Pilzbestimmung (2)

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There are 12 replies in this Thread. The last Post () by abeja.

  • Hallo,

    diese Namensänderung ist auch (wieder mal) spurlos an mir vorbei gegangen. O.k. ... wer schaut ständig im Web nach Birnenstäublingen. ;)

    Die Änderung kam ja auch erst 2017 und kann dann erst in später erschienenen Büchern auftauchen (in Fungi of Temperate Europe, z.B. ... da wimmelt es nur so vor neuen Namen ...)


    http://www.mycobank.org/BioloM…1&Rec=10074415&Fields=All

    Man hat einen neuen Genus etabliert (Bryoperdon) und dann es auch für sinnvoll gehalten (aufgrund genetischer Unterschiede, nehme ich an) den Birnenstäubling von den anderen Stäublingen zu separieren.

    Der Birnenstäubling ist der EINZIGE Vertreter der Gattung Apioperdon, zur Zeit.


    In Fungi of Temperate Europe steht auch ein möglicherweise makroskopisch nachvollziehbares Merkmal, was die Gattungen Apioperdon und Lycoperdon unterscheiden soll. Das Fleisch des Stieles (Subgleba) soll bei beiden Gattungen leicht schwammartig gekammert sein ("spongy", "chambered"), jedoch bei Apioperdon deutlich fester ("solid"), also nicht so deutlich "gekammert".

    Ich habe gestern versucht, das bei jeweils sehr jungen und nicht ganz so jungen (aber noch weißen, insgesamt aber schon weicheren) Fruchtkörpern nachzuvollziehen - und bin daran gescheitert, zumindest mit bloßem Auge war das nicht deutlich.

    Da hätte ich von beiden Proben mitnehmen müssen und unter gleichen Bedingungen bei gutem Licht fotografieren sollen (es war sehr dunkel und .... Nieselregen).

    So ein winziges bisschen erschien mir die Subgleba von Flaschenstäublingen (Lycoperdon perlatum) "grobschwammiger" zu sein.


    VG, abeja

  • Hi Abeja,


    von den "echten" Stäublingen unterscheidet sich der Birnen- schon durch das Wachstum auf Holz.


    Nach Lit. ist bei dem auch bei reifen Fruchtkörpern die Subgleba hell, im Gegensatz zu den Lycoperdi. Darauf hab' ich noch nie geachtet, bisher hab' ich Birnenstäublinge auch so erkannt.


    Der Grund für die eigene Gattung ist aber natürlich molekular...


    Gruß,

    Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,

    stimmt, eigentlich sind Birnenstäublinge unverwechselbar - und deshalb schaut man gar nicht so genau hin, vor allem Dingen dann nicht, wenn sie sehr reif sind.

    Ich hatte da auch nur die Absicht, die Aussage aus dem Buch nachvollziehen zu können.


    Mit dem "auf Holz" und "nicht auf Holz" ist das aber auch so eine Sache. Birnenstäublinge sollen auch auf vergrabenen, fast verrottetem Holz wachsen, was dann nicht auf Anhieb als Holz kenntlich ist.

    Der braune Stäubling (Lycoperdon umbrinum) wächst laut 123 (was ich jetzt nicht anderswo nachgeprüft habe) teilweise auch auf Holz.


    Sinnigerweise habe ich gestern einen hübschen Flaschenstäubling abgelichtet, der auf Holz wuchs, auf einem bemoosten Buchenstumpf, der noch nicht sehr morsch war. Vielleicht war schon so viel Erdkrume vorhanden, dass der Stäubling das für Erdboden gehalten hat ;) ... stellte ich mir vor.

    Nun lese ich aber auch wiederum in "Fungi of Temperate Europe": "on soil and litter, rarely on wood"


    Lycoperdon perlatum "on wood"



    VG, abeja

  • Hi Abeja,

    der Standort des Fruchtkörpers ist sicherlich variabel.


    Aber von Lycoperdon perlatum ist die Bildung von Ektomycorrhiza nachgewiesen (wobei die meisten Arten trotzdem immer noch als Saprobionten bezeichnet werden, auch wenn das in typischen Lycoperdon-Biotopen eine recht armselige Ernährungsweise wäre).


    Apioperdon ist aber wohl wirklich saprobionisch auf Holz.


    Die Ernährungsweise ist für den Bestimmer aber natürlich normalerweise nicht nachvollziehbar.


    Gruß,


    Wolfgang

  • Aber von Lycoperdon perlatum ist die Bildung von Ektomycorrhiza nachgewiesen (wobei die meisten Arten trotzdem immer noch als Saprobionten bezeichnet werden, auch wenn das in typischen Lycoperdon-Biotopen eine recht armselige Ernährungsweise wäre).


    Apioperdon ist aber wohl wirklich saprobionisch auf Holz.

    Hallo Wolfgang,

    danke für die zusätzlichen Informationen, das war mir neu.

    Ich habe ... natürlich ... auch versucht (obwohl es nicht wirklich wichtig ist), das in irgendeinem frei verfügbaren Text nachzuvollziehen - aber ich konnte nichts Genaueres finden. Hast du eine Quellenangabe?

    Ich war zwischenzeitlich sogar auf einen Text gestoßen, wo der Birnenstäubling unter Ektomykorrhiza lief. Kann ja eigentlich nicht sein - jetzt finde ich diesen Text aber nicht mehr. Hatte in Englisch und in deutscher Sprache gesucht.


    VG, abeja

  • Hallo zusammen,

    jetzt habe ich doch die entsprechenden Stellen im Web wieder gefunden


    eine Diplomarbeit https://core.ac.uk/download/pdf/11583040.pdf

    darin wird Lycoperdon pyriforme (???) in Tabelle 4 zur Ektomykorrhiza gelistet:

    Ethylenproduzierende Mykorrhizapilze nach Frankenberger und Arshad 1995 (verändert) / Quelle: Graham und Linderman (1980) .


    Google Book "Journal of Agriculture Band 44" (USA von 1932), da werden bei Sämlingen von Weymouth-Kiefer und Gemeiner Fichte u.a. Ektomykorrhiza mit Lycoperdon pulcherrimum bzw. gemmatum nachgewiesen.


    http://www1.biologie.uni-hamburg.de/b-online/e33/33b.htm

    Auch Lycoperdon wird als Ektomykorrhiza-Bildner genannt.


    VG, abeja



  • Hallo alle,


    gibt es eine seriöse Quelle zu Lycoperdon spp. als Ectomycorrhizapilze? Ich bin da sehr skeptisch.


    Die Gattung Apioperdon würde ich übrigens nicht akzeptieren. Es gibt auch keine molekularen Gründe, zumindest wird die Abtrennung von Lycoperdon in der Arbeit von Vizzini und Ercole 2017 durch die verwendete Analyse (bayesian) gar nicht unterstützt (PP sollte mind. größer 95 sein).

    Der "Goldstandard" für die Lycoperdon-Bovista-Taxonomie ist meiner Meinung immer noch die sehr gute Arbeit von Larsson und Jepson 2008.


    Grüße

    Kai

  • Hallo Kai,

    ich konnte außer den o.g. Texten keine weiteren Quellen entdecken.


    Die Arbeit von Larsson und Jepson 2008 zu den Stäublingen habe ich über https://booksc.org/ gefunden (nicht nur den Abstract :) ).


    Da steht der Birnenstäubling in allen genetischen Bäumchen doch etwas vereinsamt da und von diesen Autoren wird der Name Apioperdon pyriforme schon vorgeschlagen. (In dem kompletten Text kommt das Wort "Mycorrhiza" nicht vor.)

    VG, abeja

  • Hallo,

    letzte Woche gab es reichlich Stäublinge zu besichtigen.

    Viele Birnenstäublinge wuchsen malerisch in einer Art "Urwald" auf der schon vermorschenden Wurzelscheibe einer umgefallenen Buche.





    Ich habe ein paar Birnenstäublinge und Flaschenstäublinge, die ähnlich weich erschienen, durchgeschnitten.

    Die Subgleba der Birnenstäublinge (unabhängig davon, ob die Sporenmasse schon eingefärbt war) war relativ feucht und zog sich gummiartig. Bei genauer Betrachtung erkannt man eine poröse Struktur mit winzigen Löchlein.


       



    Die Subgleba der Flaschenstäublinge sieht tatsächlich deutlich anders aus, wirkt trocken, zieht sich nicht so und hat eine viel grobere "fluffige" Struktur.


     


    Noch nie bewusst betrachtet, bei solchen "Allerweltspilzen" ^^


    Nach Lit. ist bei dem auch bei reifen Fruchtkörpern die Subgleba hell, im Gegensatz zu den Lycoperdi. Darauf hab' ich noch nie geachtet, bisher hab' ich Birnenstäublinge auch so erkannt.

    Reifere Flaschenstäublinge gab es gerade nicht, aber im Bildvergleich bleibt doch auch da die Subgleba hell (?), sie verändert sich farblich vielleicht ein wenig, wird etwas gelblicher, etwas grünlicher .

    http://www.pilzbestimmer.de/bi…don_perlatum_5___1040.jpg

    http://ntb.wolfgang-schlegel.e…24-Flaschenstaeubling.jpg


    VG, abeja