für Thüringen nicht nachgewiesen. Das ist natürlich spannend für die Kinder und auch für die Erwachsenen und ich habe versucht, etwas mehr über die Verbreitung herauszufinden. Die Ökologie ist bei dieser Art ja recht schön dargestellt und unser Fund passte da nahezu perfekt dazu: Ehemaliger Kalk- bzw. Travertinsteinbruch, sehr xerophil, mit Orchis militaris, Morchella steppicola und (später im Jahr natürlich) Entoloma excentricum, incanum, griseorubidum, indutoides, Hygrocybe persistens.
    Was mich aber wundert, ist die Flächenverbreitung in Deutschland:
    Für Bayern ganz wenige Funde, wird in der Roten Liste als "R" geführt ("Rarität"). Ob die Funde in NW-Oberfranken im Krieglsteienr-Atlas alle stimmen?
    Baden-Württemberg 2 Funde. Müßte aber zumindest im südlichen Oberrheingebiet/Kaiserstuhl öfters zu finden sein.
    Sachsen ein Fund
    Thüringen bisher Fehlanzeige, ebenso Niedersachsen (wirklich?), Schleswig-Holstein udn Berlin-Brandenburg.
    Hessen-Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen habe ich keine Ahnung, das könnt bestimmt ihr mir sagen. Ich stelle mir vor, dass sie in den trockenen Weinbaugegenden, z.B. bei Wolfgang Prüfert um Bingen, durchaus vorkommt.
    Sachsen-Anhalt gibt es wohl auch Funde.
    Mecklenburg-Vorpommern weiß ich nicht, dürften aber nicht sehr viele Nachweise sein, wenn überhaupt.


    So, was mich bei dieser Zusammenstellung nun wundert ist, warum in der neuen Roten Liste die Art in Kategorie 3 eingestuft werden wird. Kategorie 3 bedeutet ja eine gewisse Häufigkeit. Nach den Einstufungsparametern wurde die Art als "sehr selten" bezeichnet, was aber immer noch mindestens ca. 30 Fundpunkte bedeuten würde. Wo stecken die alle, zumal für die Rote Liste ja keine Daten aus Rheinland-Pfalz vorlagen (und Hessen meines Wissens auch nicht).


    Habt ihr da eine Idee, bzw. wie ist Eure Einschätzung über die tatsächliche Häufigkeit?
    Die Ökologie ist ja durchaus z.B. mit Entoloma excentricum vergleichbar. Die ist auch als "sehr selten" eingestuft, kommt aber aufgrund stärker angenommener Rückgänge auf Rote Liste 2. Für mein Empfinden gibt es wesentlich mehr Fundmeldungen von Entoloma excentricum als von E. sericeoides. Wie seht ihr das? Ferner wäre zu bedenken, dass E. sericeoides schwerpunktmäßig wohl eine Frühjahrsart ist. Das könnte man als Grund nehmen, sie als übersehen zu deklarieren. Andererseits kommt sie genau in den Biotopen vor, wo jetzt die Orchideen blühen und diese Biotope werden gerade jetzt viel besucht - auch von Pilzlern. Könnte man als Argumentation nehmen, um zu sagen, dass die Art doch recht gut kartiert sein müßte ....


    Wie auch immer, mich würde Eure Einschätzung zur Verbreitung der Art interessieren.


    Ach ja, leider war grad keine Kamera zur Hand, daher gibt es nur ein Belegfoto in der Sammelkiste (fot. T. Böhning) ....


    beste Grüße,
    Andreas

  • Hallo,


    Hinsichtlich Bwertung der Art in der Roten Liste kann ich wenig sagen. Das erfolgt ja immer sehr subjektiv.
    Was die Fundpunkte im Kriegelsteiner-Atlas für Bayern betrifft, so kommt die Häufung in Nordwest-Oberfranken wohl durch die Arbeit von Bayer und mir zustande. Allerdings bin ich mir sicher das bei entsprechender Suche die Art auch im gesamten Frankenjura bis weit nach Baden-Württemberg hinein zu finden sein dürfte.
    Leider werden die meisten Entolomaarten schlicht und einfach nicht zum Bestimmen mitgenommen. Da muss man sich nur mal die Fundlisten großer Tagungen ansehen.
    In NRW kommt E. sericeoides gelegentlich in den Kalkgebieten der Eifel vor, in Sachsen-Anhalt wird sie sogar als im Hügelland häufig bezeichnet. In Hessen kommt sie gelegentlich auch im Bereich des Diemeltals vor. In Norddeutschland dürfte die Art wegen der fehlenden Biotope extrem selten sein oder ganz fehlen.


    Gruß
    Gerhard

  • Hallo Andreas,


    ich kenne sericeoides nur von einem Standort bei Mainz (parkähnliche Graslandschaft mit alten Eichen auf Löss + Kalk, ehem. Militärgelände). In den Mainzer Sandgebieten wächst sie sicher nicht, und ansonsten gibt's hier ja nur Reben und Rüben. Im Hunsrück wird vielleicht der Kalk fehlen. An der Nahe hat noch niemand danach gesucht, da gäbe es geeignete Standorte genug.


    Ich hab' sie seit >10 Jahren nicht gesehen und damals lange mit der Bestimmung gekämpft und musste mir von Gerhard helfen lassen. Es ist wohl eine von den Arten, die nur von Fungi-Europaei 5a-Benutzern schlüssig bestimmt werden kann, und das sind ja nicht so viele... auch daher vermutlich die Unterkartierung.


    Grüße,



    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,

    Es ist wohl eine von den Arten, die nur von Fungi-Europaei 5a-Benutzern schlüssig bestimmt werden kann, und das sind ja nicht so viele... auch daher vermutlich die Unterkartierung.

    wird E. sericeoides im GRÖGER (2006) nicht oder nur schlecht geschlüsselt (habe momentan keinen Zugriff auf mein Bücherregal)? Persönlich halte ich nämlich das Schlüsselwerk für eine solide und erschwingliche Basis zum Bestimmen von Rötlingen - noch dazu in deutscher Sprache... 8)


    Zum Thema selbst kann ich leider nichts beitragen. Es bestünde höchstens die Möglichkeit, dass sich die Art in meinem UMO-Sammelsurium von der südlich von Augsburg gelegenen Königsbrunner Heide (Halbtrockenrasen auf Kalkschotter mit dünner Löss-Auflage) versteckt. Aber bewusst habe ich die Art noch nicht in den Händen gehabt.


    Gruß, Andreas

  • Hallo Andreas,


    zur allgemeinen Qualität des Entoloma-Gröger-Schlüssels kann ich nix sagen, da ich FE gewohnt bin.


    Zur speziellen Art:
    Bei B* muss man zu "nicht-Trichterlings-Habitus" abbiegen, obwohl der Pilz trichterlingsartig ist.
    Bei H* muss man sauber arbeiten und die Trama messen, und darf sich nicht mit den makroskopischen Hilfsmerkmalen begnügen. E. sericeoides ist dort korrekterweise in Anmerkung 2 als Ausnahme angeführt.


    Da sie relativ weit hinten aufgeschlüsselt wird, gibt es aber bestimmt noch mehr Fehlermöglichkeiten, an die ich jetzt nicht denke.


    Und: so gut der Schlüssel auch sein mag, ohne den Vergleich mit einer Abbildung und aller zur Verfügung stehenden Literatur komme ich zumindest bei fast keiner Entoloma zu der Sicherheit, die nötig ist, um den Pilz zu kartieren.


    Grüße,



    Wolfgang