Gold und Nicht-Gold (u.a. Clitocybe metachroa s.l. ?)

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Es gibt 12 Antworten in diesem Thema. Der letzte Beitrag () ist von Andreas.

  • Hallo,

    im bisher überwiegend goldenen Herbst fand ich zwar in meiner Region (Hochrhein, auf 400-500 m Höhenlage) kaum Pilze, die auf dem Boden wuchsen, dafür aber lauter "Gold" auf Holz. :)


    Über diesen persönlichen Erstfund habe ich mich sehr gefreut:

    Tricholomopsis decora, Olivgelber Holzritterling, auf schon recht morschem Fichtentotholz


           


    Armillaria gallica, der Veränderliche Hallimasch war allerdings nicht immer ganz so "niedlich", so plüschig, so gelb und golden, die meisten anderen Funde waren blasser.


       



    "Wunderschöner" Goldschimmel (Hypomyces spec.) auf nicht mehr sicher identifizierbaren kleinen Röhrlingen (vermutlich Xerocomellus porosporus, Falscher Rotfußröhrling)




    Tyromyces kmetii, den Blassgelben Saftporling finde ich fast jedes Jahr einmal, normalerweise im Sommer (hier der Fund ist vom September). Es waren die bisher größten und dicksten Exemplare, ca. 10 breit, weißes Fruchtfleisch, weiße Poren, Rotfärbung mit KOH besonders auf der Oberseite in den gelben Bereichen (ein paar kleine Fruchtkörper waren noch am gleichen dicken Buchenast.)


           

  • Auriporia aurulenta (Duftender Goldporling) - erstmals an gleicher Stelle gefunden im Mai an morschem liegenden Fichtenstamm - hat im Oktober neue Fruchtkörper ausgebildet, darunter zum ersten Mal etwas, was deutliche "Treppchen" entwickelt.


       



    Mal was in Rot: Fistulina hepatica, die Ochsenzunge am Stammfuß einer lebenden Eiche, fruchtete exakt an diesem Ort schon einmal im August 2015.

    2016 und 2017 gab es dort gar nichts zu sehen.




    Auch ein Trüppchen Ziegelrote Schwefelköpfe, Hypholoma lateritium gaben sich die Ehre.





    Ganz ganz wenige Milchlinge zeigten sich bisher in diesem Jahr, hier ein paar kräftige gewachsenen Fleischblasse Milchlinge, Lactarius pallidus (bei Buchen auf Kalk)




    Die Trockenheit brachte "seltsame" Gestalten hervor: eine ganze Gruppe von Polyporus badius (Kastanienbrauner Stielporling) hatte zwar eine dunkle Mitte entwickelt, blieb am Rand aber hell und riss dort "zahnförmig" auf - es sah so aus, als hätten sich die Pilze ineinander verbissen.




    Grünblättrige Schwefelköpfe, Hypholoma fasciculare sind wirklich unglaublich häufig ...

    aber so eine "Kompotthut"-Hutform ... oder "Stahlhelm"-Hutform (durch die Trockenheit) sah ich noch nicht.





    Dass die Riesenschirmlinge klein waren in diesem Jahr, konnte man häufiger lesen - aber diese Pilze hier kenne ich bisher nur relativ klein. Die Hüte haben hier bei mir immer ca. 5-6 cm Durchmesser. Wegen der Hutschuppen hielt ich das immer für Macrolepiota rhodosperma (Sternschuppiger Riesenschirmling.)

    Einen Pilz habe ich mal aussporen lassen, wenig hat er ausgesport, zusammengeschoben war das Pulver ganz ganz zart rosalich.


       



    Ein ganz ganz trivialer Erstfund im Fichtenwald (hier ist wenig Fichtenwald) an einer grasigen Stelle, Mycena epipterygia, Dehnbarer Helmling



  • An einem schon ziemlich morschen Buchenholzstück kamen sowohl im September als auch jetzt im November zwei, drei winzige Grüppchen von Lentinellus ursinus (Geschichteter Zähling). Die Art sehe ich auch ca. 1 x pro Jahr.


       



    Ein liegender Birkenstamm mit unglaublichen Mengen von ganz frischen Birkenporlingen, Piptoporus betulinus.


       



    Bisher in diesem Jahr das erste und einzige Exemplar vom Schopftintling, Coprinus comatus ... und obwohl er noch ganz geschlossen war - zeigten sich schon deutlich grauenden-schwärzenden Lamellen im unteren Bereich.




    Der dunkle Hallimasch, (edit:)Armillaria ostoyae (in manchen Datenbanken zur Zeit mit A. solidipes synonymisiert s.u.) kommt (m.M. nach) immer etwas später als die anderen beiden Arten hier, Fundort Nadelwaldareal mit vielen Tannen.

    Skurrile Erscheinung ... der Stiel war auch ganz plattgedrückt.





    Und zum Schluss eine Frage:

    kleine grau-braune Pilze, im Übergangsbereich von Buchen- zu Fichtenwald, auf Kalk, 430 m Höhenlage

    Hut extrem hygrophan, keine Riefung am Hutrand,

    Lamellen eher grau, nicht herablaufend, eher gerade angewachsen,

    Geruch neutral "pilzig" (kein Mehlgeruch),

    bei den meisten Pilzen war der Stiel zweifarbig: oben am Lamellenansatz deutlich heller.

    Ich komme da auf Clitocybe metachroa s.l., kann ich das so stehenlassen?

    Oder gibt es alternative, besser passende Vorschläge?


       


    (Alle Bilder liegen in 1200 Pixel Breite vor.)


    VG abeja

  • Hallo abeja,

    woher stammt eigentlich das Epithet "solidipes" ? Bis auf diese 123 (!)- Suchmaschine finde ich in der mir zugängigen Literatur keinerlei Bezug zu A. ostoyae. Weder in der FN, GRÖGER, LUDWIG, MOSER, PdS, GPBW....., den fundierten Abhandlungen von H. Marxmüller usw. gibt es "solidipes" überhaupt nicht. Sogar das vielverwendete IF führt A. solidipes als eigenes Taxon. Allerdings leiste ich mir den Zugang zur "Mycotaxon" nicht, dort verlangt man 42 $ (könnten auch Euros sein), um einen 24stündigen Einblick in eine Abhandlung zu Armillariella solidipes zu gewähren. Soviel ich weiss soll das eine amerikanische Art sein, wie die Synonymität zustande gekommen ist entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.

    Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass in dieser kurzlebigen Zeit wieder irgend jemand die Taxonomie "auf Fordermann" gebracht hat, ganz zur Freude von uns Hobby- Pilzlern.

    Haben Sie da vielleicht entsprechende Informationen ?

    Eine angenehme Nacht.

    Peter Püwert.

  • Hallo,

    ich muss gestehen, dass ich ursprünglich die "dunklen H." an Nadelholz alle als A. ostoyae abgelegt hatte. Dann ... irgendwann....hatte ich den anderen Namen "mitbekommen" und jetzt - bevor ich den Eintrag hier einstellte, habe ich nur kurz in Wikipedia (Rotwerd-Smilie gibt es ja nicht :)) nachgeschaut.


    Lt. IF: Armillaria ostoyae

    Lt. Mycobank zu Armillaria ostoyae: current name A. solidipes


    Danke für die schönen Vergleichsbilder!


    VG abeja

  • Aber Tom Volk als DEM nordamerikanischen Armillaria-Forscher sollte man wohl glauben dürfen...

    Mhm, auf den schlechten Bildern im Artikel erkenne ich keine A. ostoyae.

    Bei der Trennung oder Vereinigung von Taxa sind heutzutage molekuare Daten und Bäume Standard. Möglicherweise gibt es die längst und sie wurden von Mycobank berücksichtigt. Der Artikel allein würde mir so nicht genügen.


    BG, Peter

  • Hallo,

    das ist ja alles ganz schön kompliziert - ich habe die Artikel auch gerade mal so "diagonal" überflogen.

    Da hat man sich bei der Synonymisierung auf die extrem ähnlichen Beschreibungen und besonders auf die Kreuzbarkeit gestützt (?), die wohl gegeben ist.

    Doch in dem von Andreas verlinkten Artikel (dem dort abrufbaren PDF) heißt es ..."Whereas there remain some doubts about whether Armillaria solidipes actually is conspecific with Armillaria ostoyae (Hunt & al. in Forest Pathol. 41: 253–254. 2011)" ... also herrscht molekular-genetisch da (noch ?) keine Klarheit.

    Es wird dann eher die "Namens-Stabilität" für so ein wichtiges Pflanzenpathogen bevorzugt, weil es ansonsten in allen Datenbanken ... schrecklich ... durcheinander gehen würde.


    Ich kann ja oben wieder A. ostoyae schreiben ;).


    Gibt es auch Meinungen zu meiner Clitocybe - kann ich die als Clitocybe metachroa s.l. ablegen?


    VG abeja

  • Hallo abeja,


    wenn ich mir die Abb. 2 in Guo et al. (2016) ansehe, befinden sich A. solidipes und A. ostoyae zwar in derselben Gruppe (Klade II), aber A. solidipes ist nicht mit europäischen A. ostoyae konspezifisch.


    Aber da soll bitte noch jemand drüberschauen, die bzw. der Erfahrung mit der Interpretation phylogenetischer Bäume hat, bevor das für bare Münze genommen wird.


    Quelle: GUO T, WANG HC, XUE WQ, ZHAO J, YANG ZL (2016) Phylogenetic Analyses of Armillaria Reveal at Least 15 Phylogenetic Lineages in China, Seven of Which Are Associated with Cultivated Gastrodia elata


    Gruß, Andreas

  • Hallo,


    da ja nun dankenswerterweise A. ostoyae über A. solidipes konserviert ist, scheinen wir uns da keine Gedanken mehr drüber machen zu müssen. Wenn sich herausstellt, dass das amerikanische Taxon eine eigenständige Art ist, dann betrifft das unseren ostoyae nicht, und wenn sich herausstellt dass beide identisch sind, dann heißt der eben auch in amerika ostoyae weil dieser Name konserviert wurde über solidipes.

    Es würde uns also nur für DEN Fall betreffen, dass erstens die beiden Taxa trennbar sind und zweitens der amerikanische solidipes auch in Europa eingeschleppt wurde und also ZUSÄTZLICH zu ostoyae hier vorkommt.


    beste Grüße,

    Andreas